New York (BoerseGo.de) - Eigentlich waren die Weichen heute auf eine Fortsetzung der gestrigen Rallye gestellt. Immerhin fielen die einzigen harten - also real gemessenen - Konjunkturdaten des Tages verblüffend gut aus. Die Baubeginne (bei den Eigenheimen) stiegen im April um 8,2 Prozent, die Baugenehmigungen für Eigenheime verbesserten sich um 4,8 Prozent. In beiden Fällen hatten die Volkswirte mit weiteren Rückgängen gerechnet. Die Vormonate wurden leicht hochkorrigiert. Damit zeigt jetzt auch der angeschlagene Eigenheimbereich endlich den berühmten Silberstreif am Horizont. Das war eigentlich genug Grund, mit weiter steigenden Aktienkursen zu feiern.
Doppelschlag durch Goldman Sachs
Das es dann anders kam lag vor allem an Goldman Sachs. Die Investmentbank erteilte dem Aktienmarkt gleich einen Doppelschlag. Deren einflussreicher Ölanalyst hob heute seine Ölpreis-Prognose für die zweite Hälfte 2008 an, von 107 Dollar auf 141 Dollar. Weil viele Fonds dem Rat von Goldman Sachs folgen, sprang der Preis des Ölkontrakts sofort in die Höhe, zeitweise auf 127,82 Dollar - ein neuer Intraday-Rekord.
Folgerichtig stufte Goldman Sachs heute die Aktien aus dem Einzelhandelsbereich gleichzeitig herunter: Weil der noch teurer werdende Sprit ( und die wegen höherer Kosten für Düngemittel, Transport und Verarbeitung ebenfalls teurer werden Nahrungsmittel) dem Verbraucher das Geld aus der Tasche ziehen, bleibt weniger für den Konsum. Damit belastete Goldman Sachs heute alle was irgendwie mit den Verbraucher zu tun hat - und letztlich ist das alles was produziert wird.
Was steigende Benzin- und Nahrungsmittelpreise bei der Stimmung anrichten, zeigte auch das heute gemeldete Verbrauchervertrauen, das auf den tiefsten Stand seit 1980 absackte. Als reines Umfrageergebnis zählt aber die Verbraucherstimmung nicht zu den harten Konjunkturdaten.
Saudi Arabien trug aber im späteren Verlauf der Börsensitzung wieder zur Beruhigung bei. Der größte Ölproduzent der Welt will seine Ölförderung - zumindest für den Juni - etwas anheben, um die Situation am Ölmarkt zu entspannen. Das bremste den Ölpreis und öffnete wieder den Blick der Anleger für die sich - trotz Energieverteuerung - abzeichnende Erholung von Konjunktur und Kreditmärkten.
Nach einer Tal- und Bergfahrt schloss der repräsentative S&P 500 sogar im Plus und avancierte 0,13% auf 1.425 Punkte. Der Dow Jones Industrial Average stagnierte bei 12.986 Punkten (minus 0,05%), der technologielastige Nasdaq Composite Index bröckelte gerade mal 0,19% auf 2.528 Punkte.
Deutliche Aktiengewinne im Vergleich zur Vorwoche:
Dow plus 1.89%
S&P 500 plus 2.67%
NASDAQ plus 3.41%
Russell 2000 plus 2.93%
Branchen im Vergleich zur Vorwoche:
Tops:
Bau +10.7%
Alternative Energie +8.9%
Stahl +7.0%
Netzwerkausrüster +6.7%
Computerlaufwerke +6.2%
Flops:
Banken -0,37%
Krankenkassen +0,18%
Krankenhäuser +1,08%
Versorger + 1,38%
Versicherungen +1,77%
Dow Jones Average: Fitnesskur für die Citi
Der Blue Chip Index, der zeitweise tief im roten Bereich lag, hatte zum Schluss immerhin 11 Gewinner. 2 Papiere (die Pharmakonzerne Johnson & Johnson sowie Merck) waren unverändert. Die beiden Tops waren natürlich die Ölkonzerne, die von der Goldman Sachs Prophezeiung und dem heute bereits gestiegenen Ölpreis profitierten: Chevron gewann 1,92% auf 100,38 Dollar, Exxon Mobil legte 1,50% auf 92,67 Dollar zu. Den 3. Platz belegte Hewlett Packard mit plus 1,20% auf 47,29 Dollar. Der Weltmarktführer bei PCs und Druckern holte damit wieder einen Teil seiner Kursverluste vom Dienstag auf. Der Technologie-Titel war eingebrochen, weil die Anleger zunächst negativ auf den Zukauf des IT-Konzerns EDS reagierten. Mittlerweile bringen sie aber anscheinend dem dadurch gebildeten Informationstechnologie-Riesen - der Nr. 2 hinter IBM - mehr Wohlwollen entgegen.
