Franklin Templeton: Marktkommentar Templeton Emerging Markets, Dr. Mark Mobius
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12.02.2013 / 10:09
Templeton Emerging Markets
Überblick
Nachdem die Meldungen aus den USA, Europa und China besser ausfielen als erwartet, zerstreuten sich die Bedenken hinsichtlich der weltweiten Abschwächung des Wirtschaftswachstums im Januar 2013. Die Sorge um einen US-Zahlungsausfall nahm nach der Verständigung der beiden Seiten zur Vereinbarung von Maßnahmen ab, die im Grunde eine Entscheidung über die Schuldenobergrenze zunächst auf Februar und dann auf Juni 2013 verschob. Zwischenzeitlich legte China verbesserte Konjunkturdaten vor. Das geschätzte BIP-Wachstum war höher, die Inflation niedriger, der Produktionssektor kehrte wieder in die Wachstumszone zurück und der Immobilienmarkt hatte sich erholt. Als sich die Region entschied, die Sparprogramme zurückzuschrauben und Maßnahmen zur Förderung des Wachstums einzuführen, war man wegen der Finanzkrise Europas weniger besorgt. Die Fortsetzung der geldpolitischen Expansion, vor allem in den USA, Europa, China und Japan erhöhte die Liquidität des Markts. Im Verlauf des Monats kündigte die japanische Regierung haushaltspolitische Anreizpakete in Höhe von 177 Mrd. US-Dollar an, um das konjunkturelle Wachstum und die Exporte zu steigern. Die monatlichen Kapitalzuflüsse in die Schwellenländer erreichten im Januar einen Rekordstand. Damit wurde der Trend fortgesetzt, der zum Ende von 2012 begonnen hatte. Im Januar betrugen die Nettozuflüsse der Schwellenländer ca. 25 Mrd. US-Dollar, was fast der Hälfte der gesamten Zuflüsse für 2012 entspricht.
Die Börsenplätze der Schwellenmärkte hinkten im Monatsverlauf hinter denen der Industriestaaten her. Der MSCI Emerging Markets Index rentierte 1,4% in US-Dollar. Dagegen präsentierten die MSCI World und USA-Indizes über 5%. 2012 überflügelten die Schwellenmärkte den MSCI Emerging Markets Index, der 18,6% generierte. Gleichzeitig erzeugten die MSCI World und USA-Indizes Returns von 16,5% bzw. 16,1%. Innerhalb der Anlageklasse der Schwellenländer zählten Ungarn und die Philippinen zu den Spitzenreitern. Die angestiegenen Rohstoffpreise und eine kräftigere Inlandswährung verhalfen den chilenischen und russischen Märkten zur Überperformance. Im Gegensatz dazu verzeichneten Tschechien, Südafrika und Malaysia zum Monatsende eine rückläufige Entwicklung.
Aktuelles aus den Regionen
Asien
In China erhöhte sich der BIP-Zuwachs im letzten Quartal 2012 gegenüber dem Vorjahr auf 7,9%, nachdem er im Vorquartal noch 7,4% betragen hatte. Der Wachstumsanstieg beendete sieben aufeinanderfolgende Monate eines rückläufigen Wachstumstrends. Das gesamte Jahreswachstum, das die Prognosen der Regierung überschritt, betrug gegenüber dem Vorjahr 7,8%. Erhöhte Infrastrukturausgaben sowie eine geldpolitische Expansion kamen der Konjunkturtätigkeit zugute. Das Wachstum der Industrieproduktion stieg zum Vorjahr um 10,3% im Dezember 2012 an. Damit lag es über der Erwartung des Marktes und war höher als der Zuwachs zum Vorjahr von 10,1% im November 2012. Der Handelsüberschuss wuchs von 155,5 Mrd. US-Dollar in 2011 auf 232,2 Mrd. US-Dollar in 2012, denn zum Jahresende zeichnete sich eine Verbesserung der Exporte ab. Chinas Auslandsdevisenreserven vermehrten sich von 3,1 Bio. US-Dollar zum Jahresende 2011 auf 3,3 Bio. US-Dollar Jahresende 2012. Im Dezember 2012 verminderte sich der Inflationsdruck. Der Verbraucherpreisindex stieg von im Jahresvergleich 2,0% im Dezember 2012 auf im Jahresvergleich 2,5% im Dezember 2012 an. Die Hauptursache dafür war die Erhöhung der Gemüsepreise von 14,8% gegenüber dem Vorjahr. Die Inflationsrate lag gut innerhalb der Vorgabe der Regierung von 4,0%.
