Es fehlten nur noch 21 Punkte, und der DAX hätte sein Allzeithoch punktgenau erreicht. Er befindet sich damit bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr auf einem Niveau, an dem er schon in den Jahren 2000 und 2007 gestanden hat.
Vielleicht erinnern Sie sich, dass in den vergangenen Wochen in vielen Medien von der auffallenden Schwäche des DAX im Vergleich zum S&P500 berichtet wurde. Seit Ende vergangenen Jahres läuft der DAX unter steigender Volatilität seitwärts, während der S&P500 in dieser Zeit einen klaren Aufwärtstrend ausgebildet hat.
Aber bezüglich ihrer Allzeithochs liegen der S&P500 und DAX nun gleichauf. Damit ist im großen Bild eine solche Schwäche nicht zu erkennen. Und so muss man auch nicht unbedingt Gründe für diese Schwäche der vergangenen Monate suchen (die es sicherlich gibt).
Einmal mehr im Einklang
Wenn Sie den Steffens Daily schon länger lesen, wissen Sie, dass gerade diese beiden Indizes, also der S&P500 und der DAX dazu neigen, zeitgleich an höchst wichtigen Widerständen und Unterstützungen zu stehen. Allerdings ist der S&P500 mit dem heuten Anstieg bereits nachhaltiger über sein Allzeithoch ausgebrochen. Sollten sich die US-Märkte im weiteren Verlauf halten, wird aber auch der DAX diesen Ausbruch am Montag nachholen (sofern keine schlechten Nachrichten am Wochenende / Montag die Stimmung trüben.)
Die Entscheidung über diese charttechnische Marke wäre in diesem Fall wieder einmal im Zusammenhang mit der Fed-Sitzung und dem US-Arbeitsmarktbericht gefallen. Auch dieses Phänomen war durchaus schon häufiger zu beobachten.
Der US-Arbeitsmarktbericht überrascht positiv!
Nach den neuesten Zahlen sind in den USA im April außerhalb der Landwirtschaft 165.000 neue Stellen geschaffen worden. Analysten hatten lediglich mit 148.000 Stellen gerechnet. Interessant ist, dass auch die Werte der beiden Vormonate kräftig nach oben revidiert wurden. Im März ist nun ein Stellenwachstum von 138.000 zu verzeichnen, revidiert von 88.000 Stellen. Für den Februar wurde die Zahl von zuvor 268.000 auf 332.000 Jobs revidiert.
Die Arbeitslosenquote sinkt zugleich auf 7,5 Prozent. Das ist der tiefste Stand seit Dezember 2008.

Wieder einmal zeigt sich damit, dass die Entwicklung der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, die jeweils wöchentlich veröffentlicht werden, einen deutlich besseren Indikator darstellt, als die ADP-Daten. Aber das nur nebenbei.
Der langfristige Blick
Und zum Abschluss der Woche noch einmal der langfristige Blick auf die Allzeithochs im DAX und S&P500:

Sie sehen, der DAX ist heute an das Hoch gelaufen, während der S&P500 nun den Ausbruch versucht. Der S&P500 generiert damit ein höchst bullishes Signal für die US-Märkte - insbesondere da der Dow Jones und der Russel 2000 in diesem Jahr ebenfalls schon neue Allzeithochs ausgebildet haben.
Kleiner warnender Hinweis
Die folgenden Worte schreibe ich, da ich in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder auf diesen Ausbruch im S&P500 als das entscheidende Signal hingewiesen haben:
Auch wenn der DAX in der kommenden Woche sein Allzeithoch endgültig knacken wird, der S&P500 weiter steigt und somit viele bullishe Signale ausgebildet werden, bleiben natürlich die Gefahren im Markt bestehen. Es kann jederzeit wieder zu stark fallenden Kursen kommen.
Denken Sie daran, dass es in der Charttechnik immer nur um Wahrscheinlichkeiten geht! Dieser Ausbruch erhöht nur die Wahrscheinlichkeit, dass die Rallys in den Indizes weiter fortgeführt werden - das ist alles. Und wir reden hier von Wahrscheinlichkeiten, die geschätzt im Bereich von 55-70 Prozent liegen (es gibt zu wenige vergleichbare Werte bei sehr großen Seitwärtsbewegungen, um das genauer zu bestimmen). Bleiben Sie also weiter vorsichtig und passen Sie Ihre Positionen entsprechend langsam an die neuen bullishen Signale an.
Sollten die Seitwärtsbewegungen tatsächlich langfristig nach oben verlassen werden, wird sich eine Rally anschließen, die über viele Jahre anhalten wird. Es besteht also kein Grund, jetzt schon ein überhöhtes Risiko einzugehen. Ein charttechnischer Ausbruch ist und bleibt eben nur ein charttechnischer Ausbruch. Die Möglichkeit eines Fehlausbruchs ist dabei nie auszuschließen.
Viele Grüße
Ihr
Jochen Steffens
