New York (BoerseGo.de) - Der heutige Tag bedeutete wieder einen Rückfall in das an der Wall Street schon seit November gewohnte Muster: Im Laufe der Sitzung nimmt die Nervosität zu, die Indizes geraten ins Rutschen und schliessen bei ihren Tagestiefs. Im Tagesverlauf wurde die einzige aktuelle Konjunkturmeldung des Tages, nämlich die Jobdaten, zunehmend ignoriert. (Die gleichzeitig publizierte 2. Revision des Wirtschaftswachstums vom vierten Quartal 2007 war Schnee von gestern). Die Tatsache, dass die heute veröffentlichten 366.000 Arbeitslosenmeldungen niedriger waren als in der Vorwoche (375.000) und deutlich unter dem Niveau vergangener Rezessionen lag, ging am Markt vorbei. Die heutigen Verluste gingen gleich von zwei Epizentren aus:
- Der ohnehin schon angeschlagene Finanzsektor geriet wieder einmal unter Druck. Epizentrum war dort Lehman Brothers. Leerverkäufer versuchten mit der Investmentbank das gleiche Spiel zu treiben, mit dem sie bereits Bear Stearns erfolgreich zur Strecke brachten. Sie streuten nämlich negative Gerüchte aus, um damit eine Panik auszulösen, die die Bank dann tatsächlich in Schwierigkeiten bringt. Erst vergangene Woche war das Spiel bei einer britischen Großbank versucht worden, allerdings ohne nachhaltigen Erfolg. Der Kurseinbruch bei Lehman Brothers zog wieder den ganzen Bankensektor in die Tiefe, zumal zahlreiche Analysten wieder mal ihre Gewinnschätzungen für Finanz-Titel herunterschraubten.
Das Orakel von Oracle
- Der Technologiebereich, der noch die Oster-Rallye angeführt hatte, musste die jüngsten Gewinne mehr oder wenig wieder abgeben. Epizentrum war hier Oracle. Der SAP-Rivale hatte gestern ein enttäuschendes Umsatzwachstum gemeldet. Außerdem wurde darauf hingewiesen, dass die Kunden gegen Ende des Quartals zunehmend vorsichtiger wurden. Daher kochte wieder die Angst hoch, dass die Unternehmen - wegen der Konjunkturabkühlung - zunehmend bei den IT-Ausgaben sparen.
Wenig hilfreich war, dass sich beim Öl die inflations- und konjunkturgefährliche Preisspirale bereits wieder hochschraubt. Die Konsequenz: Der Dow Jones Industrial Average verlor 0,97% auf 12.302 Punkte, der repräsentativere S&P 500 sank 1,15% auf 1.325 Punkte, der technologielastige Nasdaq Composite Index rutschte gleich 1,87% auf 2.280 Punkte.
Dow Jones Average: Angst um die Kunden
Von den 39 Blue Chips konnten sich zum Schluss nur zwei in den grünen Bereich retten. Beide allerdings nur mit anämischen Gewinnen: Coca Cola gewann 0,26% auf 61,36 Dollar und der Pillenriese Merck avancierte 0,18% auf 44,78 Dollar. Die Bereiche Getränke und Pharma gelten traditionsgemäß als defensiv und werden in turbulenten Zeiten gern als sichere Häfen genutzt.
Der Flop des Dow war heute Intel mit minus 3,52% auf 21,09 Dollar. Der Chipriese litt unter den von Oracle geweckten Sorgen über die Unternehmensausgaben Zu den größten Dow-Verlierern zählen natürlich auch die Banken: Die Bank of America rutschte 3,01% auf 38,64 Dollar und JP Morgan sank 2,83% auf 42,86 Dollar. Dort drückten auch reduzierte Gewinnschätzungen. Boeing erwischte es mit einem Tagesverlust von 2,73% auf 74,22 Dollar. Der Flugzeugbauer fiel schon vor Wochen in Ungnade, weil sich die Auslieferung seines neuen Modells immer wieder verzögert. Heute trug die Citigroup zur schlechten Stimmung für den Infrastrukturhersteller bei. Die Bank bekräftigte heute ihre Verkaufsempfehlung und kappte ihr Kursziel auf 68 Dollar (vorher: 78 Dollar). Die Aktie wirke zwar auf den ersten Blick attraktiv, weil das Papier - gemessen an den Gewinnschätzungen für 2009 - mit einem Abschlag von 20% gegenüber dem Markt bewertet wird. Der positive Eindruck täusche aber, weil sich die Probleme bei Boeing noch verschlimmern, behauptet die Bank. Die Profitabilität des Unternehmens schwäche sich ab. Außerdem sei die Verfügbarkeit von Krediten ein Problem.
