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INTERVIEW/SAP sieht wachsende Dynamik im Geschäft mit Banken

DJ INTERVIEW/SAP sieht wachsende Dynamik im Geschäft mit Banken

Von Alexander Becker

Dow Jones Newswires

WALLDORF (Dow Jones)-Die SAP AG erwartet im Geschäft mit Kunden aus dem Bereich

Financial Services eine deutlich wachsende Dynamik. Dabei profitiert das Unternehmen nach Aussagen von Thomas Balgheim, Leiter des weltweiten SAP-Geschäfts mit Finanzdienstleistern, auch von den Folgen der Subprime-Krise. In dem bislang stark fragmentierten Markt für Banken- und Versicherungssoftware will der Walldorfer DAX-Konzern seinen Marktanteil mittelfristig deutlich ausbauen. Dabei setzt das Unternehmen beim Vertrieb auf eine Doppel-Strategie. 

"Wir sehen eine zunehmende Dynamik bei der Nachfrage nach Standardsoftware auch im Banken- und Versicherungsbereich", sagte SAP-Manager Balgheim im Interview mit Dow Jones Newswires. Bislang war dieses Softwaresegment stark von Eigenentwicklungen der Banken- und Versicherungen dominiert. Alle Systeme, vom Handel bis zum Retail Banking, basieren auf Informationstechnologie (IT) und Software und seien für das Kerngeschäft der Finanzindustrie "äußerst kritische Bereiche".

Angesichts der technischen Entwicklungen in den vergangenen Jahren werde aber der Einsatz von Standardsoftware für die Finanzdienstleister immer interessanter, sagte Balgheim und verwies vor allem auf serviceorientierte Architekturen (SOA). Bei SOA-Software werden verschiedene Dienste - wie etwa Web Services - so kombiniert, dass die Geschäftsprozessse auf diesen Lösungen möglichst einem austauschbaren Software-Modul zugeordnet werden. Durch die Austauschbarkeit wird die Software-Struktur flexibler. Änderungen bei den realen Geschäftsprozessen lassen sich so einfacher bei der dafür zu Grunde liegenden Software durchführen.

Die bislang komplexe Einführung von Standardsoftware in bestehende Systeme bei den Banken wird durch SOA erheblich vereinfacht und die Einführungskosten reduziert. Das mache ihren Einsatz auch für die Finanzbranche interessant.

Mit der neuen SOA-Technologie in den SAP-Finanzlösungen könne das Unternehmen seine Software individueller gestalten und besser in die bestehenden Strukturen bei den Banken einfügen. "Damit erhöhen wir die Absatzmöglichkeiten, da wir nicht nur ersetzen, sondern auch ergänzen können", so Balgheim. Der SAP-Manager sieht dabei gleich mehrere Wachstumstreiber: Die Produktseite im Retail-Bereich ebenso wie Systeme für die interne Transparenz und Analyse.

Aufgerüttelt von den jüngsten Turbulenzen am Kreditmarkt scheinen die Banken sich dem Thema interne Transparenz und Risikomanagement auch von der technischen Seite anzunehmen. "Wir verspüren in diesen Tagen sehr viel Interesse an unseren Lösungen in diesem Bereich", sagte Balgheim mit Blick auf die Folgen der Subprime-Krise. So sei es gerade in den vergangenen Wochen für die Banken elementar gewesen, möglichst zeitnah das gesamte Risiko und Exposure zu kennen, erläutert Balgheim.

SAP habe solche integrierten analytischen Lösungen im Portfolio. So könnten Finanzdienstleister mit SAP-Produkten etwa auf Knopfdruck erkennen, in welchen Umfang und in welchen Risikobereichen sie in bestimmten Regionen investiert sind. Die wachsende Nachfrage nach diesen Produkten sei "eine direkte Folge der Subprime/Kredit-Krise", so Balgheim.

Wie wichtig funktionierende Analyse- und Sicherheitssysteme für Banken sind, hat jüngst die die Subprime-Krise im Finanzsektor gezeigt. Verbesserungen bei Transparenz und Risikomanagement stehen bei den Banken derzeit auf der Agenda. So plädierte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, als Antwort auf die Krise an den Finanzmärkten für eine stärkere Transparenz im Finanzsektor. "Banken müssen ihre Gläubiger und Investoren über ihre eigenen Risikopositionen besser informieren", forderte er. Man sollte zukünftig höhere Anforderungen an das Risikomanagement stellen.

