Deutsche Bank
Die Prämienbeschlüsse seien ein Signal der neuen Konzernführung gewesen, nach dem harten Abwehrkampf die Feindseligkeiten zu beenden und das Vertrauen der Mannesmann-Belegschaft in den neuen Verbund zu stärken. "Es wäre falsch gewesen, sich zu verweigern", bekräftigte der 58-jährige Schweizer.
"Die Empfänger der Prämien sollten sich mit allen Kräften für eine erfolgreiche Integration von Mannesmann in Vodafone einsetzen", unterstrich Ackermann. Dies sei das gemeinsame Interesse beider Unternehmen gewesen, sagte der wegen schwerer Untreue angeklagte Bankchef. Es sei dabei immerhin um ein erhebliches Risiko gegangen, denn bei jeder zweiten Fusion komme es zu einem Verlust von Unternehmenswert.
Er habe sich darauf verlassen, dass die Prämienbeschlüsse rechtlich geprüft worden seien. Von den Bedenken der Wirtschaftsprüfer habe er erst später gehört. Wenn er auch nur den kleinsten Anhaltspunkt gehabt hätte, dass etwas rechtlich nicht in Ordnung sein könnte, "hätte ich nicht so entschieden, zumal ich keine eigenen Interessen hatte", sagte Ackermann.
BELOHNUNG DER AUSSERORDENTLICHEN LEISTUNGEN
Der Hauptgrund für die Prämien sei allerdings eine Belohnung der
außerordentlichen Leistungen gewesen. In Richtung des damaligen
Mannesmann-Chefs Klaus Esser sagte Ackermann: "Die meisten anderen
hätten früher aufgegeben." Alleine die Tatsache, dass Esser Vodafone
Ex-Mannesmann-Chef Esser erklärte, die Anpassung seiner Bezüge an die aktuelle Situation sei bei Mannesmann jahrelange Praxis gewesen. So seien seine Verträge acht Mal geändert und seine Vergütung jedes Mal angehoben worden. Es sei unmöglich gewesen, den Erfolg der Mobilfunksparte des Konzerns vorauszusehen und vorher vertraglich zu berücksichtigen.
Alle 13 Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft seien falsch. Esser hatte im Zuge der Übernahme neben der Auszahlung seines Vertrags eine "Anerkennungsprämie" in Höhe von rund 16 Millionen Euro erhalten. "Ich habe keinen Bonus erbeten, nicht danach gefragt, erst recht nicht danach verlangt und am allerwenigsten darüber entschieden", sagte der ehemalige Vorstandsvorsitzende, der wegen Beihilfe zur schweren Untreue angeklagt ist.
DAMALS TEUERSTE FIRMENÜBERNAHME DER WELT
Über das Verhalten von Funk, der eine Prämie für sich selbst ins Gespräch gebracht hatte, sei er allerdings verärgert gewesen, sagte Esser. Er habe das Verhalten seines Vorgängers für unangemessen gehalten. Das habe das Verhältnis der beiden Männer belastet.
Bei der damals teuersten Firmenübernahme der Welt durch den britischen Mobilfunker Vodafone im Jahr 2000 wurden Prämien und Pensionsabfindungen an ehemalige Mannesmann-Vorstände und Pensionäre in Höhe von knapp 60 Millionen Euro gezahlt. Die Staatsanwaltschaft wirft Ackermann und weiteren fünf Angeklagten schwere Untreue oder Beihilfe dazu vor.
Als letzter Angeklagter soll an diesem Freitag der ehemalige Mannesmann-Betriebsratschef Jürgen Ladberg aussagen. Die Verteidigung kündigte zudem an, fünf Stunden lang Beweisanträge vorzutragen. Die Rüge der Verteidiger, dass eine Ersatzrichterin nicht ordnungsgemäß hinzugezogen wurde, wies das Gericht am Donnerstag zurück./fc/pa/DP/mw
ISIN DE0005140008 GB00B16GWD56
AXC0211 2006-11-02/17:01