Die südkoreanische Wirtschaft wuchs im Jahresvergleich im vierten Quartal 2012 1,5%, was dem Wachstum des dritten Quartals entsprach. Die wesentlichen Impulsgeber für das Wachstum waren der Konsum der Privathaushalte sowie die Regierungsausgaben. Gegenüber dem Vorjahr erhöhte sich der Verbrauch um 2,8%. Gleichzeitig stiegen die Regierungsausgaben im Jahresvergleich im Quartal 3,1%. Verglichen mit dem Vorjahr gingen die Investitionen im Quartal um 4,1% zurück und das Exportwachstum war im Jahresvergleich mit 4,0% enttäuschend. Zum Vorjahr wuchs das BIP im Jahr um 2,0%: Das ist die niedrigste Zuwachsrate seit 2009, was hauptsächlich auf das schwache Exportwachstum zurückzuführen ist. 2011 hatte die Rate zum Vorjahr 3,6% betragen. Die Bank of Korea senkte für 2013 das BIP-Wachstum im Jahresvergleich von 3,2% auf 2,8%. Der Inflationsdruck flaute im Dezember 2012 ab. Der Verbraucherpreisindex ging im Jahresvergleich von 1,6% im November auf 1,4% zurück. Die Jahresinflation betrug durchschnittlich zum Vorjahr 2,2% und war gegenüber 2011 im Jahresvergleich mit 4,0% niedriger. Zur Förderung der heimischen Wirtschaft beließ die Bank of Korea ihren Leitzins unverändert bei 2,75%.
In Indien senkte die Reserve Bank of India den Leitzinssatz und die Mindestreserve um 25 Basispunkte auf 7,75% bzw. 4%, um das Konjunkturwachstum anzukurbeln. Das Bankensystem könnte dadurch von zusätzlicher Liquidität von 3,4 Mrd. US-Dollar profitieren. Dies war die erste Zinssenkung der Bank in neun Monaten. Zudem senkte die Zentralbank die BIP-Prognose für das Steuerjahr zum März 2013 von 5,8% auf 5,5% im Jahresvergleich. Damit handelt sich um die niedrigste Wachstumsrate seit dem Steuerjahr 2003. Der Großhandelspreisindex blieb zum Vorjahr im Dezember mit 7,2% gleich. Dagegen erhöhte sich der Verbraucherpreisindex von 9,9% im November 2012 auf 10,6% im Jahresvergleich. Die höhere Preisinflation von Lebensmitteln und Kraftstoffen war die Ursache. Indiens Handelsbilanz vergrößerte sich 2012 fast um ein Fünftel auf 191 Mrd. US-Dollar. Die schwache externe Nachfrage sowie die Abwertung der Rupie waren dafür verantwortlich.
