FRANKFURT (Dow Jones)--Die US-Notenbank wird am kommenden Mittwoch die große Gelegenheit haben, die Märkte wieder stärker auf den von ihr gewünschten Kurs zu bringen. Nach der für zahlreiche Beobachter offensichtlichen Kommunikationspanne von Fed-Chairman Ben Bernanke - seinen vielfach missverstandenen Äußerungen zu einer möglichen Zinspause - kann die Fed jetzt noch einmal auf einer angemessenen Plattform für Klarheit sorgen, wie ihr künftiger zinspolitischer Kurs aussehen wird. Das Statement zur Zinsentscheidung lässt hierfür ausreichend Spielraum.
Dass die Zinsen erneut um 25 Basispunkte auf dann 5,00% erhöht werden, gerät dabei schon fast zur Nebensache. Die Märkte preisen einen solchen Schritt zu 100% ein, die bisherige Kommunikation der US-Notenbank hat diese abermalige Straffung nie in Frage gestellt. Tatsächlich hat die konjunkturelle Entwicklung der Anhebung der Fed-Leitzinsen auf ein "neutrales" Niveau bisher nicht im Weg gestanden. Dies hat sich auch im ersten Quartal gezeigt, in dem die US-Wirtschaft mit einer hochgerechneten Jahresrate von 4,8% gewachsen ist. Zugleich ist die Teuerung noch relativ moderat, sieht man einmal von der Entwicklung der Energiepreise ab.
Zwar wird im laufenden Quartal ein nicht mehr ganz so starkes Wachstum gesehen, dennoch dürfte die Entwicklung des US-Bruttoinlandsprodukts weiterhin oberhalb des Potenzialpfads von etwa 3,5% Wachstum verlaufen. So zeigt sich gegenwärtig auch, dass trotz der Abkühlung am Immobilienmarkt bisher keine nennenswerte Abschwächung beim US-Konsum zu verzeichnen ist. Immerhin legte dieser im ersten Quartal kräftig mit annualisiert 5,5% zu, nachdem er zu Ende des vergangenen Jahres in eine vorübergehende Schwächeperiode gefallen war.
Für die zweite Jahreshälfte zeichnet sich jedoch eine konjunkturelle Abkühlung ab. Vor diesem Hintergrund hatten sich in den vergangenen Wochen die Spekulationen verstärkt, dass die Fed kurz vor einer Beendigung der Zinserhöhungen steht. Fed-Chairman Bernanke hatte diese Erwartungen vor dem gemeinsamen Wirtschaftsausschuss des US-Kongresses bestärkt, in dem er sagte: "Ab einen gewissen Punkt könnten wir uns dafür entscheiden, für ein oder zwei Sitzungen den Leitzins nicht zu erhöhen, um mehr Informationen über die weiteren Konjunkturaussichten zu erhalten". An den Märkten war dies als Signal für eine Zinspause ab Juni interpretiert worden.
Tatsächlich war diese Interpretation aber nicht im Sinne Bernankes, wie eine Fernsehjournalistin im privaten Gespräch mit Bernanke erfuhr und dann anschließend öffentlich machte. Demnach wollte Bernanke dem Offenmarktausschuss der Fed mit seinen Äußerungen mehr zinspolitische Flexibilität verschaffen, um auf die weitere Konjunktur- und Inflationsentwicklung zu reagieren.
Letztlich laufe dies darauf hinaus, dass die weitere Politik der Fed sehr datengetrieben sein wird, mutmaßen nun auch die meisten Fed-Beobachter. Es sei zwar eine Zinspause im Juni möglich, aber schon im August oder September könnten weitere Zinserhöhungen folgen. Ähnliches hatte Bernanke aber schon vor dem gemeinsamen Wirtschaftsausschuss angedeutet. Nur hatten die Marktakteure dem kein Gehör oder Glauben geschenkt. Sie sollten das Fed-Statement am Mittwoch sehr aufmerksam lesen.
-Von Peter Trautmann, Dow Jones Newswires, +49 (0) 69 / 29725-313,
peter.trautmann@dowjones.com
DJG/ptt/apo/nas
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Dass die Zinsen erneut um 25 Basispunkte auf dann 5,00% erhöht werden, gerät dabei schon fast zur Nebensache. Die Märkte preisen einen solchen Schritt zu 100% ein, die bisherige Kommunikation der US-Notenbank hat diese abermalige Straffung nie in Frage gestellt. Tatsächlich hat die konjunkturelle Entwicklung der Anhebung der Fed-Leitzinsen auf ein "neutrales" Niveau bisher nicht im Weg gestanden. Dies hat sich auch im ersten Quartal gezeigt, in dem die US-Wirtschaft mit einer hochgerechneten Jahresrate von 4,8% gewachsen ist. Zugleich ist die Teuerung noch relativ moderat, sieht man einmal von der Entwicklung der Energiepreise ab.
Zwar wird im laufenden Quartal ein nicht mehr ganz so starkes Wachstum gesehen, dennoch dürfte die Entwicklung des US-Bruttoinlandsprodukts weiterhin oberhalb des Potenzialpfads von etwa 3,5% Wachstum verlaufen. So zeigt sich gegenwärtig auch, dass trotz der Abkühlung am Immobilienmarkt bisher keine nennenswerte Abschwächung beim US-Konsum zu verzeichnen ist. Immerhin legte dieser im ersten Quartal kräftig mit annualisiert 5,5% zu, nachdem er zu Ende des vergangenen Jahres in eine vorübergehende Schwächeperiode gefallen war.
Für die zweite Jahreshälfte zeichnet sich jedoch eine konjunkturelle Abkühlung ab. Vor diesem Hintergrund hatten sich in den vergangenen Wochen die Spekulationen verstärkt, dass die Fed kurz vor einer Beendigung der Zinserhöhungen steht. Fed-Chairman Bernanke hatte diese Erwartungen vor dem gemeinsamen Wirtschaftsausschuss des US-Kongresses bestärkt, in dem er sagte: "Ab einen gewissen Punkt könnten wir uns dafür entscheiden, für ein oder zwei Sitzungen den Leitzins nicht zu erhöhen, um mehr Informationen über die weiteren Konjunkturaussichten zu erhalten". An den Märkten war dies als Signal für eine Zinspause ab Juni interpretiert worden.
Tatsächlich war diese Interpretation aber nicht im Sinne Bernankes, wie eine Fernsehjournalistin im privaten Gespräch mit Bernanke erfuhr und dann anschließend öffentlich machte. Demnach wollte Bernanke dem Offenmarktausschuss der Fed mit seinen Äußerungen mehr zinspolitische Flexibilität verschaffen, um auf die weitere Konjunktur- und Inflationsentwicklung zu reagieren.
Letztlich laufe dies darauf hinaus, dass die weitere Politik der Fed sehr datengetrieben sein wird, mutmaßen nun auch die meisten Fed-Beobachter. Es sei zwar eine Zinspause im Juni möglich, aber schon im August oder September könnten weitere Zinserhöhungen folgen. Ähnliches hatte Bernanke aber schon vor dem gemeinsamen Wirtschaftsausschuss angedeutet. Nur hatten die Marktakteure dem kein Gehör oder Glauben geschenkt. Sie sollten das Fed-Statement am Mittwoch sehr aufmerksam lesen.
-Von Peter Trautmann, Dow Jones Newswires, +49 (0) 69 / 29725-313,
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