Der Flop des Dow war wieder einmal die volatile Aktie von General Motors mit minus 2,59% auf 20,68 Dollar. Die Erwartung kräftig steigender Spritpreise sind natürlich keine guten Aussichten für den schwächelnden Autokonzern. Außerdem belastete möglicherweise ein Rechtsstreit zwischen dem Autozulieferer Delphi, einer Ex-Tochter von General Motors, und einer vom Fonds Appaloosa Management angeführten Investoren-Gruppe.
Die Citigroup rutschte 2,57% auf 23,12 Dollar. Dort machen die hohen abschreibungsbedingten Verluste der vergangenen Quartale machen eine Fitnesskur dringend erforderlich. Jetzt berichtet die Financial Times, dass die Citi, die schlanker werden will, auch über einen Verkauf ihres Deutschlandgeschäfts, die Citibank, nachdenkt. Die hochprofitable deutsche Tochter des US-Konzerns ist eine der profitabelsten Privatkundenbanken hierzulande. Die deutsche Citibank hat ungefähr 3,25 Millionen Kunden und ist angeblich der Marktführer bei Krediten an die deutschen Verbraucher.
American Express verlor 2,37% auf 48,68 Dollar. Der Kreditkartenkonzern berichtete, dass im April mehr Kunden ihren Zahlungsverpflichtungen (zur Begleichung der Kreditkartenschulden) nicht nachgekommen sind. Die Zahl der säumigen Schuldner sei gegenüber März um 0,04 Prozent gestiegen und um 0,67 Prozent gegenüber Vorjahr, hieß es.
S&P 500: Opfer des Öls
Auch im repräsentativen S&P schnitten einige Papiere besser als die ölgeschädigte Wall Street ab. Starbucks sprang 6,08% auf 17,05 Dollar Starbucks. Die Cafékette, die zuletzt unter steigendem Wettbewerb (etwa durch McDonald´s) und der benzinpreisbedingten Verbraucherflaute litt, profitierte heute von der Meldung, dass der aktivistische Finanzinvestor Nelson Peltz über seine Gesellschaft Trian Partners daran eine Beteiligung erworben hat. In einer Pflichtmitteilung berichtete Trian, dass man am 31.3.2008 842.070 Aktien von Starbucks hielt. Die Gesellschaft hält außerdem Beteiligungen an weiteren Restaurants und Einzelhändlern, darunter Wendy´s.
Blockbuster kletterte 3,28% auf 3,15 Dollar. Der US-Marktführer bei den Videotheken wurde heute bei der Citigroup auf die „Top Pics Live“ Liste gesetzt. Außerdem verbesserte die Bank das Kursziel auf 8,50 Dollar (vorher: 8,00 Dollar). Das Unternehmen zeige Fortschritte bei den Kostenkürzungen und der Verwaltung der Filmbestände. Außerdem schaffe die angestrebte Übernahme des Elektronikhändlers Circuit City - sofern sie zustande kommt - Synergieeffekte. Die Citi glaubt, dass sich Blockbuster erfolgreich an den sich ändernden Wettbewerb - etwa durch die Online-Videothek Netflix und weitere Downloaddienste wie Apple oder Amazon.com - anpasst. Blockbuster sei eine der Gesellschaften, die in dem künftigen Markt - geprägt durch zahlreiche Download-Kanäle - am besten positioniert sei.
Nordstrom gewann 3,08% auf 38,44 Dollar. Der Fashionhändler hatte im abgelaufenen Quartal mehr verdient als erwartet.
