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Fed kritisiert Fiskal-Politik und EZB senkt die Zinsen

von Jochen Steffens

Zuerst in heimische Gefilde: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat heute tatsächlich den Leitzins um 0,25 Basispunkte auf 0,5 Prozent gesenkt. Mit dieser Nachricht im Rücken konnte der DAX sogar kurz die 8.000er Marke knacken, doch der nachhaltigere Schub kam etwas später aus den USA.

Der Markt reagierte zunächst negativ auf das Statement

Nachdem die US-Indizes auf das Statement der Fed im Anschluss an die gestrige Zinssitzung eher negativ reagierten, scheint heute wieder mehr Hoffnung im Markt zu sein. Dabei entspricht der gesamte Text (sechs Absätze) nahezu vollständig dem Statement vom März. Es wurden lediglich kleine, aber vielleicht wichtige Veränderungen vorgenommen.

Gestrichen wurde der Teilsatz, der Bezug auf das schwache Wachstum von Ende des vorigen Jahres nahm. Aktuell heißt es somit nur noch, dass die wirtschaftliche Aktivität zunimmt. Entsprechend gab es auch beim Thema Arbeitsmarkt eine lediglich graduelle Veränderung: Statt "(erste) Zeichen einer Verbesserung" wird nun von einer "leichten Verbesserung" berichtet. Beides ist kaum von Bedeutung.

Die beiden interessanten Änderungen

Einen überraschend klaren Seitenhieb hat die Fed den politischen Querelen zwischen den Demokraten und den Republikanern im Zusammenhang mit der Fiskalpolitik erteilt. Es geht hier um die am 1. Januar in Kraft getretenen Steuererhöhungen und die Ausgabenkürzungen, die am 1. März wirksam wurden. Hieß es in dem vorherigen Statement noch vorsichtig, dass die Fiskalpolitik etwas restriktiver geworden sei ([…] but fiscal policy has become somewhat more restrictive), heißt es jetzt unmissverständlich, dass die Fiskalpolitik das wirtschaftliche Wachstum dämpft ([…] fiscal policy is restraining economic growth).

Doch der vielleicht wichtigste Punkt ist, dass die Fed einen Satz eingefügt hat: "The Committee is prepared to increase or reduce the pace of its purchases to maintain appropriate policy accommodation as the outlook for the labor market or inflation changes."

Mit anderen Worten: Die Fed ist bereit, die Anleihekäufe zu reduzieren oder zu "verstärken", um eine dem Ausblick für den Arbeitsmarkt und die Inflation angepasste Geldpolitik zu gewährleisten.

Dieser Satz ist umso interessanter, da bei der letzten Sitzung lediglich über eine Kürzung oder das Ende der Käufe gestritten wurde. Jetzt wird sogar explizit wieder eine Ausweitung der Käufe in Betracht gezogen! Damit reagiert die Fed meines Erachtens auf die gestiegenen Risiken für die US-Wirtschaft, die durch die (aus der Sicht der Fed) politischen Fehler im Zusammenhang mit der Fiskalklippe gemacht wurden.

Märkte reagieren zunächst überrascht negativ

Und so ist es verständlich, dass die Märkte überrascht reagierten. Das führte gestern im späten Handel an den US-Märkten zunächst zu einer verunsicherten Seitwärtsbewegung und im weiteren Verlauf zu fallenden Kursen. Schließlich ist so ein deutlicher Angriff auf die US-Politik für den Notenbankchef Ben Bernanke eher ungewöhnlich. Heute jedoch scheinen die Märkte dies verdaut zu haben und setzen auf die weit geöffneten Geldschleusen.

Auf den ersten Blick unlogisch?

Das ist auf den ersten Blick umso verwunderlicher, da morgen der US-Arbeitsmarktbericht veröffentlicht wird. Nach dem bereits gestern veröffentlichten ADP-Bericht sind im privaten Bereich lediglich 119.000 neue Stellen geschaffen wurden, statt wie erwartet 150.000 Stellen. Normalerweise würden Anleger nun eher damit rechnen, dass auch der offizielle Arbeitsmarktbericht am Freitag schlechter ausfällt und verkaufen.

Widersprüchliche Ursachen

Es gibt zwei mögliche Ursachen für den heutigen Kursanstieg der US-Indizes, die sich jedoch widersprechen. Wie die Fed betont, wird sie ihre geldpolitischen Maßnahmen so lange fortführen, bis die Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent fällt oder aber die Inflation deutlich anzieht. Im Zusammenhang mit den gestrigen Aussagen der Fed wäre ein schwächerer Arbeitsmarkt ein möglicher Grund, dass die Fed die Käufe eher weiter forciert. Das wäre wiederum gut für den Aktienmarkt (kurz- bis mittelfristig), und darauf setzen die Spekulanten.

Es gibt aber eine wesentlich einfachere Erklärung, die aber den zuvor gemachten Aussagen komplett widerspricht. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, die heute veröffentlicht wurden, sind mit 324.000 Anträgen deutlich unterhalb der höheren Erwartungen von 345.000 Anträgen geblieben und damit besser ausgefallen, als erwartet.

Nun hatten wir in den vergangenen Monaten gesehen, dass die Erstanträge oft ein besserer Indikator für den US-Arbeitsmarkt sind als die ADP-Daten. Im Diagramm erkennt man eine stark fallende Tendenz in den vergangenen Wochen. Aus diesem Blickwinkel heraus müsste man auf einen besseren US-Arbeitsmarktbericht setzen, das widerspricht dem oben geschriebenen.

Verschiedene Kaufgründe

Interessanterweise kann man den Widerspruch ganz einfach auflösen: Die meist institutionellen Anleger, die eher auf die Fed-Politik achten, werden aus dem erstgenannten Grund kaufen. Die Anleger, die kein tiefergehendes Interesse an volkswirtschaftlichen Theorien haben, vielleicht eher aus dem zweitgenannten Grund. Und so kaufen alle, aus verschiedensten Gründen. Perfekt.

Die entscheidende Marke

Doch aus welchen Motiven auch immer der Anleger investieren oder nicht, wichtig bleiben die am Dienstag hier im Steffens Daily genannten Marken für den S&P500. Gestern ist der S&P500 zunächst einmal an seinem vorangegangenen Hoch gescheitert. Heute versucht er einen erneuten Anlauf. Es bleibt damit weiter höchst spannend.

Viele Grüße

Ihr

Jochen Steffens

© 2013 Börse-Intern
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