Der deutsche Aktienmarkt ist am Montag
tief in die Verlustzone abgerutscht. Nach einem zögerlichen Start
weitete der Dax das Minus kontinuierlich aus und
intensivierte seine Talfahrt am Nachmittag nochmals. Zuletzt büßte
der Leitindex 1,41 Prozent und 7.722,75 Punkte ein und erreichte den
tiefsten Stand seit mehr als einer Woche. Zeitweise war er nicht nur
unter die Marke von 7.800 Punkten, sondern auch gleich noch unter
die 7.700 Punkte gefallen. Der MDax fiel um 0,85 Prozent
auf 12.648,54 Punkte, und der TecDax sank um 0,34 Prozent
auf 877,36 Punkte.
Börsianer erklärten den Rücksetzer mit neuen politischen Sorgen
in der Eurozone, speziell wegen den in Spanien kursierenden
Korruptionsvorwürfen gegen die Regierungspartei. "Ein drohendes Ende
für Ministerpräsident Mariano Rajoy und seine Partei würde die
derzeit laufende Haushaltskonsolidierung in Spanien untergraben",
sagte Marktexperte Ishaq Siddiqi vom Broker ETX Capital am Mittag.
Als Unruheherd verwies er zudem auf die jüngsten Wahlumfragen in
Italien, die darauf hindeuten, dass die Partei des ehemaligen
Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi vor der baldigen
Parlamentswahl in der Wählergunst aufholt.
EON UND RWE AN DAX-SPITZE
Größter verbliebener Dax-Gewinner waren die Aktien von RWE
mit einem moderaten Zugewinn von 0,25 Prozent. Laut
Presseberichten erwägt der Versorger deutliche Ausgabenkürzungen, um
seine Verschuldung abzubauen. Eon dagegen waren mit dem
Markt ganz knapp ins Minus abgerutscht, obwohl sie lange Zeit von
dem vorerst abgewendeten Streik profitiert hatten. Ein kleines
Kursplus gab es sonst nur noch bei den beiden defensiv
eingeschätzten Aktien von Fresenius und Merck .
Schlusslicht waren dagegen die Aktien der Commerzbank ,
die nach überraschend vorgelegten Eckdaten 4,47 Prozent auf 1,538
Euro einbüßten. Sonderbelastungen haben das Institut im vierten
Quartal mit rund 720 Millionen Euro in die roten Zahlen gedrückt.
Laut Analyst Christoph Bast von der DZ Bank waren die Abschreibungen
auf Steueransprüche zwar angekündigt worden, er zeigte sich aber
dennoch überrascht von ihrer Höhe. Die Serie an Enttäuschungen setze
sich bei dem Institut fort, so der Experte.
ANALYSTENKOMMENTARE BEWEGEN
Außerdem sorgten einige Analystenkommentare für Bewegung: Im Dax
wurden die Papiere der Deutschen Post von einer negativen
Stimme mit zweieinhalb Prozent ins Minus gezogen. Bei dem
Logistik-Konzern kam belastend hinzu, dass Vorstandschef Frank Appel
in den nächsten Jahren im Paketgeschäft mit einem abgeschwächten
Wachstum rechnet.
Auch im MDax waren einige Aktien von Analystenkommentaren
bewegt: Studiengetrieben lagen Symrise und Wacker Chemie
mit Zugewinnen von bis zu 1,76 Prozent weit vorne, während
Fielmann mit rund drei Prozent Minus zu den größten
Verlierern zählten. Bei den Titeln der Optikerkette sieht
Deutsche-Bank-Analyst Benjamin Goy keinen Grund für den aktuellen
Aufschlag im Vergleich zur historischen Bewertung.
AUCH AURUBIS WEGEN ECKDATEN UNTER DRUCK
Größter MDax-Verlierer waren aber die Aurubis-Aktien :
Ähnlich wie bei der Commerzbank wurden die Titel des Kupferkonzerns
nach überraschend vorgelegten Zahlen abgestraft. Zuletzt büßten sie
3,69 Prozent auf 55,13 Euro ein, nachdem sie am Morgen noch einen
Rekordstand von 57,79 Euro erreicht hatten. Börsianer verwiesen
deshalb auf Gewinnmitnahmen. Bereinigt um hohe Sondereffekte sah
Analyst Dirk Schlamp von der DZ Bank seine Erwartungen als erfüllt
an./tih/la
--- Von Timo Hausdorf, dpa-AFX ---
ISIN DE0008469008 DE0007203275 DE0008467416
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