Lateinamerika
Brasiliens Arbeitslosenrate erreichte 2012 den tiefsten Stand seit zehn Jahren. Die niedrigen Kreditkosten für Unternehmen, Steuervergünstigungen und erhöhte Staatsausgaben waren die Impulsgeber für die Konjunkturtätigkeit. Die Arbeitslosigkeit ging von 4,9% im November auf 4,6% im Dezember 2012 zurück. Zur Stützung der Binnenwirtschaft ließ die Notenbank ihren Leitzinssatz im Januar unverändert auf einem Rekordtief von 7,25%. Im Dezember 2012 verminderte sich der Inflationsdruck. Der Verbraucherpreisindex stieg von im Jahresvergleich 5,5% im November 2012 auf im Jahresvergleich 5,8% im Dezember 2012 an. Die Hauptursache dafür war der Anstieg der Gemüse- und Dienstleistungspreise. Steuervergünstigungen sowie eine Abnahme der Konjunkturtätigkeit senkten die Inflation im Jahresvergleich von 5,8% zum Ende 2012 auf 6,5% zum Ende 2011. Die Inflationsrate von 2012 war dennoch höher als die Vorgabe der Zentralbank von 4,5% im Jahresvergleich. Der Handelsüberschuss von 2012 ging gegenüber dem Vorjahr um 34,8% auf 19,4 Mrd. US-Dollar zurück. Gegenüber dem Vorjahr verminderten sich die Exporte um 5,3% auf 242,6 Mrd. US-Dollar. Gleichzeitig nahmen die Importe im Jahresvergleich um 1,4% bzw. 223,1 Mrd. US-Dollar im Jahr ab.
Afrika
Das Wachstum der Einzelhandelsumsätze Südafrikas verringerte sich zum ersten Mal seit drei Monaten im November 2012. Zum Vorjahr wuchsen die Umsätze um 3,4%, verglichen mit einem revidierten Zuwachs im Jahresvergleich von 0,9% im Oktober 2012. Dies signalisierte eine mögliche Erholung des Konsums. Die Zentralbank beließ ihren Leitzins im Januar unverändert bei 5,0%. Die Inflationsrate lag innerhalb der vorgegebenen Bandbreite von 3-6% der Bank, aber der Verbraucherpreisindex stieg von im Jahresvergleich 5,6% im November 2012 auf 5,7% im Dezember 2012 an. Hohe Nahrungsmittel- und Energiepreise heizten den Inflationsdruck weiter an. Die Zentralbank senkte die BIP-Wachstumsprognose für 2013 von 2,9% auf 2,6%. Gleichzeitig erhöhte sie die geschätzte Vorgabe von 3,6% auf 3,8% für 2014. Die Produktionssteigerung überstieg die Erwartungen und legte im Jahresvergleich von 2,7% im Oktober auf 3,4% im November 2012 zu. Fortschritte erzielte ebenso der Bergbausektor, denn der Förderungsausstoß war im Jahresvergleich mit 4,5% niedriger als der Rückgang von 8,5% im Oktober 2012. Im Monatsvergleich stieg er um 10,6% an.
Osteuropa
Im Hinblick auf die Prognose gab das BIP-Wachstum Russlands im Jahresvergleich 2012 mit 3,4% etwas nach. Seit der rückläufigen Entwicklung von 2009 handelt es sich dabei um das langsamste Wachstumstempo. Im Vergleich zum Vorjahr war das BIP 2011 um 4,3% gewachsen. Die Inlandsnachfrage unterstützte das Wachstum: Einzelhandelsumsätze und Anlageninvestitionen erhöhten sich 2012 im Jahresvergleich um 5,9% bzw. 6,7%. Im Dezember 2012 ging die Arbeitslosenrate um 5,3% gegenüber November 2012 mit 5,4% sowie 6,1% zum Ende von 2011 leicht zurück. Sie liegt damit innerhalb der Reichweite des Tiefstands der Arbeitslosigkeit des Landes von 5,2% im August und September 2012. Zur Förderung der heimischen Wirtschaft beließ die Zentralbank ihren Leitzins im Januar unverändert bei 8,25%. Der Inflationsdruck nahm von im Jahresvergleich 6,5% im November 2012 auf 6,6% im Dezember 2012 leicht zu. Zum Jahresultimo 2011 betrug die Inflationsrate gegenüber dem Vorjahr 6,1%. Einer der Gründe für den Anstieg waren die erhöhten Lebensmittelpreise. Der Leistungsbilanzüberschuss betrug insgesamt 81,3 Mrd. US-Dollar bzw. 4,2% der BIP-Prognose von 2012.
