Von Heide Oberhauser-Aslan
Die fränkische Klinikkette Rhön-Klinikum könnte schneller als gedacht wieder zum Übernahmeobjekt werden. Der schwedische Pensionsfonds Alectra, mit knapp 10 Prozent einer der Größaktionäre der Klinkkette, will auf der Hauptversammlung über die in der Satzung fest verankerte hohe Hürde von mehr als 90 Prozent bei allen wichtigen Entscheidungen abstimmen lassen. Ziel des Vorhabens: Die Hürde soll fallen, Rhön-Klinikum soll sich endlich frei entfalten können. Der Schlüsselaktionär und Firmengründer Eugen Münch hat sich schon wohlwollend geäußert.
"Dieser Antrag ist es Wert bedacht zu werden" erklärte Münch, der auch Aufsichstsratschef bei Rhön ist, zu dem Vorstoß von Alectra. Der Firmengründer der Klinikkette hält 12,5 Prozent und ist der größte Einzelaktionär. Er könnte damit das Vorhaben des Pensionsfonds stoppen. Ob eine Satzungsänderung gelingt, ist aber dennoch fraglich - denn auch dafür wäre auf der Hauptversammlung am 12. Juni eine Mehrheit von mehr als 90 Prozent nötig.
Wie sich die anderen Aktionäre, wie etwa Rivale Asklepios oder der Medizintechnikkonzern B. Braun verhalten werden, ist fraglich. Die beiden Unternehmen hatten mit ihrem Einstieg bei Rhön schon die Übernahme durch Fresenius verhindert. Branchenexperten gehen derzeit nicht davon aus, dass die erforderliche Mehrheit von 90 Prozent auf der Hauptversammlung erreicht wird. Die Rhön-Aktie notierte am Vormittag nach der Ankündigung dennoch drei Prozent fester.
Die Regelung sei nicht mehr zeitgemäß und unüblich für vergleichbare Unternehmen in Deutschland, begründete der Pensionsfonds den Antrag. Sie könne zu einer Einschränkung der Entwicklungsmöglichkeiten des Unternehmens führen. Es sollte deshalb im Interesse aller Aktionäre liegen, diese Regelung aus der Satzung von Rhön-Klinikum zu streichen, heißt es weiter.
Durch die Abschaffung der 90-Prozent-Hürde würde die Wahrscheinlichkeit steigen, dass Rhön-Klinikum von einem Konkurrenten übernommen wird oder mit ihm fusionieren kann. Die Übernahme von Rhön durch Fresenius war im vergangenen Juni geplatzt, weil der Gesundheitskonzern nicht wie anvisiert mehr als 90 Prozent der Rhön-Aktien einsammeln konnte. Den Bad Homburgern waren 84,3 Prozent der Aktien angedient worden.
Die hohe Hürde war einst in der Rhön-Satzung auf Betreiben des Mehrheitsaktionärs und Firmengründer Eugen Münch verankert worden, um den Konzern vor feindlichen Übernahmen zu schützen. Mittlerweile hat aber auch bei dem Firmengründer ein Umdenken eingesetzt. Aus der Festung sei für Rhön mittlerweile ein Gefängnis geworden, meinte ein Analyst. Das habe die gescheiterte von Münch betriebene Übernahme von Rhön durch Fresenius gezeigt.
Ob eine Satzungsänderung bei Rhön gelingt, steht allerdings in den Sternen. Der Rivale Asklepios, der im vergangenen Juni durch seinen Einstieg bei Rhön bereits die Übernahme des Konzerns durch Fresenius torpediert hatte, und andere, mittlerweile beteiligte Konkurrenten, könnten das Vorhaben blockieren. Asklepios erklärte auf Anfrage, "wir kommentieren weder die Tagesordnung noch Änderungswünsche". Auch Fresenius wollte keinen Kommentar abgeben.
Asklepios hält mittlerweile unter 10 Prozent an Rhön. Weitere 5 Prozent besitzen laut Geschäftsbericht die Else-Kröner-Fresenius-Stiftung und der Medizintechnikkonzern B.Braun Melsungen. Mit 3,7 Prozent ist der US-Hedgefonds-Manager John Paulson beteiligt. Er hatte seinerzeit, ebenso wie andere kurzfristig bei Rhön eingestiegene Hedge Fonds an Fresenius mit einem Gewinn verkaufen wollen. Da die Offerte scheiterte, blieb er auf den Aktien sitzen. Zumindest von Seiten der Hedge-Fonds ist keine Blockade zu erwarten, denn sie suchen noch immer nach einem attraktiven Aussstieg bei Rhön.
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May 10, 2013 08:22 ET (12:22 GMT)
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