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MÄRKTE USA/Mögliches Ende der Geldschwemme belastet Wall Street

Von Thomas Rossmann

Anzeichen für ein Ende der Anleihekäufe durch die US-Notenbank haben zur Wochenmitte an der Wall Street für Abgaben gesorgt. Zunächst hatte der Redetext von Fed-Chairman Ben Bernanke vor dem Wirtschaftsausschuss von Senat und Repräsentantenhaus nicht darauf hingedeutet, dass eine Beendigung des Anleihe-Kaufprogramms unmittelbar zur Debatte stehe. In der anschließenden Fragerunde deutete der US-Notenbankpräsident dann aber an, ein Ausstieg in den kommenden Monaten sei durchaus möglich, allerdings setze dies eine positive Entwicklung bei den US-Konjunkturdaten voraus.

Das Sitzungsprotokoll der US-Notenbank vom Mai wurde da schon etwas deutlicher. Hier zeigte sich, das ein Großteil der Mitglieder im Offenmarktausschuss (FOMC) bereit ist, schon beim Treffen am 18. und 19. Juni über eine Drosselung der massiven Anleihekäufe zu sprechen. Derzeit kauft die Fed jeden Monat Hypothekenpapiere und Anleihen für 85 Milliarden Dollar, um die Finanzierungsbedingungen zu verbessern und den Immobilienmarkt zu stützen. Von diesem kam am Mittwoch zudem ein positives Signal. So ist die Zahl der verkauften Häuser im April auf den höchsten Stand seit Ende 2009 gestiegen.

Der Dow-Jones-Index verlor 0,5 Prozent auf 15.307 Punkte, nachdem er im Verlauf noch ein neues Allzeithoch bei 15.542 Punkten erreicht hatte. Der S&P-500 reduzierte sich um 0,8 Prozent auf 1.655 Punkte. Auch hier wurde mit 1.687 Punkten zuvor noch ein neues Allzeithoch markiert. Der Nasdaq-Composite fiel um 1,1 Prozent auf 3.463 Punkte. Das Umsatzvolumen stieg auf 0,85 (Dienstag: 0,68) Milliarden Aktien. Auf die 686 (1.688) Kursgewinner kamen dabei 2.431 (1.406) -verlierer, 97 (141) Titel beendeten den Handel unverändert.

Die Aussagen von Bernanke und das Protokoll der jüngsten Fed-Sitzung hätten einige Investoren als Anlass für Gewinnmitnahmen genommen, hieß es aus dem Handel. "Ich denke der Markt wird sich mit einem Ende des Anleihekaufprogramms anfreunden, zumal es ja ein recht langsamer Prozess werden dürfte", so Stratege Steven Rees von J.P. Morgan Private Bank. Die Fed hat zugesagt, ihre Politik so lange wachstumsfreundlich zu halten, bis die Arbeitslosigkeit mindestens auf 6,5 Prozent gefallen ist. Aktuell liegt sie noch einen Punkt darüber.

Vor allem am Anleihemarkt sorgten die Bernanke-Aussagen und das Sitzungsprotokoll für starken Verkaufsdruck. Die Rendite zehnjähriger Papiere legte um neun Basispunkte auf 2,03 Prozent zu und notierte damit erstmals seit März wieder über der Marke von 2 Prozent. "Es herrschte zwar keine Panik, doch es gab sehr starke Bewegungen", so Dan Mulholland von BNY Mellon Capital Markets. "Der Ausstieg wird kommen, doch die Fed möchte dies auf einem ordentlichen Weg über die Bühne bringen", ergänzte Analyst Jason Evans von NineAlpha Capital.

An den Rohstoffmärkten standen der Gold- und der Ölpreis unter Abgabedruck. Für die Feinunze stand zum Settlement ein Minus von 0,7 Prozent auf 1.367,40 Dollar. Mit der Veröffentlichung des Fed-Protokolls fiel der Goldpreis im elektronischen Handel noch weiter zurück und notierte zwischenzeitlich bei 1.355 Dollar je Feinunze. In Erwartung einer Beendigung der Stimulierungsmaßnahmen hat der Goldpreis seit Jahresbeginn bereits knapp 20 Prozent eingebüßt. Zuvor hatte der Goldpreis als Inflationsschutz und mit dem schwächeren Dollar zugelegt, der ein Engagement für Investoren außerhalb des Dollar-Raums interessanter macht.

