DJ KONJUNKTUR IM BLICK/Die EZB wird der Fed vorerst kaum folgen
FRANKFURT (Dow Jones)--Die Europäische Zentralbank (EZB) wird vorerst ihren eigenen Weg gehen. Während die US-Notenbank ihre Leitzinsen seit September bereits zweimal gesenkt hat und nun auch Bank of England und Bank of Canada ihre Geldpolitik gelockert haben, sind die Signale der EZB recht eindeutig: Sie wird in den kommenden Monaten an ihrem Leitzinsniveau von 4,00% festhalten und wegen der anhaltenden Inflationsrisiken weiterhin eine relativ "hawkishe" Rhetorik pflegen. Am vergangenen Donnerstag hat EZB-Präsident Jean-Claude Trichet dabei noch einmal klar gemacht, wie wichtig der Notenbank ihr Hauptmandat - die Wahrung von Preisstabilität - ist.
Dennoch sind der EZB angesichts der Unsicherheit über die weitere Konjunkturentwicklung und wegen der anhaltenden Anspannungen auf den Geld- und Kreditmärkten die Hände gebunden. So sehr die Notenbank auch vor den Risiken für die Preisstabilität warnt, stellen Zinserhöhungen derzeit keine Option für sie dar. Ihre schärfste Waffe im Kampf gegen die Inflation bleibt vorerst die geldpolitische Kommunikation - und hier heißt es "bellen, um nicht zu beißen". Der Blick auf die langfristigen Renditen im Euroraum zeigt, dass die EZB in dieser Disziplin bisher noch durchaus erfolgreich ist.
Bankvolkswirte haben vergangene Woche nach den Trichet-Äußerungen an der Auffassung festgehalten, dass die Notenbank Ende des kommenden Jahres damit beginnen könnte, die Leitzinsen zu senken. Diese Erwartungshaltung beruht in erster Linie auf der Einschätzung, dass sich der Teuerungsdruck im Euroraum im Verlauf des kommenden Jahres wieder abschwächt und bis 2009 nachhaltig unter die Marke von 2% fällt. Die EZB selbst hat diese Erwartungen mit ihren neuen Projektionen bestärkt, die unter anderem für das übernächste Jahr im Mittel eine jahresdurchschnittliche Inflation von 1,8% vorhersagen.
Während das geldpolitische Hauptmandat der EZB die Wahrung der Preisstabilität ist, betreibt die Federal Reserve ihre Geldpolitik unter anderen Voraussetzungen. Sie ist gleichermaßen auf Preisstabilität und Stützung des Wirtschafts- sowie Beschäftigungswachstum ausgerichtet. Gegenwärtig dominiert in ihren Handlungen das Motiv, das Wachstum zu stützen bzw. vor allem eine Rezession - als Folge der Subprime- und Häusermarktkrise - zu verhindern. Dabei nimmt die Fed in Kauf, mit umfangreichen Zinssenkungen "Moral Hazard" bei Investitionsentscheidungen zu fördern und damit die Saat für neue Exzesse zu streuen.
Nach ihren Zinssenkungen um insgesamt 75 Basispunkte im September und Oktober wird die Fed an diesem Dienstag ein weiteres Mal die Geldpolitik - um voraussichtlich 25 Basispunkte auf 4,25% - lockern. Der Beifall an Wall Street ist ihr gewiss. Die US-Terminmärkte gehen zudem schon weiter und preisen für das Ende des ersten Quartals 2008 vollständig zwei weitere Zinssenkungen auf dann 3,75% ein. Die Fed dürfte den Markterwartungen weiterhin folgen und damit ihren Leitzins im kommenden Frühjahr erstmals seit 2004 unter das Niveau des EZB-Leitzinses bringen.
-Von Peter Trautmann, Dow Jones Newswires, +49 (0) 69/297 25-313 peter.trautmann@dowjones.com DJG/ptt/apo
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December 10, 2007 02:15 ET (07:15 GMT)
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