Die Anleger warten gespannt auf die Rede von Ben Bernanke vor dem US-Kongress. Es wird nach wie vor spekuliert, ob die Fed nicht doch schneller als allgemein erwartet das Anleihekaufprogramm beenden oder zumindest verringern wird. Allerdings betonen die meisten Fed-Vertreter nach wie vor die Wichtigkeit dieses Programms und auch die Fed selbst hat in ihrem letzten Statement sogar eine mögliche Ausweitung nicht ausgeschlossen. So gesehen sollte man sich hier nicht allzu große Sorgen machen.
Deflationsbekämpfung
Immer noch bekämpft die USA die deflationären Tendenzen in den USA, die aufgrund der Kreditmarktkrise im Zusammenhang mit der Immobilienkrise weiteres Feuer erhalten hat. Dreh- und Angelpunkt bleiben nach wie vor die enormen ungedeckten Kredite des ehemaligen Immobilienbooms, die wie ein Vakuum die hohe Geldmenge aufsaugen und so eine Inflation verhindern. Die Fed wird meines Erachtens also erst reagieren, wenn eine Inflation deutlich zu erkennen ist.
Offiziell verknüpft die Fed ihre Geldpolitik mit der Entwicklung des US-Arbeitsmarkts. Sie ist - wie schon oft erwähnt - mit ihrem dualen Mandat nicht nur der wirtschaftlichen Entwicklung der USA, sondern auch dem US-Arbeitsmarkt verpflichtet. Der Arbeitsmarkt hängt aber auch eng mit einer Inflation zusammen.
Eine Verbraucherpreis-Inflation ist nur möglich, wenn der Arbeitsmarkt in den USA anzieht. Nur dann entsteht genügend Kaufkraft, welche höhere Preise ermöglicht. Und hier beginnt der Kreislauf: Nur wenn höhere Preise für Produkte bezahlt werden können, werden auch die Unternehmen mehr Geld verdienen, so dass sie mehr Menschen einstellen. Und diese neuen Arbeitnehmer können wieder mehr konsumieren. Das gilt insbesondere für eine Wirtschaft, die so stark von der Binnenkonjunktur abhängig ist, wie die USA.
Wir halten fest: Die Arbeitslosigkeit in den USA muss erst sinken, danach kann es zu der von der Fed gewünschten Inflation kommen. Und erst dann sind die Deflationssorgen, welche die Fed-Politik in den vergangenen Jahren geprägt hat, beseitigt.
Ein wichtiger Punkt in dem Spiel ist der US-Immobilienmarkt. Auch hier zeigen sich nachhaltige Erholungstendenzen. Aber noch reichen diese positiven Signale nicht aus, da es sich zurzeit noch um eine zarte Erholung nach einem starken Einbruch handelt, nicht um neue starke Aufwärtstrends.
Was haben Apple und der DAX miteinander zu tun?
Der DAX hat das Ausbruchssignal nun bestätigt. Damit liegt das nächste Kursziel nach der Target-Trend-Methode bei 8.896 Punkten. Die Rally geht weiter. Ich hatte gestern bereits geschrieben, dass es an den US-Indizes liegen wird, wie weit sie schließlich gehen wird. Und hier entwickelt sich gerade bei einem der wichtigen Werte des Nasdaq100, Apple, eine interessanten Formation:

Nachdem bei Apple schon am Hoch eine regelkonforme Schulter-Kopf-Schulter-Formation (SKS) entstanden war, die hier in Ihrem Steffens Daily schließlich zu der rechtzeitigen Warnung vor dem Einbruch bei Apple führte, bildet sich nun auch an einem möglichen Tief erneut eine SKS aus, dieses Mal als Bodenformation in Form einer sogenannten "inversen Schulter-Kopf-Schulter-Formation".
Wie Sie als Steffens Daily Leser wissen, müssen bei dieser Formation die Umsätze stimmen. Bei Apple sehen wir einen Umsatzanstieg in der linken Schulter und einen höheren Umsatz bei dem Kopf (siehe schwarze Halbkreise). Damit ist schon mal eine wichtige Voraussetzung für eine inverse SKS erfüllt.
Ein weiteres Kriterium der inversen SKS ist der Umsatzanstieg in der rechten Schulter, den wir trotz der aktullen Steuerdiskussion im Zusammenhang mit Apple erkennen können. Nun muss noch der Anstieg an die Nackenlinie (blaue Linie) und der Ausbruch über die blaue Nackenlinie unter hohem Umsatz erfolgen. Nur wenn dies geschieht, ist die inverse SKS bei Apple prognoserelevant. Das Kursziel läge dann bei 555 Dollar. Wenn der Umsatz hingegen jetzt nicht mehr mitspielen sollte, sinkt die Eintrittswahrscheinlichkeit selbst nach dem Bruch der Nackenlinie auf unter 60 %.
Der Zusammenhang
Um also diese SKS zu erfüllen, müsste Apple in den kommenden Tagen unter höheren Umsätzen weiter ansteigen. Das wird die Aktie höchstwahrscheinlich nur dann tun, wenn auch die Märkte insgesamt weiter steigen! Wenn so schließlich die Nackenlinie nach oben gebrochen wird, existiert eine immerhin 80-90 prozentige Wahrscheinlichkeit, dass die Kurse auch noch die 555-Dollar-Marke erreichen, oft sehr zügig. Auch das wird sicherlich nicht ohne weiter steigenden US-Indizes geschehen. Kurz: die mögliche SKS, sofern sie sich weiterhin idealtypisch entwickelt, ist ein Indiz dafür, dass der Markt trotz der aktuell überkauften Situation noch weiteres Aufwärtspotenzial hat.
Wenn die US-Indizes weiter steigen, wird aber auch die Rally im DAX weitergehen. Und auch hier ergibt sich eine relevante Situation. Der DAX gerät mit dem Überwinden der 8.500er Marke immer mehr in die Sogwirkung der psychologisch höchst relevanten 10.000-Punkte-Marke. Je näher er dieser Marke kommt, desto höher ist die Anziehungskraft dieser Marke und so wahrscheinlicher ist es, dass der Markt diese Marke einfach testen wird!
Und deswegen ist die Entwicklung bei Apple in den kommenden Tagen nicht nur für die US-Indizes, sondern auch noch für den DAX hoch interessant (wobei ich hier nicht die Frage nach dem Huhn oder dem Ei stellen möchte).
Sollten jedoch die Märkte nun in eine Konsolidierung übergehen und Apple seinen Aufwärtstrend an die Nackenlinie nachhaltiger unterbrechen, wäre die SKS bei Apple schnell hinfällig. Und so kann Apple uns in den nächsten Tagen viel über die allgemeine Marktsituation verraten…
Viele Grüße
Jochen Steffens
