Sehr verehrte Leserinnen und Leser,
diese Woche lässt ein wahres Zahlengewitter auf die Börsianer niederprasseln, zumindest in den USA. Zum Wochenende werden rund 20 % der S&P500-Unternehmen ihre Quartalsergebnisse vorgelegt haben. Und je nachdem, wie diese ausfallen, geht es dann an den Märkten um "Hopp oder Top".
Rund 100 Quartalsberichte in dieser Woche
Denn mit Schwergewichten wie Google, IBM und Intel aus dem Technologiesektor, Coca Cola sowie Pepsi aus der Konsumgüterindustrie oder Union Pacific aus der Transportbranche, sechs großen Finanzkonzernen (u.a. Citigroup und Morgan Stanley) wird das gesamte Spektrum der US-Wirtschaft Einblick gewähren, wie die Geschäfte laufen und die Erwartungen ausfallen. Der damit eingeschlagene Trend - egal ob nach oben oder unten - wird sicherlich auch die restliche Quartalsberichtssaison bestimmen.
Die bereits vorgelegten Zahlen von 31 S&P500-Unternehmen zeichnen bislang ein eher gemischtes Bild. Im Vergleich zum Vorquartal fiel das Wachstum bei diesen Firmen schwächer aus, allerdings schnitten sie im Durchschnitt besser als erwartet ab. Die Analysten hatten also zuvor ihre Erwartungen entsprechend zurückgeschraubt.
Trotz Gewinnsprüngen ein gemischtes Bild
Wie uneinheitlich das Bild ausfällt, zeigt exemplarisch das Ergebnis von Alcoa. Der Aluminiumkonzern legte am Montag vergangener Woche als erster großer S&P-Wert seine Zahlen vor. Alcoas Gewinn fiel zwar höher aus als erwartet, dafür blieb der Umsatz hinter den Schätzungen zurück. Grund waren geringere Aluminiumpreise. Allerdings konnte Alcoa den Gewinn durch überproportionale Einsparungen trotzdem steigern.
Solchen Maßnahmen sind jedoch Grenzen gesetzt. Und so bleibt die Erkenntnis, dass der Rohstoffsektor schwächelt, was kein gutes Omen für die Konjunktur ist. Dementsprechend verhalten fiel die Reaktion der Börsen auf diese Fakten aus: Die Alcoa-Aktie bewegte sich zunächst nicht vom Fleck.
Auch die beiden Großbanken J.P. Morgan und Wells Fargo, die jeweils am Freitag ihre Ergebnisse präsentierten, hinterlassen einen zwiespältigen Eindruck. Zwar stiegen die Gewinne beachtlich und lagen ebenfalls über den Analystenerwartungen. Aber stagnierende Umsätze, Schwächen in wichtigen Geschäftsbereichen (wie z.B. dem Immobiliengeschäft) und auch einmalige Sondereffekte wecken bei den Investoren Zweifel an der Nachhaltigkeit dieser Resultate.
Es passt zusammen: schwache Konjunktur und durchwachsene Unternehmenszahlen
Verwunderlich ist dies jedoch nicht. Bereits zuvor wiesen wichtige Konjunkturindikatoren darauf hin, dass die Wirtschaft erneut an Zugkraft verliert: Der ISM-Index und die US-Arbeitsmarktdaten von Anfang April sowie die US-Einzelhandelsumsätze, die in der vorigen Woche veröffentlicht wurden, blieben jeweils deutlich hinter den Erwartungen zurück.
Es ist also nur logisch, dass sich dies auch in den Quartalszahlen der Unternehmen widerspiegelt. Damit wird voraussichtlich auch die laufende Quartalssaison eher ernüchternde Resultate hervorbringen. Größere - insbesondere positive - Überraschungen sind kaum zu erwarten.
Noch bleiben die Märkte gelassen
Für die Märkte dürfte dies kein großes Problem sein. Seit Monaten bereits wird eine spürbare Erholung frühestens für die zweite Jahreshälfte erwartet. Und zuletzt zeigten sich die Börsen ja auch recht robust angesichts dieser eher schlechten Nachrichten, zumindest was die US-Märkte betrifft.
Die Stimmung ist also offensichtlich - wieder einmal - deutlich besser als die Lage. Solange das so bleibt, ist eigentlich alles in Ordnung und Sie können Ihre Gewinne weiter laufen lassen. Mit dem Ausbruch des S&P 500 über sein Allzeithoch von 2007 haben Sie zudem einen hervorragenden Anhaltspunkt, wann diese Stimmung wieder dreht: Fällt der S&P 500 nämlich nachhaltig unter die Marke von 1.576 Punkten (das alte Hoch) zurück, dann wäre dieser Ausbruch fehlgeschlagen. Und damit hätten Sie ein ideales Signal, um weitere Gewinne mitzunehmen.
Aber noch ist es nicht so weit, und so warten wir zunächst einmal ab, was uns der Zahlenreigen aus den USA in dieser Woche bringt.
Mit besten Grüßen
Ihr Torsten Ewert