S&P 500: Et tu Lehman Brothers?
Der Flop des S&P waren natürlich Lehman Brothers. Der Broker-Titel fiel 8,90% auf 38,71 Dollar. Zeitweise war die Broker-Aktie um 10% eingebrochen. Vergebens das Dementi: „Wir gehen davon aus, dass Leerverkäufer Gerüchte gestreut haben“, erklärte eine Sprecherin von Lehman Brothers. „Es gibt derzeit eine Menge Gerüchte auf dem Markt, die völlig unbegründet sind“, fügte sie hinzu. Merrill Lynch verlor 5,67% auf 41,90 Dollar. Weil kein Broker mehr dem anderen traut, dreht sich schon seit Monaten die Mühle der Herabstufungen - so auch heute. Analystin Meredith Whitney vom Brokerhaus Oppenheimer & Co, die gestern bereits die Citigroup auf Talfahrt geschickt hatte, knöpfte sich heute den Rivalen Merrill Lynch vor. Wegen erwarteter zusätzlicher Abschreibungen im Volumen von mindestens 6 Milliarden Dollar, kürzte sie ihre Ergebnisschätzung für das erste Quartal. Sie geht jetzt von einem Verlust von 3 Dollar je Aktie aus (vorher: 45 Cents Gewinn). Die Analystin bleibt bei ihrem Urteil „Underperform“. Das Brokerhaus Sanford C. Bernstein verkündete heute ebenfalls, man rechne jetzt damit, dass Merrill Lynch im ersten Quartal einen Verlust eingefahren hat. Dort spricht man von Abschreibungen im Umfang von 4,5 Milliarden Dollar. Der Broker senkte sein Kursziel um 3 Dollar auf 50 Dollar, bleibt aber bei dem Urteil „Market Perform“. Der Broker Punk, Ziegel & Co schloss sich dem an und senkte sein Kursziel auf 48,50 Dollar (vorher: 54,50 Dollar), bleibt aber ebenfalls bei der Einschätzung „Market Perform“. Aus Solidarität rutschten Morgan Stanley 4,39% auf 45,69 Dollar und Goldman Sachs 4,18% auf 168,14 Dollar. Im Sog der Investmentbanken verloren auch die Hypothekenriesen (Fannie Mae minus 4,38% auf 27,97 Dollar) und Kreditversicherer (Ambac Financial minus 5,17% auf 6,05 Dollar und MBIA minus 5,59% auf 12,50 Dollar).
Trotz schlechten Stimmung hatte der breit gefasste S&P einige Gewinner. Clear Channel Communications sprang 9,96% auf 29,60 Dollar. Das Medienunternehmen hatte verschiedene Banken, darunter die Deutsche Bank, die Citigroup und Morgan Stanley, verklagt und jetzt vor Gericht Recht bekommen. Die Banken hatten sich - wegen der aktuellen Krise der Finanzmärkte - geweigert, eine Übernahme von Clear Channel durch Finanzinvestoren zu finanzieren, worauf die Übernahme vorläufig geplatzt war. Das Gericht entschied aber, dass die Verweigerung der Banken unzulässig war. Die Banken kämpfen aber weiter. El Paso kletterte 3,46% auf 16,14 Dollar. Der Erdgasversorger schien von der chronischen Verteuerung der Energie zu profitieren.