U.S. Steel avancierte 2,64% auf 181,27 Dollar. Die UBS schraubte ihr Kursziel für den Stahlproduzenten von 172 Dollar auf 200 Dollar. Der Stahlkocher sei vermutlich in der Lage dem Vorbild des Rivalen ArcelorMittal zu folgen und könne wahrscheinlich seine Preise um 250 Dollar je Tonne anheben. Da die Kosten der US-Stahlwerke - wegen festgeschriebener Kontraktpreise - sich vorerst wenig ändern dürften, sollte der Gewinn deutlich anziehen (Hebelwirkung). Kraft Foods verbesserte sich um 1,82% auf 32,51 Dollar. Bei dem zweitgrößten Lebensmittelkonzern der Welt (nach Nestlé) half die Meldung, dass dort die Investorlegende Warren Buffett zugekauft hat. Die von dem Finanzguru kontrollierte Holding Berkshire Hathaway gab gestern nach Börsenschluss in einer Pflichtmitteilung bekannt, dass sie ihre Beteiligung an der ehemaligen Altria-Tochter zum 31. März 2008 aufgestockt hat. Man habe dabei die gefallenen Aktienkurse genutzt, hieß es.
Opfer des Öls waren natürlich wieder einmal die Airlines. Continental Airlines verlor 3,65% auf 17,96 Dollar. AMR Corp, die Mutter der American Airlines, sank 3,27% auf 9,17 Dollar. Zu den Opfer gehörten auch die von Goldman Sachs - wegen des spritpreisbedingten Kaufkraftverlustes - abgestraften Kaufhausbetreiber: Liz Claiborne (minus 4,71% auf 18,62 Dollar), Jones Apparel (minus 3,17% auf 17,12 Dollar) Dillard´s (minus 3,96% auf 18,92 Dollar). Die Fashionkette Gap verlor 3,91% auf 18,43 Dollar.
Lehman Brothers sanken 2,52% auf 43,64 Dollar. Der Markt vermutet, dass der Broker kommende Woche mit seinen erwarteten Stellenkürzungen beginnt. Es werden Job-Streichungen im Umfang von 5% der Belegschaft erwartet. Der Rivale Merrill Lynch zeigte sich solidarisch und gab 2,24% auf 48,85 Dollar ab.
Nasdaq: Gut ist nicht immer gut genug
Bei der Nasdaq hielten sich Wachstumshoffnungen und Sorgen über den ölpreisbedingten Kaufkraftverlust etwa die Waage. Der Auswahlindex Nasdaq 100 schloss unverändert bei 2.031 Punkten. Der Philadelphia Semiconductor Sector Index, der 19 Halbleiter-Titel erfasst, verbesserte sich sogar um 0,46% auf 421.67 Punkte. Im Tagesverlauf war das Barometer - im Rahmen der ölgeschockten Wall Street - zeitweise um mehr 1,5% abgesackt. Der Grund für Schlussgewinn: Die Analysten berichten, dass die PC-Hersteller mehr Chips ordern, weil deren Geschäft brummt. Qualcomm, Spezialist für Handychips, gewann 4,22% auf 46,90 Dollar. Der Broker Oppenheimer schraubte sein Kursziel von 52 Dollar auf 56 Dollar und verwies auf die steigende Nachfrage nach Smartphones. Das Anlageurteil bleibt bei Outperform. Die bessere Stimmung im PC-Bereich schien auch die Papiere von Dell zu beflügeln, die nachrichtenlos 3,30% auf 21,31 Dollar gewannen.
Zu den Lichtblicken zählte auch BMC Software, die 6,09% auf 38,65 Dollar sprang. Der texanische Spezialist für Management-Software hatte gestern nach Börsenschluss bei Gewinn, Umsatz und Ausblick die Erwartungen getoppt.
Die Sorge um die Verbraucher schien dagegen auf Apple zu drücken, die 1,11% auf 187,62 Dollar verlor. Der Smartphone-Rivale Research in Motion, Hersteller des BlackBerry, bröckelte 0,25% auf 140,36 Dollar.
Electronic Arts fiel 3,73% auf 49,60 Dollar Der Produzent von Videospielen litt darunter, dass der nordamerikanische Branchenumsatz im April um 68% gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist. Die verwöhnten Aktionäre hatten anscheinend noch mehr erwartet. Gut ist eben nicht immer gut genug.
Internet: Wer zuletzt lacht
Yahoo bröckelte 0,32% auf 27,66 Dollar. Dort hatte der Milliardär Carl Icahn etwa 3% des Yahoo-Kapitals gekauft. Jetzt will der aktivistische Finanzinvestor anscheinend mit dem Management in die Vergangenheit reisen, um ein Übernahmeangebot anzunehmen, das Microsoft bereits zurückgezogen hat. Google, der Möchtegern-Werbepartner von Yahoo, zeigte sich solidarisch und gab 0,16% auf Dollar ab. Baidu.com, Chinas Marktführer bei den Suchmaschinen, avancierte anämische 0,09% auf 364,59 Dollar.