Ein anderer Hebel für SAP soll das Endkundengeschäft der Banken sein, in dem SOA eine deutlich schnellere Einführung von neuen Kombi-Produkte ermöglicht. In Kombi-Produkten werden etwa Kontokorrentkonto, Raten- und Hypothekenkredit sowie Spareinlagen in einem Produkt zusammengefasst. Habe es früher zwischen einem halben und einem Jahr gedauert, solche Lösungen zu implementieren, sei dieses nun dank der neuen Technologien "bestenfalls im Wochenbereich möglich." "Wenn Banken solche Technologien haben, dann fangen sie auch an diese einzusetzen", so der SAP-Manager.

Die Industrieanalysten von Forrester Research, Gartner und Celent sehen in ihren jeweiligen Studien SAP für die Finanzbranche in der Spitzengruppe der Anbieter. "SAP kann den höchsten Grad an Plattform-Agilität bieten und steht auf der Pole Position bei der Produkt-Strategie", so Forrester in einer Studie. Nach Einschätzung von Gartner hat SAP eine Führungsposition bei der Anpassungsfähigkeit für weitere Entwicklungen und erfüllt am besten die Bedürfnisse der Banken-Branche. Als ebenfalls gut positionierte Wettbewerber werden von den Industrieanalysten InfoSys, i-flex und Fiserv genannt.

Balgheim sagte weiterhin, auf Grund der neuen Technologien und der neuen Situation im Markt wachse der Bereich Finanzdienstleistungen überdurchschnittlich im Vergleich zum Gesamtkonzern SAP. Konkretere Angaben dazu wollte der Manager nicht machen. SAP hatte im ersten Halbjahr den Umsatz im Konzern im Vergleich zum Vorjahr um 8% auf 4,59 Mrd EUR gesteigert. Die Software- und softwarebezogenen Serviceerlöse legten dabei um 13% auf 3,23 Mrd EUR zu.

Um im Bereich Financial Services weiteres Wachstum und zusätzliche Markanteile zu generieren, setzt SAP im Vertrieb auf eine für das Unternehmen neue Doppelstrategie. So will das Unternehmen neben der direkten Ansprache von Finanzdienstleistern auch über eine Plattform-Strategie seinen Markanteil weiter ausbauen.

Balgheim verweist dabei darauf, dass der Softwaremarkt im Kernbereich Banken sehr fragmentiert ist. Die vielen eigenständigen Anbietern konzentrieren sich dabei meist auf lokale Märkte. "Auch diese Anbieter müssen ihre Software aber auf die neuen Technologien migrieren und weiterentwickeln", so Balgheim. Allerdings sei das sehr komplex und investitionsintensiv.

SAP will daher künftig die SOA-Produktionsplattform, auf der auch die SAP-Produkte entwickelt werden, auch Drittanbietern offerieren. Diese können dann auf der SAP-Plattform ihre speziellen Anwendungen entwickeln und sparen sich so die grundsätzliche Entwicklungsarbeit für die SOA-Basis. Mit der Vermarktung von Plattformen für fremde Anbieter und damit Wettbewerber beschreitet der Geschäftsbereich Financial Services laut Balgheim Neuland bei SAP.

In diesem Zusammenhang hatte SAP im April im analytischen Bereich eine erste Kooperation mit SunGuard geschlossen. Hier werde es bei der Banken-Software in näherer Zukunft weitere Kooperationsankündigen geben, sagte Balgheim ohne dieses jedoch näher auszuführen. Mit dem Vertrieb der Produktionsplattformen an Drittanbietern schaffe sich SAP "ein völlig neues Marktsegment".

Insgesamt habe SAP im Bereich Financial Service derzeit einen Markanteil von unter 10%, befinde sich damit aber noch unter den Top fünf der Anbieter. "Das zeigt die starke Fragmentierung des Marktes", so Balgheim. Mit der Doppel-Strategie will diesen Markanteil in den kommenden drei bis fünf Jahren auf "klar über 10%" ausbauen.

Die Analysten der Credit Suisse bescheinigen SAP einige Erfolge im Softwarebereich Financial Services, der in den vergangenen zwei Jahren einer der Bereiche war, dem SAP am meisten Aufmerksamkeit geschenkt habe. Bislang sei die Marktdurchdringung in diesem Segment von SAP noch "ziemlich gering", heißt es in einem Research-Report. Der Anteil des Finanz-Geschäfts bei SAP liegt bei 5% bis 6%. Im Durchschnitt kommen den Analysten zufolge insgesamt etwa 20% der IT-Ausgaben aus dem Banken- und Versicherungsbereich.

Webseite: http://www.sap.com

- Von Alexander Becker, Dow Jones Newswires, +49 (0)89 5521 4030 

induytry.de@dowjones.com

DJG/abe/jhe

(END) Dow Jones Newswires

September 10, 2007 09:56 ET (13:56 GMT)

Copyright (c) 2007 Dow Jones & Company, Inc.

© 2007 Dow Jones News
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