Auch für den Ölpreis ging es nach unten. Dieser notierte zum Settlement bei 94,28 Dollar je Barrel, ein Abschlag von zwei Prozent. Hier kamen als Belastungsfaktor noch die wöchentlichen US-Rohöllagerbestandsdaten hinzu. Zwar wurde wie erwartet ein Rückgang verzeichnet, doch die Benzinlagerbestände stiegen überraschend stark an, was auf eine niedrigere Nachfrage schließen lässt. Da sich die jüngste Rally aber vor allem auf die Hoffnung einer steigenden Nachfrage gestützt hat, ging es mit dem Ölpreis nach unten.

Dagegen setzte der Dollar gegenüber Euro, Yen und Franken zu einem Höhenflug an. Die Aussagen von Bernanke hätten den Greenback gestützt, hieß es. Nomura argumentierte, die US-Konjunktur gewinne an Stärke, vor allem im Vergleich zu anderen Währungsräumen. Die Analysten raten daher zu Dollar-Käufen. Gegenüber der japanischen Währung legte der Dollar bis auf 103,74 Yen zu, den höchsten Stand seit Oktober 2008. Und auch der Euro musste nach seinem kurzfristigen Anstieg bis auf 1,2999 Dollar schnell wieder die Segel streichen und notierte im späten US-Handel bei 1,2858 Dollar.

Unternehmensnachrichten spielten dagegen nur eine Nebenrolle. Die Ford-Aktie legte um 0,1 Prozent zu. Der Autobauer stockt seine Kapazität in Nordamerika in diesem Jahr um 200.00 Fahrzeuge auf. Zum einen sollen die Fertigungsstraßen erweitert werden, zum anderen die üblichen Werksferien im Sommer an vielen Standorten von zwei Wochen auf eine Woche verkürzt werden.

Die Ankündigung, den Aktienrückkauf im Volumen von 5 Milliarden Dollar zu beschleunigen, gab der Aktie des US-Pharmariesen Merck & Co keinen Rückenwind. Die Titel schlossen mit einem Abschlag von 1,3 Prozent. Dycom schnellten um 8,5 Prozent nach oben. Der Telekommunikationsdienstleister hat mit seinem Ausblick die bisher kursierenden Erwartungen am Markt übertroffen.

=== 
INDEX           zuletzt  +/- %  absolut 
DJIA          15.307,17  -0,52   -80,41 
S&P-500        1.655,35  -0,83   -13,81 
Nasdaq-Comp.   3.463,30  -1,11   -38,82 
Nasdaq-100     2.999,13  -0,90   -27,32 
 
KUPON    Fälligkeit Kurs      Änderung   Rendite  Änderung 
1/8%     2-year     99 24/32  dn 1/32    0,250%   +1,2 Bp 
1/4%     3-Year     99 16/32  dn 3/32    0,416%   +2,9 Bp 
5/8%     5-year     98 22/32  dn 11/32   0,896%   +7,0 Bp 
1 1/8%   7-Year     98 7/32   dn 18/32   1,393%   +8,9 Bp 
1 3/4%   10-year    97 14/32  dn 25/32   2,033%   +8,9 Bp 
2 7/8%   30-year    93 14/32  dn 1 9/32  3,218%   +7,0 Bp 
 
DEVISEN   zuletzt  '+/- %  Mi.,7.57  Di, 17.42 Uhr 
EUR/USD    1,2858  -0,41%    1,2912         1,2909 
EUR/JPY  132,3230  -0,12%  132,4878       132,2314 
EUR/CHF    1,2569   0,23%    1,2540         1,2491 
USD/JPY  102,9180   0,31%  102,6050       102,4360 
GBP/USD    1,5046  -0,63%    1,5142         1,5167 
=== 

Kontakt zum Autor: thomas.rossmann@dowjones.com

DJG/DJN/ros

(END) Dow Jones Newswires

May 22, 2013 16:25 ET (20:25 GMT)

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© 2013 Dow Jones News
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