Amazon.com verbesserte sich 0,45% auf 76.46 Dollar. Der Broker Stifel Nicolaus bekräftigte heute seine Kaufempfehlung und sein Kursziel 99 Dollar. Die Dienstleistung „Fulfillment by Amazon“, in deren Rahmen der Onlinehändler Waren im Auftrag anderer Händler lagert, verpackt und verschickt, sei eine erfolgreiche Strategie um dem Rivalen Ebay Marktanteile abzujagen. Vor Jahren wurde der E-Commerce-Pionier noch dafür ausgelacht, weil es sich teure Versandzentren leistet, während Ebay als rein virtueller Internetdienstleister fein dastand.
Ebay verlor dagegen 2,38% auf 31,17 Dollar, Dort belastete der Broker RBC Capital Markets. Der Broker verweist darauf, dass dort die Umsetzungsrate (Conversation Rate) weiterhin rückläufig ist. Dabei geht es um die auf den Ebay-Seiten eingestellten Auktionsangebote, die tatsächlich zu Umsätzen führen. Deren Anteil an den Angeboten insgesamt nimmt seit Monaten ab. RBC bekräftigt allerdings das Urteil „Market Perform“ (etwa: „Neutral“) und Kursziel 40 Dollar. Die Online-Videothek Netflix gewann 5,78% auf 31,66 Dollar. Möglicherweise halfen die guten Quartalszahlen die der Rivale Blockbuster präsentiert hatte. Ein Informationsdienst will auch Übernahmegerüchte gehört haben.
Öl: Selbsterfüllende Prognose
Psychologen kennen das Phänomen der sich selbst erfüllenden Prognose. Prognosen werden oft wahr, weil viele danach handeln und damit die Prognose wahr machen. Das Phänomen war heute auch am Markt für Öl zu beobachten. Goldman Sachs hob heute seine Ölpreis-Prognose für die zweite Hälfte 2008 an, von 107 Dollar auf 141 Dollar. Prompt kauften deswegen viele Marktteilnehmer Öl an den Terminmärkten und der Preis des Ölkontrakts zog steil an, zeitweise auf 127,82 Dollar - ein neuer Intraday-Rekord. Danach dämpfte eine Aussage des saudischen Ölministers Ali al-Naimi wieder etwas das Feuer. Ali al-Naimi erkärte, sein Land wolle im Juni die Öl-Förderung um 300.000 Barrels je Tag auf 9,45 Millionen Barrels je Tag anheben. Außerdem stoppt die US-Regierung die Ölkäufe für ihr strategische Ölreserve. Per Saldo stieg der Crude-Kontrakt für Juni um 2,17 Dollar und schloss auf 126,29 Dollar, das sind 0,3% mehr als in der Vorwoche. Für Goldman Sachs, dem größten Händler am Energiemarkt, sind die Schwankungen natürlich ein gutes Geschäft.
Gold: Im Schlepptau des Öls
Das Gold profitierte heute wieder vom steigenden Ölpreis und dem fallenden Dollar. Der Gold-Kontrakt für Juni stieg heute um 19,90 Dollar auf 899,90 Dollar.
Ausblick:
Montag:
16:00 Uhr Frühindikatoren vom April
Quartalszahlen: Campbell Soup,
Dienstag:
14:30 Erzeugerpreise vom April
Quartalszahlen: Analog Devices (Halbleiter), Home Depot (Baumarktkette), Intuit (Finanz-Software), Saks (Fashionkette), Staples (Büromaterial-Händler), Target (Discounter)
Mittwoch:
16:30 Uhr Ölvorräte der Vorwoche, 20:00 Protokoll der vergangenen Notenbanksitzung
Quartalszahlen: Computer Sciences (IT-Dienstleister), Salesforce (Software)
Donnerstag:
14:30 Uhr Arbeitslosenmeldungen der Vorwoche
Quartalszahlen: Barnes and Noble (Buchhandel), Ca (Software), Gamestop (Videospiel-Kette), Gap (Fashionkette)
Freitag:
16:00 Verkauf bestehender Eigenheim vom April
Doppelschlag durch Goldman Sachs
Das es dann anders kam lag vor allem an Goldman Sachs. Die Investmentbank erteilte dem Aktienmarkt gleich einen Doppelschlag. Deren einflussreicher Ölanalyst hob heute seine Ölpreis-Prognose für die zweite Hälfte 2008 an, von 107 Dollar auf 141 Dollar. Weil viele Fonds dem Rat von Goldman Sachs folgen, sprang der Preis des Ölkontrakts sofort in die Höhe, zeitweise auf 127,82 Dollar - ein neuer Intraday-Rekord.