Das Handelsdefizit der Türkei verringerte sich 2012 im Jahresvergleich um 20,7% auf 83,9 Mrd. US-Dollar. Die Inlandsnachfrage war weiterhin schwach und die Goldexporte stiegen stark an. Zum Vorjahr wuchsen 2012 die Exporte um 13,1% auf ein Rekordhoch von 152,5 Mrd. US-Dollar. Die Importe gingen jedoch im Jahresvergleich um 1,8% auf 236,5 Mrd. US-Dollar für das Jahr zurück. Den Leitzins und den einwöchigen Repo-Satz beließ die Zentralbank unverändert auf einem Rekordtiefstand von 5,5% im Januar, sie senkte aber den Tagesgeldsatz und Zinssatz für Kredite um 25 Basispunkte (0,25%) auf 8,75% bzw. 4,75%. Zudem erhöhte die Zentralbank die Mindestreserve für auf Lira lautende Verbindlichkeiten von 10,6% auf 10,8%. Die Mindestreserveanforderung für auf ausländische Devisen lautende Verbindlichkeiten stieg von 10,6% auf 11,0% an. Der Inflationsdruck nahm weiter ab, und der Verbraucherpreisindex mäßigte sich im Jahresvergleich von 6,4% im November 2012 auf 6,2% im Dezember 2012. Im Zuge der Infrastrukturverbesserung des Landes kündigte die Regierung Investitionspläne über 250 Mrd. US-Dollar in den Sektoren Energie und Transport in den kommenden zehn Jahren an.
Monatsfeature: Fragen und Antworten zu den Schwellenmärkten
Wie schätzen Sie 2013 die Wachstumsaussichten der Weltwirtschaft ein? Die weltweiten Finanzmärkte haben sich in den vergangenen Jahren einem schnellen Wandel unterzogen. Die großen Volkswirtschaften, wie zum Beispiel China und Indien, haben ihren Beitrag zum weltweiten BIP erhöht und sind zu wirklichen Weltmächten avanciert. Aus diesem Grund haben viele ihre Einschätzung über die Weltwirtschaft geändert. Die Einschätzung hat die Tendenz sich auf die Marktrealitäten auszuwirken. Die Entwicklung der globalen Märkte verlief volatil und das Wachstum der Schwellenmärkte, wie China, Indien, Südkorea und Brasilien, ist unlängst leicht zurückgegangen. Wir glauben, der Aufstieg der Schwellenmärkte wird weiter Bestand haben.
Außerdem denken wir, dass die Grenzmärkte für den langfristigen, geduldigen Anleger ein ganz beträchtliches Potenzial versprechen. Mit Blick auf eine Untergruppe von Schwellenmärkten ist das Wirtschaftswachstum in vielen Grenzmärkten ebenfalls nach wie vor hoch und ist sogar in manchen Schwellenländern kräftiger.
Wie sehen die Inflationsaussichten für die Schwellenländer 2013 aus? Hinsichtlich der Inflation könnte es unserer Ansicht nach zu einer Divergenz kommen: Niedrige Inflationsraten in den USA, Japan und der Europäischen Union, verglichen mit relativen hohen Raten in den Schwellenländern. Ein Grund hierfür ist das kräftigere Wachstum der Schwellenmärkte, was sich auf die Preisentwicklung auswirkt. Ein weiterer Grund ist für viele dieser Volkswirtschaften die Abhängigkeit von Rohstoffpreisschwankungen, wie Lebensmittel und Öl. Die Zentralbanken vieler Schwellenländer werden zwischen Beibehaltung des Wachstums und gleichzeitiger Einschränkung der Inflation vorsichtig abwägen müssen. Eine Herausforderung auf lange Sicht ist die quantitative Lockerung der Industriestaaten. Die Verursachung von Anlagen-Spekulationsblasen in den Schwellenländern oder von hohen Rohstoffpreisen, die zur Inflation führen könnten, dürften das Risiko sein. Sehr viel hängt davon ab, wie schnell die Welt reagiert, um die übermäßige Liquidität zu neutralisieren, sobald das Wachstum wieder Fuß gefasst hat. Gelegentlich sind die Interessen von einzelnen Ländern leider nicht im Einklang. Daher überprüfen wir die Lage ständig.
