Von Jon Ostrower
Bei großen Passagierflugzeugen kann dem amerikanischen Flugzeugbauer Boeing niemand etwas vormachen. Mit dieser Aussage trat Boeing-Chef Jim McNerney am Mittwoch auf einer Investorenkonferenz auf. Der Manager glaubt, vor dem Erzrivalen Airbus einen Vorsprung von fünf Jahren bei Großraumflugzeugen mit zwei Gängen zu haben. McNerney verwies dabei auf die Technologie, die Boeing für sein Prestigeflugzeug Dreamliner 787 entwickelt hat.
Der Boeing-Chef kündigte an, noch im laufenden Jahr den Startschuss für zwei neue Modelle zu geben, die den Airbus-Hoffnungsträger A350 "in die Zange nehmen" sollen. So sei eine dritte, verlängerte Version des Dreamliner und eine Überarbeitung des zweistrahligen Großraum-Langstreckenjets 777 geplant. Boeing habe hier den Vorteil, anders als Airbus den Lernprozess bei der Leichtbauweise mit kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff schon hinter sich zu haben.
Die überarbeitete 777 soll 350 bis 400 Passagieren Platz bieten, und hier kann Airbus laut McNerney nicht mithalten. Die Europäer hätten keine Maschine, um dieses Marktsegment mit Variationen eines existierenden Flugzeugs anzugehen. Die neue 777 werde Ende des Jahrzehnts fliegen, eine Reaktion von Airbus würde fünf bis sieben Jahre länger brauchen, sagte der Boeing-Chef. Die 777 soll 20 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen als das aktuelle Modell.
Weiterhin plant Boeing, mit einer verlängerten Version des Dreamliner Platz für 320 Passagiere zu bieten und so den Markt der kleineren Modelle des A350 anzugehen. Dieses Flugzeug soll sogar noch früher als die 777 erhältlich sein.
Boeing setzt mit den Weiterentwicklungen den Erzrivalen aus Europa unter Druck. Airbus arbeitet derzeit noch daran, den ersten A350 mit Platz für 270 bis 350 Passagiere in die Luft zu bringen. Das erste Flugzeug dieses spritsparenden Modells soll im zweiten Halbjahr 2014 an den Kunden Qatar Airways übergeben werden.
Der Boeing-Verwaltungsrat hatte Ende April den Startschuss für die überarbeitete 777 gegeben, die den Zusatz "X" tragen soll. Ab Ende 2013 soll das Flugzeug bestellt werden können.
Die ehrgeizigen Pläne für den Dreamliner lassen vergessen, dass Boeing seinerseits mit großen Problemen bei dem Flugzeug zu kämpfen hatte. Wegen der Gefahr brennender Batterien hatten Boeing-Kunden den Dreamliner für drei Monate nicht einsetzen können. Inzwischen sind die Probleme aber gelöst.
Auch die Aktionäre sollen etwas von der Boeing-Expansion haben. McNerney kündigte an, den üppigen Auftragsbestand künftig schneller abarbeiten zu wollen. Der zusätzliche Barmittelzuflusses aus der schnelleren Flugzeug-Produktion soll dann zu 80 Prozent an die Aktionäre ausgeschüttet werden.
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May 22, 2013 12:32 ET (16:32 GMT)
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