Folgerichtig stufte Goldman Sachs heute die Aktien aus dem Einzelhandelsbereich gleichzeitig herunter: Weil der noch teurer werdende Sprit ( und die wegen höherer Kosten für Düngemittel, Transport und Verarbeitung ebenfalls teurer werden Nahrungsmittel) dem Verbraucher das Geld aus der Tasche ziehen, bleibt weniger für den Konsum. Damit belastete Goldman Sachs heute alle was irgendwie mit den Verbraucher zu tun hat - und letztlich ist das alles was produziert wird.
Was steigende Benzin- und Nahrungsmittelpreise bei der Stimmung anrichten, zeigte auch das heute gemeldete Verbrauchervertrauen, das auf den tiefsten Stand seit 1980 absackte. Als reines Umfrageergebnis zählt aber die Verbraucherstimmung nicht zu den harten Konjunkturdaten.
Saudi Arabien trug aber im späteren Verlauf der Börsensitzung wieder zur Beruhigung bei. Der größte Ölproduzent der Welt will seine Ölförderung - zumindest für den Juni - etwas anheben, um die Situation am Ölmarkt zu entspannen. Das bremste den Ölpreis und öffnete wieder den Blick der Anleger für die sich - trotz Energieverteuerung - abzeichnende Erholung von Konjunktur und Kreditmärkten.
Nach einer Tal- und Bergfahrt schloss der repräsentative S&P 500 sogar im Plus und avancierte 0,13% auf 1.425 Punkte. Der Dow Jones Industrial Average stagnierte bei 12.986 Punkten (minus 0,05%), der technologielastige Nasdaq Composite Index bröckelte gerade mal 0,19% auf 2.528 Punkte.
Deutliche Aktiengewinne im Vergleich zur Vorwoche:
Dow plus 1.89%
S&P 500 plus 2.67%
NASDAQ plus 3.41%
Russell 2000 plus 2.93%
Branchen im Vergleich zur Vorwoche:
Tops:
Bau +10.7%
Alternative Energie +8.9%
Stahl +7.0%
Netzwerkausrüster +6.7%
Computerlaufwerke +6.2%
Flops:
Banken -0,37%
Krankenkassen +0,18%
Krankenhäuser +1,08%
Versorger + 1,38%
Versicherungen +1,77%
Dow Jones Average: Fitnesskur für die Citi
Der Blue Chip Index, der zeitweise tief im roten Bereich lag, hatte zum Schluss immerhin 11 Gewinner. 2 Papiere (die Pharmakonzerne Johnson & Johnson sowie Merck) waren unverändert. Die beiden Tops waren natürlich die Ölkonzerne, die von der Goldman Sachs Prophezeiung und dem heute bereits gestiegenen Ölpreis profitierten: Chevron gewann 1,92% auf 100,38 Dollar, Exxon Mobil legte 1,50% auf 92,67 Dollar zu. Den 3. Platz belegte Hewlett Packard mit plus 1,20% auf 47,29 Dollar. Der Weltmarktführer bei PCs und Druckern holte damit wieder einen Teil seiner Kursverluste vom Dienstag auf. Der Technologie-Titel war eingebrochen, weil die Anleger zunächst negativ auf den Zukauf des IT-Konzerns EDS reagierten. Mittlerweile bringen sie aber anscheinend dem dadurch gebildeten Informationstechnologie-Riesen - der Nr. 2 hinter IBM - mehr Wohlwollen entgegen.
Der Flop des Dow war wieder einmal die volatile Aktie von General Motors mit minus 2,59% auf 20,68 Dollar. Die Erwartung kräftig steigender Spritpreise sind natürlich keine guten Aussichten für den schwächelnden Autokonzern. Außerdem belastete möglicherweise ein Rechtsstreit zwischen dem Autozulieferer Delphi, einer Ex-Tochter von General Motors, und einer vom Fonds Appaloosa Management angeführten Investoren-Gruppe.