Es überrascht wenig, dass der Bereich Nahrungsmittel heute wieder mal gut abschnitt. Anscheinend trösten sich die Amerikaner mit reichlich Essen über die Flaute hinweg. ConAgra Food avancierte 7,13% auf Dollar. Der Hersteller verpackter Lebensmittel hatte heute Gewinn- und Umsatzerwartungen deutlich geschlagen. Mc Cormick stieg 4,79% auf 37,84 Dollar. Das Unternehmen, das ebenfalls verpackte Lebensmittel herstellt, hatte das gleiche Kunststück fertig gebracht. Campbell Soup gewann immerhin 0,84% auf 33,56 Dollar. Das Unternehmen, das nicht nur Dosensuppen produziert, sondern auch Gebackenes und vieles mehr, hatte eine Quartalsdividende von 22 Cents je Aktie angekündigt.
Gefragt war auch einer der Underdogs der vergangenen Monate. Lennar verbesserte sich 1,76% auf 17,90 Dollar. Der an der Wall Street ausgebombte Eigenheimbauer hatte weniger Verlust gemeldet als befürchtet.
Nasdaq: In Sippenhaft genommen
Die Nasdaq wurde heute für Oracle (minus 7,21% auf 19,43 Dollar) in Sippenhaft genommen. Der Auswahlindex Nasdaq 100, der die Schwergewichte erfasst, glitt 2,17% auf 1.777 Punkte. Der Philadelphia Semiconductor Sector Index, der 19 Halbleiter-Titel berücksichtigt, verlor 1,41% auf 342,74 Punkte. Teradyne gewann dagegen 1,79% auf 12,51 Dollar. Der Broker Friedman Billings Ramsey hob den Hersteller von Ausrüstungen zum Chip-Test von „Market Perform“ auf „Outperform“ an. Der Speicherchiphersteller Sandisk stieg ohne spezielle Nachrichten 2,13% auf 21,62 Dollar. Seltsamerweise stiegen Bea Systems, die von Oracle übernommen werden sollen, 0,37% auf 19,12 Dollar.
Oracle wurde auch zum Anlass genommen, die in diesem Jahr ungeliebten Favoriten 2007 auf den Markt zu werfen. Apple verlor 3,32% auf 140,25 Dollar. Da half es wenig, dass der Broker BMO Capital Markets sein Kursziel von 140 Dollar auf 160 Dollar anhob und sein Urteil „Outperform“ bekräftigte. Der Rivale Research in Motion, Hersteller des BlackBerry, sank 5,08% auf 112,15 Dollar.
Internet: Der Knick bei den Klicks
Die alle in der Nasdaq erfassten Internetwerte konnten sich dem Abwärtssog nicht entziehen. Ein kleines Epizentrum bildete Google, die 3,08% auf 444,08 Dollar rutschte. Der Suchmaschinenbetreiber ist schon seit Monaten der Paria der Wall Street. Anlass ist die aktuelle Schwäche bei den angeklickten Werbeanzeigen. Gestern hatte der Internet-Beobachter ComScore wieder schwache Google-Zahlen gemeldet. Laut den - nicht unumstrittenen - ComScore-Statistiken stiegen die - von Werbekunden - bezahlten Klicks im Februar nur um 3% gegenüber Vorjahr und fielen um 3% gegenüber dem Januar. Das ist allerdings besser als das Januar-Ergebnis. Im Januar waren die bezahlen Klicks um 0,3% gegenüber dem Vorjahr gefallen. „Die ComScore-Zahlen stellen die Gewinnschätzung für das erste Quartal in Fragen“, kommentiert die Citigroup. Der Broker Lehman Brothers, selber schwer angeschlagen, kappte heute deswegen sein Kursziel auf 580 Dollar (vorher: 644 Dollar). Angeblich belastet die Konjunkturabschwächung die Klickaktivität der Verbraucher. Die Bank of America bekräftigte dagegen Kaufempfehlung und Kursziel 700 Dollar. Die aktuelle Klick-Schwäche sei eine Folge der Qualitätsinitiative Googles. Dabei verzichtet der Suchmaschinenbetreiber auf die Erfassung von Klicks, die rein zufällig erfolgen. Diese Strategie sollte langfristig die Erträge Googles wieder beschleunigen, hieß es. Yahoo sank 1,40% auf 28,09 Dollar. Baidu.com, der chinesische Suchmaschinenmarktführer, verlor 1,64% auf 237,55 Dollar.
