Von Emese Bartha und Florian Faust
Die Zeiten des ganz billigen Geldes scheinen für Deutschland passe. Zwar kann sich die Bundesrepublik weiter zu historisch äußerst niedrigen Zinsen verschulden und refinanzieren, aber der Trend zeigt nach oben. Bei der Emission einer zehnjährigen Benchmark-Anleihe erreichte die Rendite am Mittwoch das höchste Niveau seit Februar. Auf Monatssicht verlangten Anleger einen Aufschlag von 13 Basispunkten auf nun 1,55 Prozent. In den bislang sechs Auktionen im Segment der zehnjährigen Bundesanleihen im Jahr 2013 erzielte der Emittent eine Durchschnittsrendite von 1,47 Prozent. Im April war die Rendite noch auf das Rekordtief von 1,28 Prozent für die zehnjährige Laufzeit gefallen. Am Sekundärmarkt ging es gar bis auf 1,16 Prozent nach unten. Die Platzierung stand ganz im Zeichen der US-Notenbankpolitik, die auch vor dem Rentenprimärmarkt nicht Halt macht.
Da die Finanzmärkte mit wachsender Überzeugung davon ausgehen, dass die Federal Reserve ihre Kapitalflut langsam eindämmen wird, rechnen Marktteilnehmer mit einer zurückgehenden Liquidität. Daher dürfte mittelfristig auch weniger Kapital nach Anlagemöglichkeiten - wie zum Beispiel deutsche Staatsanleihen - suchen. "Die Rhetorik der Fed hat die Rentennotierungen nach unten gedrückt und die Renditen nach oben gezogen. Dies gilt sowohl für die Euro-Peripherie als auch für die Kernzone", sagt Marktstratege Jeffrey Sica von Sica Wealth Management. Zudem ist die vermeintliche Sicherheit, sofern sie denn überhaupt noch gefragt ist, für Anleger zu attraktiveren Konditionen zu haben. Nach der Rally bei den Renditen der US-Staatsanleihen zeigen sich diese für Investoren mittlerweile einträglicher als deutsche Schuldpapiere. Sie rentieren mit 2,19 Prozent.
"Investoren am europäischen Rentenmarkt beobachten die Entwicklung in den USA mit besonderer Aufmerksamkeit. Allerdings - und das kann man nicht oft genug wiederholen - gibt es fundamentale Unterschiede zwischen beiden Märkten", merken die Citigroup-Analysten an. Die Korrelation zu Treasurys sei nicht sehr ausgeprägt. Die deutschen Renditen folgten eher dem konjunkturellen Zyklus.
Aber auch innerhalb Europas finden Anleger Ausweichmöglichkeiten bei Rentenpapieren. Am Vortag war eine finnische Platzierung von Langläufern auf regen Anlegerzuspruch gestoßen. Denn auch der vermeintlich sichere Hafen finnischer Rentenpapiere wirft für Investoren mehr ab als das deutsche Pendant, obwohl auch die Finnen über eine Spitzenbonität verfügen. Laut Analysten ersetzen finnische Anleihen in jüngster Zeit verstärkt deutsche in den Portfolios.
Die Deutsche Finanzagentur hat jedoch trotz oder besser wegen der gestiegenen Rendite keine Mühe, die Schuldtitel am Markt unterzubringen. Die ausführende Bundesbank behielt eine Tranche von 0,99 Milliarden Euro zu Marktpflegezwecken ein, so dass das angestrebte Emissionsvolumen von 5 Milliarden Euro erreicht wurde. Händler stufen die Nachfrage als solide ein. Analystin Annalisa Piazza von Newedge spricht von einer "problemlosen Marktaufnahme".
Zu der Auktion wurden folgende Details bekannt (Werte in Klammern beziehen sich auf die vorangegangene Versteigerung vom 22. Mai 2013):
=== Emission 10-jährige Bundesanleihe Kupon 1,50% Laufzeit 15. Mai 2023 Volumen 5 Mrd EUR Bietungsvolumen 6,143 Mrd EUR Zuteilungsbetrag 4,010 Mrd EUR Bid-to-cover-Ratio 1,5 (1,6) Durchschnittsrend. 1,55 (1,41)% ===
Kontakt zum Autor: florian.faust@dowjones.com
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June 19, 2013 06:11 ET (10:11 GMT)
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