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DAX erreicht unbekannte Höhen

von Jochen Steffens

Jetzt ist nach dem S&P500 - wie erwartet - auch der DAX auf ein neues Allzeithoch ausgebrochen. Es ist schier unglaublich, angesichts der Krisen und der düsteren Stimmung und all den Skeptikern, oder? Der DAX auf einem Niveau, das er noch niemals zuvor erreicht hat.

Der Apfelbaum

Aber erinnern Sie sich: Eine große Rally beginnt immer (!) am Tief einer großen Rezession, dann, wenn die Welt düster geworden ist und der Untergang nah scheint. Dann, wenn die meisten Anleger alles andere kaufen, nur keine Aktien mehr. Dann, wenn alle anderen Anlageklassen, wie Immobilien, Gold, Anleihen, extrem überbewertet sind. Es gibt keinen anderen Zeitpunkt, an dem die wirklich große Rallys beginnen können, denn nur dann besteht die theoretische Möglichkeit, dass irgendwann mit weiter steigenden Kursen all die Übertreibungen in den anderen Anlageklassen abgebaut werden und dieses Geld in den Aktienmarkt fließt. Diesen Mechanismus muss man verstehen lernen, um das Wesen der Börse zu begreifen.

Vielleicht erinnern Sie sich in diesem Zusammenhang noch an diese Abwandlung des bekanntesten Zitats von Martin Luther, die ich hier im Steffens Daily in den düstersten Tagen kreiert habe: "Und wenn morgen die (Börsen-)Welt unterzugehen scheint, werde ich heute noch Aktien kaufen!" Auch dieses Mal hat sich das erneut bestätigt, allen Unkenrufen zum Trotz. Mehr noch, der DAX hat sogar trotz all dieser Krisen ein neues Allzeithochs erreicht.

Und ich möchte noch einmal betonen, dass es mir keinesfalls darum geht, all die Skeptiker bloßzustellen. Auch ich habe die düsteren Stimmung selbstredend mitgemacht und oft genug gezweifelt. Nein, es geht darum, diese Erfahrungswerte zu sammeln, um zu begreifen, dass Börse anders funktioniert als die eigene Stimmung. Die Börse ist meist sogar komplett konträr zur eigenen Stimmung und sogar zu den eigenen Überzeugungen. Nur wenn Sie das verinnerlichen, haben Sie eine Chance, langfristig erfolgreich zu bleiben.

Dazu der DAX-Chart:

Hier sehen Sie den Ausbruch über das ehemalige Allzeithoch bei 8151,57 Punkten. Auch der seit Oktober 2011 existente Aufwärtstrend ist noch in Ordnung.

Doch auch hier muss ich noch einmal darauf hinweisen, dass es um einen Widerstand geht, der seit dem Jahr 2000 relevant ist. Ein kleiner Hüpfer über diese Marke ist noch kein nachhaltiger Ausbruch. Hier muss natürlich deutlich mehr geschehen und die Gefahr eines Fehlausbruchs ist leider hoch.

Der Wermutstropfen einer kleinen Ungenauigkeit

Aber gut, ein anderer Wermutstropfen existiert auch noch. Ein Leser machte mich heute darauf aufmerksam, dass man eigentlich den S&P500 und den DAX nicht vergleichen könne. Schließlich sei der S&P500 ein Kursindex und der DAX ein Performance-Index. (In einem Performance-Index werden die Dividenden hineingerechnet, während bei einem Kursindex lediglich die Kurse berücksichtigt werden.)

Auf diesen Unterschied hatte ich zwar hier im Steffens Daily bereits mehrfach hingewiesen, aber im Börsenalltag hat es sich einfach eingebürgert, den normalen DAX, also den Performance-Index, mit den US-Indizes zu vergleichen - auch wenn das nicht wirklich korrekt ist. Also sollten wir einen Blick auf den DAX-Kursindex werfen.

Ein bekanntes Phänomen

Einige Steffens-Daily-Leser werden das Phänomen bereits kennen, dass meist alle wichtigen Indizes nahezu gleichzeitig vor wichtigen Widerständen stehen. Und so ist es auch beim DAX-Kursindex, der zwar nicht mit seinem Allzeithoch kämpft, aber immerhin mit dem Hoch aus dem Jahr 2011, also dem Hoch, das vor der Eskalation der EU-Schuldenkrise ausgebildet wurde.

Und selbstverständlich hat auch dieser Widerstand eine entscheidende Bedeutung. Während das Überwinden des Allzeithochs im S&P500 ein charttechnisches Signal für das Ende der dortigen Finanzmarktkrise darstellt, wäre ein nachhaltiges Überwinden des 2011er-Hochs im DAX-Kursindex ein erster Hinweis auf ein mögliches Ende der Schuldenkrise in Europa. Auch wenn das zurzeit vielleicht nur wenige so sehen. Denken Sie jedoch daran, dass Börsen Entwicklungen vorweg nehmen - Entwicklungen, bei der die Masse der Anleger noch nicht bereit ist, diese zu akzeptieren. Und damit wären wir wieder bei dem abgewandelten Zitat von Martin Luther…

Viele Grüße

Ihr

Jochen Steffens

© 2013 Börse-Intern
Software vor dem Comeback – diese 5 Aktien könnten durchstarten!
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