Amazon.com rutschte 4,07% auf 70,80 Dollar. Die guten Jobdaten, die eigentlich den Konsumbereich beruhigen sollten, fanden zum Börsenstart Beachtung, gerieten aber rasch in Vergessenheit. Vermutlich werden solche Tage von den Leerverkäufern als Signal zum Angriff empfunden. Ebay gewann dagegen 4,31% auf 30,74 Dollar. Das virtuelle Auktionshaus - schon lange der Darling der Analysten - bekam heute Unterstützung durch die Bank of America. Dort wurde sowohl die Kaufempfehlung als auch das Kursziel von 38 Dollar bekräftigt. Man erwarte ein „solides“ Ergebnis vom ersten Quartal. Vermutlich kann Ebay dabei die Konsensschätzung schlagen, heißt es. Die Bank of America hob jedenfalls ihre Gewinnschätzung auf 40 Cents je Aktie an (Konsens: 39 Cents). Dafür spreche das Wachstum, der auf den Ebay-Seiten eingestellten Angebote (Listings). Auch die Umsetzung der Angebote in tatsächliche Transaktionen entwickle sich zufriedenstellend. Positiv äußerte sich auch American Technology Research.
Energie: Irak-Pipeline-Explosion verteuert Öl
Heute bekam die Ölspekulation Unterstützung aus dem Irak. Dort explodierte eine Pipeline, die den wichtigen Energieträger zum Hafen transferiert. Zeitweise wurden dafür Saboteure verantwortlich gemacht. Die neue Verknappung schraubte den Preis weiter in die Höhe. Der Crude-Kontrakt für Mai stieg 1,68 Dollar auf 107,58 Dollar je Barrel.
Gold: Dollarstabilisierung dämpft Begeisterung
Das Gold zeigte heute wenig Bewegung. Händler verwiesen darauf, dass die Stabilisierung des Dollars - jedenfalls für heute - wegen den überraschend guten Jobdaten, die Begeisterung für das Edelmetall fürs erste dämpfte. Der April-Kontrakt für Gold bröckelte um 10 Cents auf 949,10 Dollar je Unze.
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- Der ohnehin schon angeschlagene Finanzsektor geriet wieder einmal unter Druck. Epizentrum war dort Lehman Brothers. Leerverkäufer versuchten mit der Investmentbank das gleiche Spiel zu treiben, mit dem sie bereits Bear Stearns erfolgreich zur Strecke brachten. Sie streuten nämlich negative Gerüchte aus, um damit eine Panik auszulösen, die die Bank dann tatsächlich in Schwierigkeiten bringt. Erst vergangene Woche war das Spiel bei einer britischen Großbank versucht worden, allerdings ohne nachhaltigen Erfolg. Der Kurseinbruch bei Lehman Brothers zog wieder den ganzen Bankensektor in die Tiefe, zumal zahlreiche Analysten wieder mal ihre Gewinnschätzungen für Finanz-Titel herunterschraubten.
Das Orakel von Oracle
- Der Technologiebereich, der noch die Oster-Rallye angeführt hatte, musste die jüngsten Gewinne mehr oder wenig wieder abgeben. Epizentrum war hier Oracle. Der SAP-Rivale hatte gestern ein enttäuschendes Umsatzwachstum gemeldet. Außerdem wurde darauf hingewiesen, dass die Kunden gegen Ende des Quartals zunehmend vorsichtiger wurden. Daher kochte wieder die Angst hoch, dass die Unternehmen - wegen der Konjunkturabkühlung - zunehmend bei den IT-Ausgaben sparen.
