Nach der Euphorie kam die kalte Dusche:
Unsicherheiten über die US-Geldpolitik und enttäuschende
Konjunkturdaten aus China haben am Donnerstag den Aktienmärkten
einen Dämpfer verpasst. Der deutsche Leitindex Dax
Für den EuroStoxx 50
'HINTERTÜRCHEN FÜR NOTENBANKER GEHEN AUF'
US-Notenbankchef Ben Bernanke hatte am Mittwoch mit seinen Aussagen erst die Börsen angefeuert, dann aber für Verunsicherung gesorgt. "Er hat zwar sein Bekenntnis zum Gelddrucken erneuert, doch die Hintertürchen für die Notenbanker gehen langsam auf", fasste Sarah Brylewski von Gekko Markets die Aussagen des Fed-Chefs zusammen, die am Markt für ein Wechselbad der Gefühle gesorgt hatten. Bernanke hatte den Dax wie auch den Dow Jones Industrial am Mittwoch zunächst noch auf Rekordstände getrieben. Im späten US-Handel war dann jedoch vor allem der Aspekt eines möglicherweise gedrosselten Tempos bei den monatlichen Anleihekäufen der Notenbank in den Mittelpunkt gerückt.
Als weiteres Störfeuer machte Brylewski die schwächelnde Industrie Chinas aus. Der von der Großbank HSBC ermittelte Einkaufsmanagerindex war im Mai erstmals seit sieben Monaten unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten gesunken. "Die Details des Einkaufsmanagerindex zeigen einen erschreckend schwachen Zustand der chinesischen Wirtschaft", kommentierte Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank aus Liechtenstein. "Da China aber selbst wichtige Impulse für die globale Wirtschaft hätte liefern sollen und diese ausfallen, ist es um die Weltkonjunktur in diesem Jahr nicht besonders gut bestellt." Gitzel sieht demnach auch für die globalen Wachstumsprognosen Korrekturbedarf.
BÖRSIANER: 'EINFACH NUR GEWINNMITNAHMEN'
Es gab aber auch weniger pessimistische Stimmen. "Weder Chinas Daten noch Bernankes Worte haben die Welt verändert", sagte Torsten Gellert vom Brokerhaus FXCM, der "einfach nur Gewinnmitnahmen" an den bisher am stärksten gelaufenen Märkten konstatierte.
Europaweit besonders schwach präsentierten sich der Rohstoff- und Autosektor, gefolgt von ebenfalls überdurchschnittlichen Verlusten bei Bankentiteln. Vergleichsweise stabil hielten sich indes Papiere von Unternehmen mit Defensivqualitäten wie Versorger und Nahrungsmittelhersteller.
ANALYSTENKOMMENTAR STÜTZT MERCK
Meldungen zu einzelnen Unternehmen gingen fast komplett unter.
Die Aktien des Pharmakonzerns Merck KGaA
Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von 1,12 Prozent am Vortag auf 1,11 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,04 Prozent auf 134,98 Punkte. Der Bund Future legte um 0,09 Prozent auf 144,43 Punkte zu. Der Kurs des Euro stieg auf 1,2938 US-Dollar. Zuvor hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs noch auf 1,2888 (Mittwoch: 1,2923) Dollar festgesetzt und der Dollar damit 0,7759 (0,7738) Euro gekostet./gl/he
--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---
ISIN DE0008469008 DE0007203275 DE0008467416
AXC0253 2013-05-23/18:22