Welche geldpolitischen Entscheidungen werden in Asien voraussichtlich 2013 getroffen? Vor dem Hintergrund einer offenen quantitativen Lockerungspolitik der USA ist Asien nach unserem Dafürhalten mit mehreren Herausforderungen konfrontiert. Die Länder müssen darauf Acht geben, welche potenziellen Auswirkungen die großen Liquiditätsströme haben, die zu Anlagen-Spekulationsblasen und steigender Inflation führen könnten. Besonders problematisch für Volkswirtschaften, wie Indien und Indonesien, sind Zuflüsse in Rohstoffe, z. B. Rohöl und Lebensmittel. Die Rückkehr des Inflationsdrucks könnte Zentralbanken dazu bewegen, Zinssätze früher zu erhöhen als erwartet. Gleichzeitig sind viele asiatische Volkswirtschaften weiterhin exportorientiert. Damit Asien wettbewerbsfähig bleibt, könnten die Regierungen eingreifen, um einen günstigen Devisenkurs zu erhalten. Ernsthafter Konkurrenzdruck könnte schnell in einer Abwertungsspirale von Devisen ausufern.
Nachdem man besorgt war, dass China 2013 eine harte Landung bevorstehen könnte, kam es zu einem Meinungswandel und das Wirtschaftswachstum wird voraussichtlich wieder steigen. Was war die Ursache für diesen Stimmungswandel? Wie wir vor einem Jahr sagten, glaubten wir nicht, dass China 'landen', sondern dass es weiter fliegen würde, d. h. es weiter robust wächst. Unsere Einstellung begründet sich auf der Tatsache, dass Exporte stark gestiegen sind. Außerdem ist der heimische Konsum mittlerweile schnell gewachsen, da mehr Chinesen besser verdienen und dadurch den Verbrauch erhöhen. Der Stimmungswandel ist unserer Ansicht nach wahrscheinlich auf so genannte 'Experten' zurückzuführen. Ihre Prognosen einer konjunkturellen Abschwächung basierte auf Vermutungen und unzulänglichen Auslegungen der Datenreihen. Darüber hinaus übersahen sie die robuste haushaltspolitische Position der Regierung und ihre Fähigkeit, die Konjunktur bei Bedarf anzukurbeln.
Welche potenziellen Reformen werden höchstwahrscheinlich mit der neuen Regierungsspitze Chinas beschleunigt und wie wird sich dies möglicherweise auf die chinesische Konjunktur auswirken? Die Geschichte lässt vermuten, dass China einen reibungslosen Übergang der alten Garde zur neuen Garde bevorzugt. Seit dem letzten Regierungswechsel sehen wir in diesem Zusammenhang keine Trendwende. Wir gehen davon aus, dass die neue Regierung weiterhin die laufende Politik und Reformen fortsetzen wird, die bereits im jüngsten Fünfjahresplan in den Vordergrund gestellt wurden. Generell gehen wir davon aus, dass Schlüsselreformen der neuen Administration allmählich zu einem Konjunkturwandel führen könnten, und zwar zum Ausbau des heimischen Konsums. Die chinesischen Verantwortlichen - so glauben wir - behalten Japans Erfahrung im Auge. Sie sind sich der Herausforderungen und der Zeit bewusst, die nötig ist, um eine derartige Transformation herbeizuführen. Im Rahmen der bedeutenden Strukturreformen des Landes ist eine Liberalisierung des Banken- und Finanzsektors im Hinblick auf marktorientierte Praktiken erforderlich. Zudem gehen wir davon aus, dass die Preise für heimische Energie und Lebensmittel graduell durch die Marktkräfte beeinflusst werden.