Wenig hilfreich war, dass sich beim Öl die inflations- und konjunkturgefährliche Preisspirale bereits wieder hochschraubt. Die Konsequenz: Der Dow Jones Industrial Average verlor 0,97% auf 12.302 Punkte, der repräsentativere S&P 500 sank 1,15% auf 1.325 Punkte, der technologielastige Nasdaq Composite Index rutschte gleich 1,87% auf 2.280 Punkte.
Dow Jones Average: Angst um die Kunden
Von den 39 Blue Chips konnten sich zum Schluss nur zwei in den grünen Bereich retten. Beide allerdings nur mit anämischen Gewinnen: Coca Cola gewann 0,26% auf 61,36 Dollar und der Pillenriese Merck avancierte 0,18% auf 44,78 Dollar. Die Bereiche Getränke und Pharma gelten traditionsgemäß als defensiv und werden in turbulenten Zeiten gern als sichere Häfen genutzt.
Der Flop des Dow war heute Intel mit minus 3,52% auf 21,09 Dollar. Der Chipriese litt unter den von Oracle geweckten Sorgen über die Unternehmensausgaben Zu den größten Dow-Verlierern zählen natürlich auch die Banken: Die Bank of America rutschte 3,01% auf 38,64 Dollar und JP Morgan sank 2,83% auf 42,86 Dollar. Dort drückten auch reduzierte Gewinnschätzungen. Boeing erwischte es mit einem Tagesverlust von 2,73% auf 74,22 Dollar. Der Flugzeugbauer fiel schon vor Wochen in Ungnade, weil sich die Auslieferung seines neuen Modells immer wieder verzögert. Heute trug die Citigroup zur schlechten Stimmung für den Infrastrukturhersteller bei. Die Bank bekräftigte heute ihre Verkaufsempfehlung und kappte ihr Kursziel auf 68 Dollar (vorher: 78 Dollar). Die Aktie wirke zwar auf den ersten Blick attraktiv, weil das Papier - gemessen an den Gewinnschätzungen für 2009 - mit einem Abschlag von 20% gegenüber dem Markt bewertet wird. Der positive Eindruck täusche aber, weil sich die Probleme bei Boeing noch verschlimmern, behauptet die Bank. Die Profitabilität des Unternehmens schwäche sich ab. Außerdem sei die Verfügbarkeit von Krediten ein Problem.
S&P 500: Et tu Lehman Brothers?
Der Flop des S&P waren natürlich Lehman Brothers. Der Broker-Titel fiel 8,90% auf 38,71 Dollar. Zeitweise war die Broker-Aktie um 10% eingebrochen. Vergebens das Dementi: „Wir gehen davon aus, dass Leerverkäufer Gerüchte gestreut haben“, erklärte eine Sprecherin von Lehman Brothers. „Es gibt derzeit eine Menge Gerüchte auf dem Markt, die völlig unbegründet sind“, fügte sie hinzu. Merrill Lynch verlor 5,67% auf 41,90 Dollar. Weil kein Broker mehr dem anderen traut, dreht sich schon seit Monaten die Mühle der Herabstufungen - so auch heute. Analystin Meredith Whitney vom Brokerhaus Oppenheimer & Co, die gestern bereits die Citigroup auf Talfahrt geschickt hatte, knöpfte sich heute den Rivalen Merrill Lynch vor. Wegen erwarteter zusätzlicher Abschreibungen im Volumen von mindestens 6 Milliarden Dollar, kürzte sie ihre Ergebnisschätzung für das erste Quartal. Sie geht jetzt von einem Verlust von 3 Dollar je Aktie aus (vorher: 45 Cents Gewinn). Die Analystin bleibt bei ihrem Urteil „Underperform“. Das Brokerhaus Sanford C. Bernstein verkündete heute ebenfalls, man rechne jetzt damit, dass Merrill Lynch im ersten Quartal einen Verlust eingefahren hat. Dort spricht man von Abschreibungen im Umfang von 4,5 Milliarden Dollar. Der Broker senkte sein Kursziel um 3 Dollar auf 50 Dollar, bleibt aber bei dem Urteil „Market Perform“. Der Broker Punk, Ziegel & Co schloss sich dem an und senkte sein Kursziel auf 48,50 Dollar (vorher: 54,50 Dollar), bleibt aber ebenfalls bei der Einschätzung „Market Perform“. Aus Solidarität rutschten Morgan Stanley 4,39% auf 45,69 Dollar und Goldman Sachs 4,18% auf 168,14 Dollar. Im Sog der Investmentbanken verloren auch die Hypothekenriesen (Fannie Mae minus 4,38% auf 27,97 Dollar) und Kreditversicherer (Ambac Financial minus 5,17% auf 6,05 Dollar und MBIA minus 5,59% auf 12,50 Dollar).
