Von Manuel Priego Thimmel
Nervös seitwärts dürfte es an Europas Börsen auch in der kommenden Woche zugehen. Die Berichtssaison neigt sich dem Ende zu und an dem eher enttäuschenden Gesamteindruck wird sich nichts mehr enden. Die Quartalsberichte sind in der Summe nicht gut genug, um neues Aufwärtspotenzial an den Aktienmärkten aufzutun. Daneben wirft die Aussicht einer Straffung der Geldpolitik durch die US-Notenbank einen langen Schatten über die Märkte und lähmt die Investoren.
In der kommenden Woche setzt die Berichtssaison für das zweite Quartal zu einem letzten Kraftakt an. In Deutschland legen unter anderem Fraport, Bilfinger, E.ON, K+S, ThyssenKrupp, Hochtief und RWE Zahlen vor. Aus Sicht der Einzelaktien sind die Geschäftsentwicklung bzw die Erwartungen der Unternehmen natürlich von großer Bedeutung. So haben die Anleger natürlich ein starkes Interesse daran zu erfahren, wie das K+S-Management gedenkt, auf die Krise am Kalimarkt zu reagieren.
Bei ThyssenKrupp wollen die Investoren vor allem wissen, wie es um den geplanten Verkauf von Steel Americas steht. Für den Gesamtmarkt sind das allerdings eher Nebenschauplätze. Das Urteil zur Berichtssaison bereits gefallen und an den Märkten eingepreist. Nachdem 70 Prozent der Unternehmen in Deutschland ihre Zahlen vorgelegt haben, spricht die Commerzbank von nur "sehr gemischten Ergebnissen". Besonders im MDAX konnten die Unternehmen nicht überzeugen.
Das sich abzeichnende Ende der Rezession in der Eurozone dürfte sich zwar in einigen Monaten auch in den Unternehmenszahlen widerspiegeln. Noch ist es aber nicht so weit, und die aktuelle Berichtssaison bietet keine neuen Kaufargumente für die Anleger. Umso mehr treibt die Anleger die Ungewissheit über die künftige Geldpolitik in den USA um. Der schwache Arbeitsmarktbericht für Juli hat das Thema Reduzierung der Anleihekäufe im Bewusstsein der Anleger nur kurzfristig in den Hintergrund treten lassen.
In den vergangenen Tagen haben sich aber gleich mehrere Fed-Vertreter dafür ausgesprochen, bereits ab September die monatlichen Wertpapierkäufe von derzeit 85 Milliarden Dollar zu drosseln. Die Fed hat immer wieder betont, dass ihre Entscheidung von der Entwicklung der Wirtschaftsdaten abhängt. In der kommenden Woche stehen mit den Einzelhandelsumsätzen, der Industrieproduktion sowie dem Philadelphia-Fed-Index gleich mehrere wichtige Daten aus den USA an.
Mehr als einen Hinweis auf die künftige US-Geldpolitik wird man den Zahlen aber nicht entnehmen können. Entscheidend wird der nächste Arbeitsmarktbericht werden - der steht aber erst Ende August zur Veröffentlichung an. Für die Finanzmärkte bedeutet dies Wochen der Ungewissheit, und Ungewissheit äußert sich an den Börsen in der Regel in steigenden Volatilitäten. Letztlich ist es von nur geringer Bedeutung, ob die Fed nun im September oder erst im Dezember den Liquiditätsfluss drosseln wird.
Wichtig ist, dass sich die Wirtschaftsdaten, und damit auch die Unternehmensgewinne, in den kommenden Monaten weiter verbessern. Das würde nicht nur die in der Zwischenzeit recht hohen Bewertungen an den Börsen untermauern, sondern zusätzlich neues Aufwärtspotenzial freisetzen.
Kontakt zum Autor: manuel.priego-thimmel@dowjones.com
DJG/mpt/raz
-0-
(MORE TO FOLLOW) Dow Jones Newswires
August 09, 2013 09:06 ET (13:06 GMT)
Copyright (c) 2013 Dow Jones & Company, Inc.
