Marktbericht vom Handel an der Börse Frankfurt
20. Februar 2008. Die späte Wende der Aktienmärkte in den USA in negatives Terrain zieht heute auch den deutschen Leitindex ins Minus. Der Anstieg des Ölpreises über die Marke von 100 US-Dollar verdarb dem DAX® die Chance, seinen von technischen Analysten als wichtig angesehenen Widerstandsbereich um 7.040/7.060 Punkten nachhaltig zu überwinden. Dennoch seien die technischen Rahmenbedingungen für weitere Zugewinne günstig.
Im Handel mit ETFs setzen Investoren auf steigende Kurse. Nach Angaben der Market Maker werden die Indexfonds iShares DAX (WKN 593393) und iShares DJ Euro Stoxx 50 (WKN 593395) bei steigenden Umsazvolumen gekauft.
Auch im Zertifikate-Handel berichten die zuständigen Skontroführer über anziehende Umsätze. Die häufig gehandelten Produkte auf die Indizes DAX und DJ Euro Stoxx 50 (WKN 709335 und 709341) werden überwiegend nachgefragt. "Die Anleger halten die aktuellen Kursabschläge für eine Kaufgelegenheit. Dass der Aktienmarkt ohne Zwischenkonsolidierung weiter rasch nach oben laufen würde, hatte kaum ein Investor erwartet. Um so mehr wird dieser schwache Tag zum Kauf genutzt", erklärt ein Händler.
Heute verliert der DAX bis zum Mittag 105 Punkte und liegt bei 6.896 Punkten. Der TecDAX® büßt 11 Zähler auf 806 Punkte ein.
Bodenbildungsprozess sollte abgewartet werden
Dirk Oppermann, technischer Analyst bei der DZ Bank, sieht den DAX an einer entscheidenden Wegmarke im Hinblick auf eine Fortsetzung der Erholung. "Der Bereich um 7.040/7.060 Punkte muss in der nächsten Zeit unter steigenden Umsätzen nach oben überwunden werden. Scheitert der deutsche Leitindex an dieser Marke, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass er die Tiefpunkte aus dem Januar bei 6.400 Punkten auf jeden Fall noch einmal testen wird." Der gestrige Verlauf habe in dieser Hinsicht zwar wenig Mut gemacht, weil der DAX nach einer Überwindung des Widerstandsbereichs zum Schluss wieder darunter schloss. Dennoch seien die Voraussetzungen von Seiten des technischen Umfeldes immer noch günstig. "Die Anfälligkeit des Marktes für schlechte Nachrichten hat deutlich abgenommen, Kursverluste fallen nicht mehr so hoch aus wie zu Beginn der Hypothekenkrise. Das deutet daraufhin, dass sich an ein paar wirklich guten Nachrichten weitere Kursgewinne anschließen würden", erklärt Oppermann.
Der aktuelle Rückschlag sei unter dem Gesichtspunkt eines kurzfristig überkauften Niveaus zu bewerten. Insgesamt solle abgewartet werden, ob kurzfristig ein Ausbruch gelingt. Im positiven Fall bestünde in etwa eine 67-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass es sich um ein verlässliches Kaufsignal handelt. Das Kursziel wäre dann auf rund 7.400 Punkte zu beziffern.
Weniger optimistisch gestimmt ist der technische Analyst dagegen für die US-Technologiebörse Nasdaq Composite. "Dieser Index befindet sich in einem vollständig intakten Abwärtstrend. Alle Erholungen, die wir bisher gesehen haben, sind wenig dynamisch verlaufen. Zwar hat sich zwischen den Bereichen 2.270 und 2.400 Punkten eine kurzfristige Handelsspanne gebildet. Solange die Nasdaq den Widerstand bei 2.420 Punkten aber nicht nachhaltig überwindet, bleibt die Gefahr einer Fortsetzung des Abwärtstrends akut bestehen." Allerdings weist Oppermann darauf hin, dass der Nasdaq Composite wesentlich volatiler sei als etwa der DAX. "Rasche Kursanstiege oder auch Kursverluste können dann technische Signale produzieren, die sich erst im Nachhinein als Fehlsignale herausstellen. Aus diesem Grund sollte die Entwicklung über mehrere Tage beobachtet werden", erklärt Oppermann. Erst dann könne mit Sicherheit gesagt werden, ob der Trend sich tatsächlich etabliert habe.
Die technischen Analysten der LBBW halten den gestrigen Anstieg beim Leitindex DAX für nicht überzeugend. In ihrem Tageskommentar halten sie es für wahrscheinlich, dass der Leitindex kurzfristig nochmal die Unterstützungszone zwischen 6.860 und 6.880 Punkten testen wird. Erst danach sei nochmal mit einem Anlauf auf den Widerstandsbereich 7.040/ 7.060 Punkten zu rechnen. Falle der DAX allerdings unter 6.860 Punkte, sei von weiteren Verlusten bis 6.760 Punkt auszugehen.
Bärenlager verzeichnet Abgänge
Die heutige Erhebung der Marktstimmung zum DAX zeigt eine deutliche Verbesserung des Sentiments. 4 Prozent der Befragten haben sich von ihren Short-Positionen in DAX-Titeln getrennt. Das Lager der Optimisten verzeichnet einen Zuwachs von 2 Prozent, so dass nun 42 Prozent der Marktteilnehmer in nächster Zeit mit steigenden Kursen rechnen. 28 Prozent, 2 Prozent mehr als vor einer Woche, sind der Meinung, dass sich in den kommenden vier Wochen wenig ändert.
Die vollständige Analyse lesen Sie heute nachbörslich auf boerse-frankfurt.com/sentiment
© 20. Februar /Andreas Wolf
(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)
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