Trotz schlechten Stimmung hatte der breit gefasste S&P einige Gewinner. Clear Channel Communications sprang 9,96% auf 29,60 Dollar. Das Medienunternehmen hatte verschiedene Banken, darunter die Deutsche Bank, die Citigroup und Morgan Stanley, verklagt und jetzt vor Gericht Recht bekommen. Die Banken hatten sich - wegen der aktuellen Krise der Finanzmärkte - geweigert, eine Übernahme von Clear Channel durch Finanzinvestoren zu finanzieren, worauf die Übernahme vorläufig geplatzt war. Das Gericht entschied aber, dass die Verweigerung der Banken unzulässig war. Die Banken kämpfen aber weiter. El Paso kletterte 3,46% auf 16,14 Dollar. Der Erdgasversorger schien von der chronischen Verteuerung der Energie zu profitieren.
Es überrascht wenig, dass der Bereich Nahrungsmittel heute wieder mal gut abschnitt. Anscheinend trösten sich die Amerikaner mit reichlich Essen über die Flaute hinweg. ConAgra Food avancierte 7,13% auf Dollar. Der Hersteller verpackter Lebensmittel hatte heute Gewinn- und Umsatzerwartungen deutlich geschlagen. Mc Cormick stieg 4,79% auf 37,84 Dollar. Das Unternehmen, das ebenfalls verpackte Lebensmittel herstellt, hatte das gleiche Kunststück fertig gebracht. Campbell Soup gewann immerhin 0,84% auf 33,56 Dollar. Das Unternehmen, das nicht nur Dosensuppen produziert, sondern auch Gebackenes und vieles mehr, hatte eine Quartalsdividende von 22 Cents je Aktie angekündigt.
Gefragt war auch einer der Underdogs der vergangenen Monate. Lennar verbesserte sich 1,76% auf 17,90 Dollar. Der an der Wall Street ausgebombte Eigenheimbauer hatte weniger Verlust gemeldet als befürchtet.
Nasdaq: In Sippenhaft genommen
Die Nasdaq wurde heute für Oracle (minus 7,21% auf 19,43 Dollar) in Sippenhaft genommen. Der Auswahlindex Nasdaq 100, der die Schwergewichte erfasst, glitt 2,17% auf 1.777 Punkte. Der Philadelphia Semiconductor Sector Index, der 19 Halbleiter-Titel berücksichtigt, verlor 1,41% auf 342,74 Punkte. Teradyne gewann dagegen 1,79% auf 12,51 Dollar. Der Broker Friedman Billings Ramsey hob den Hersteller von Ausrüstungen zum Chip-Test von „Market Perform“ auf „Outperform“ an. Der Speicherchiphersteller Sandisk stieg ohne spezielle Nachrichten 2,13% auf 21,62 Dollar. Seltsamerweise stiegen Bea Systems, die von Oracle übernommen werden sollen, 0,37% auf 19,12 Dollar.
Oracle wurde auch zum Anlass genommen, die in diesem Jahr ungeliebten Favoriten 2007 auf den Markt zu werfen. Apple verlor 3,32% auf 140,25 Dollar. Da half es wenig, dass der Broker BMO Capital Markets sein Kursziel von 140 Dollar auf 160 Dollar anhob und sein Urteil „Outperform“ bekräftigte. Der Rivale Research in Motion, Hersteller des BlackBerry, sank 5,08% auf 112,15 Dollar.