Indiens Fortschritte bezüglich der Strukturreform waren bisher enttäuschend. Erwarten Sie diesbezüglich eine Verbesserung? Indiens Demokratie ist komplex: Sie setzt sich aus Menschen, Bürokratie und Kultur zusammen, die innerhalb des Landes nicht homogen ist. Genau aus diesem Grund ist es schwierig und zeitaufwändig, zu einem politischen Konsens zu kommen. Dennoch sind wir hinsichtlich der Aussichten des asiatischen Giganten auf lange Sicht optimistisch. Die derzeitige Situation beurteilen wir so: Es sind nichts anderes als 'Wachstumsschmerzen', die jeder Volkswirtschaft eines Schwellenlands widerfahren. Die konjunkturellen Realitäten erzwingen wahrscheinlich letztendlich die Einführung der erforderlichen Reformen. Wir sind der Auffassung, dass die aktuelle Regierung beabsichtigt, die Marktreformen zu beschleunigen, aber es wird schwierig für sie sein, am Status quo zu rütteln. Auf der Grundlage der Erfahrung vieler anderer Schwellenländer glauben wir, dass es sowohl zu Erfolg als auch Misserfolg sowie Verzögerungen bei der Umsetzung kommen wird.
Sie investieren seit Jahrzehnten in die Schwellenmärkte. Wie behaupten sich diese Länder mittlerweile, verglichen mit Industriestaaten? Ein ganz wichtiger Punkt, der sich verändert hat, ist die wachsende finanzielle Stärke der Schwellenländer. Die Staatsverschuldung der Schwellenländer beträgt durchschnittlich unter 50% des BIP. In den USA, Europa und Japan ist die Staatsverschuldung viel höher - in einigen Fällen über 100% des BIP. Wir haben inzwischen eine Situation, in der die Gläubiger in den Schwellenländern und die Schuldner in der entwickelten Welt sind. Auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten könnten unserer Ansicht nach Schwellenländer mehr Kapital in den Unternehmen der Industriestaaten im Gegenzug für Markennamen und Know-how investieren.
Welche Anlageklassen werden sich in der aktuellen Marktlage weiter entwickeln? In der derzeitigen Lage gibt es nach unserem Dafürhalten nach wie vor gute Gründe, Aktien zu berücksichtigen. Wir denken, vom Risiko-/Ertragsprofil und auf der Grundlage der Bewertungen und der Fundamentaldaten sind die Aktien der Schwellenländer anscheinend attraktiv. Des Weiteren halten wir Aktien für die beste Möglichkeit, um die Kaufkraft gegen den Verwässerungseffekt der Inflation zu schützen. Im Verlauf der jüngsten 'Flucht in Sicherheit' zwischen 2011 und 2012 haben viele Anleger einen Großteil ihrer Portfolios in Renten angelegt, was zu einem starken Druck auf die weltweiten Rentenrenditen führte. Wir denken, dass sich diese Situation leicht umkehren könnte. Wir sind der Auffassung, dass mit der Bestätigung der weltweiten konjunkturellen Erholung die Bereitschaft für Risikoanlagen - inklusive Aktien - wieder zurückkehren könnte und zu einer Überperformance der Anlageklasse führt. Dieser Trend dürfte gegen Ende 2012 bereits eingesetzt haben.
Dr. Mark Mobius, Executive Chairman, Templeton Emerging Markets Group http://mobius.blog.franklintempleton.com/de/
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201200 12.02.2013
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AXC0056 2013-02-12/10:09
