Von Harriet Torry und Andreas Kißler
BERLIN--Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat Portugal Hilfe der bundeseigenen Förderbank KfW bei einem Programm zur Stützung portugiesischer Klein- und Mittelständler zugesagt. Zudem soll die KfW Portugal beim Aufbau eines eigenen Förderinstitutes helfen, sagten Schäuble und sein portugiesischer Amtskollege Vítor Gaspar nach einem Treffen in Berlin.
In Portugal, dessen Reformprogramm sich positiv entwickele, hätten sich niedrigere Finanzierungskosten für Staatsanleihen noch immer nicht umfassend auf die übrige Wirtschaft übertragen, erklärten beide Minister in einer Mitteilung.
Gaspar zeigte sich "besorgt" darüber, dass die kleinen und mittleren Firmen (KMU) immer noch keinen Zugang zu Bankkrediten zu vernünftigen Bedingungen haben. Im Bereich exportorientierter KMU könne Portugal von einer Zusammenarbeit mit Deutschland profitieren, besonders durch die KfW, die Kreditlinien bereitstellen und sich indirekt an der Kapitalisierung von KMU durch portugiesische Institutionen beteiligen könne, sagte der portugiesische Finanzminister.
Die Hilfen sollen sich laut der gemeinsamen Mitteilung besonders "auf den Finanzierungs- und Kapitalisierungsbedarf portugiesischer KMU mit großen Potenzialen" richten. Bei ihrem Treffen haben beide Minister vereinbart, bei der Ausarbeitung technischer und finanzieller Unterstützung eng mit der KfW zu kooperieren.
Die beiden Finanzminister setzten sich in der Mitteilung für die "zügige" Schaffung einer Bankenunion in Europa ein und sahen ein Problem in der Fragmentierung der Finanzmärkte. Unternehmen in der Peripherie seien bei gleichem Kreditrisiko mit höheren Finanzierungskosten konfrontiert als die Unternehmen der Kernländer.
Schäuble verwies vor Journalisten auch darauf, dass derzeit ein ähnliches Programm für spanische Klein- und Mittelbetriebe geprüft werde. Der Bundesfinanzminister hatte gemeinsam mit seinem spanischen Amtskollegen Luis de Guindos auch eine Initiative für Spanien angekündigt, mit der Investitionen deutscher Unternehmen bei spanischen Betrieben gefördert werden sollen. Doch die Details dieser Initiative sind bisher noch immer im Dunkeln geblieben.
Schäuble hat wiederholt betont, wie wichtig ihm der Kampf gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit in südeuropäischen Ländern ist und will mit solchen Initiativen zu deren Abbau beitragen. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt nach den jüngsten EU-Statistiken in Portugal bei 38,3 Prozent und in Griechenland und Spanien noch darüber. Am Mittwoch warnte Schäuble, "dass Europa insgesamt eine ganze Generation nicht länger mit solch hohen Arbeitslosenraten ertragen kann".
Erst am Dienstag hatte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in Madrid mit Spanien ein Abkommen geschlossen, das Ausbildung und Beschäftigung junger Spanier in Deutschland auf den Weg bringen soll. Mit der Vereinbarung, die von der Leyen mit ihrer spanischen Amtskollegin in Madrid schloss, sollen jährlich rund 5.000 junge Spanier die Möglichkeit erhalten, in Deutschland eine Ausbildung zu erhalten und danach hier zu arbeiten.
Kontakt zu den Autoren: andreas.kissler@dowjones.com und harriet.torry@dowjones.com
(Mitarbeit: Patricia Kowsmann)
DJG/ank/chg
(END) Dow Jones Newswires
May 22, 2013 11:15 ET (15:15 GMT)
Copyright (c) 2013 Dow Jones & Company, Inc.