Internet: Der Knick bei den Klicks
Die alle in der Nasdaq erfassten Internetwerte konnten sich dem Abwärtssog nicht entziehen. Ein kleines Epizentrum bildete Google, die 3,08% auf 444,08 Dollar rutschte. Der Suchmaschinenbetreiber ist schon seit Monaten der Paria der Wall Street. Anlass ist die aktuelle Schwäche bei den angeklickten Werbeanzeigen. Gestern hatte der Internet-Beobachter ComScore wieder schwache Google-Zahlen gemeldet. Laut den - nicht unumstrittenen - ComScore-Statistiken stiegen die - von Werbekunden - bezahlten Klicks im Februar nur um 3% gegenüber Vorjahr und fielen um 3% gegenüber dem Januar. Das ist allerdings besser als das Januar-Ergebnis. Im Januar waren die bezahlen Klicks um 0,3% gegenüber dem Vorjahr gefallen. „Die ComScore-Zahlen stellen die Gewinnschätzung für das erste Quartal in Fragen“, kommentiert die Citigroup. Der Broker Lehman Brothers, selber schwer angeschlagen, kappte heute deswegen sein Kursziel auf 580 Dollar (vorher: 644 Dollar). Angeblich belastet die Konjunkturabschwächung die Klickaktivität der Verbraucher. Die Bank of America bekräftigte dagegen Kaufempfehlung und Kursziel 700 Dollar. Die aktuelle Klick-Schwäche sei eine Folge der Qualitätsinitiative Googles. Dabei verzichtet der Suchmaschinenbetreiber auf die Erfassung von Klicks, die rein zufällig erfolgen. Diese Strategie sollte langfristig die Erträge Googles wieder beschleunigen, hieß es. Yahoo sank 1,40% auf 28,09 Dollar. Baidu.com, der chinesische Suchmaschinenmarktführer, verlor 1,64% auf 237,55 Dollar.
Amazon.com rutschte 4,07% auf 70,80 Dollar. Die guten Jobdaten, die eigentlich den Konsumbereich beruhigen sollten, fanden zum Börsenstart Beachtung, gerieten aber rasch in Vergessenheit. Vermutlich werden solche Tage von den Leerverkäufern als Signal zum Angriff empfunden. Ebay gewann dagegen 4,31% auf 30,74 Dollar. Das virtuelle Auktionshaus - schon lange der Darling der Analysten - bekam heute Unterstützung durch die Bank of America. Dort wurde sowohl die Kaufempfehlung als auch das Kursziel von 38 Dollar bekräftigt. Man erwarte ein „solides“ Ergebnis vom ersten Quartal. Vermutlich kann Ebay dabei die Konsensschätzung schlagen, heißt es. Die Bank of America hob jedenfalls ihre Gewinnschätzung auf 40 Cents je Aktie an (Konsens: 39 Cents). Dafür spreche das Wachstum, der auf den Ebay-Seiten eingestellten Angebote (Listings). Auch die Umsetzung der Angebote in tatsächliche Transaktionen entwickle sich zufriedenstellend. Positiv äußerte sich auch American Technology Research.
Energie: Irak-Pipeline-Explosion verteuert Öl
Heute bekam die Ölspekulation Unterstützung aus dem Irak. Dort explodierte eine Pipeline, die den wichtigen Energieträger zum Hafen transferiert. Zeitweise wurden dafür Saboteure verantwortlich gemacht. Die neue Verknappung schraubte den Preis weiter in die Höhe. Der Crude-Kontrakt für Mai stieg 1,68 Dollar auf 107,58 Dollar je Barrel.
Gold: Dollarstabilisierung dämpft Begeisterung
Das Gold zeigte heute wenig Bewegung. Händler verwiesen darauf, dass die Stabilisierung des Dollars - jedenfalls für heute - wegen den überraschend guten Jobdaten, die Begeisterung für das Edelmetall fürs erste dämpfte. Der April-Kontrakt für Gold bröckelte um 10 Cents auf 949,10 Dollar je Unze.
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(© BörseGo AG 2007 - http://www.boerse-go.de, Autor: Maier Gerhard, Redakteur)
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