Die Citigroup rutschte 2,57% auf 23,12 Dollar. Dort machen die hohen abschreibungsbedingten Verluste der vergangenen Quartale machen eine Fitnesskur dringend erforderlich. Jetzt berichtet die Financial Times, dass die Citi, die schlanker werden will, auch über einen Verkauf ihres Deutschlandgeschäfts, die Citibank, nachdenkt. Die hochprofitable deutsche Tochter des US-Konzerns ist eine der profitabelsten Privatkundenbanken hierzulande. Die deutsche Citibank hat ungefähr 3,25 Millionen Kunden und ist angeblich der Marktführer bei Krediten an die deutschen Verbraucher.
American Express verlor 2,37% auf 48,68 Dollar. Der Kreditkartenkonzern berichtete, dass im April mehr Kunden ihren Zahlungsverpflichtungen (zur Begleichung der Kreditkartenschulden) nicht nachgekommen sind. Die Zahl der säumigen Schuldner sei gegenüber März um 0,04 Prozent gestiegen und um 0,67 Prozent gegenüber Vorjahr, hieß es.
S&P 500: Opfer des Öls
Auch im repräsentativen S&P schnitten einige Papiere besser als die ölgeschädigte Wall Street ab. Starbucks sprang 6,08% auf 17,05 Dollar Starbucks. Die Cafékette, die zuletzt unter steigendem Wettbewerb (etwa durch McDonald´s) und der benzinpreisbedingten Verbraucherflaute litt, profitierte heute von der Meldung, dass der aktivistische Finanzinvestor Nelson Peltz über seine Gesellschaft Trian Partners daran eine Beteiligung erworben hat. In einer Pflichtmitteilung berichtete Trian, dass man am 31.3.2008 842.070 Aktien von Starbucks hielt. Die Gesellschaft hält außerdem Beteiligungen an weiteren Restaurants und Einzelhändlern, darunter Wendy´s.
Blockbuster kletterte 3,28% auf 3,15 Dollar. Der US-Marktführer bei den Videotheken wurde heute bei der Citigroup auf die „Top Pics Live“ Liste gesetzt. Außerdem verbesserte die Bank das Kursziel auf 8,50 Dollar (vorher: 8,00 Dollar). Das Unternehmen zeige Fortschritte bei den Kostenkürzungen und der Verwaltung der Filmbestände. Außerdem schaffe die angestrebte Übernahme des Elektronikhändlers Circuit City - sofern sie zustande kommt - Synergieeffekte. Die Citi glaubt, dass sich Blockbuster erfolgreich an den sich ändernden Wettbewerb - etwa durch die Online-Videothek Netflix und weitere Downloaddienste wie Apple oder Amazon.com - anpasst. Blockbuster sei eine der Gesellschaften, die in dem künftigen Markt - geprägt durch zahlreiche Download-Kanäle - am besten positioniert sei.
Nordstrom gewann 3,08% auf 38,44 Dollar. Der Fashionhändler hatte im abgelaufenen Quartal mehr verdient als erwartet.
U.S. Steel avancierte 2,64% auf 181,27 Dollar. Die UBS schraubte ihr Kursziel für den Stahlproduzenten von 172 Dollar auf 200 Dollar. Der Stahlkocher sei vermutlich in der Lage dem Vorbild des Rivalen ArcelorMittal zu folgen und könne wahrscheinlich seine Preise um 250 Dollar je Tonne anheben. Da die Kosten der US-Stahlwerke - wegen festgeschriebener Kontraktpreise - sich vorerst wenig ändern dürften, sollte der Gewinn deutlich anziehen (Hebelwirkung). Kraft Foods verbesserte sich um 1,82% auf 32,51 Dollar. Bei dem zweitgrößten Lebensmittelkonzern der Welt (nach Nestlé) half die Meldung, dass dort die Investorlegende Warren Buffett zugekauft hat. Die von dem Finanzguru kontrollierte Holding Berkshire Hathaway gab gestern nach Börsenschluss in einer Pflichtmitteilung bekannt, dass sie ihre Beteiligung an der ehemaligen Altria-Tochter zum 31. März 2008 aufgestockt hat. Man habe dabei die gefallenen Aktienkurse genutzt, hieß es.
Opfer des Öls waren natürlich wieder einmal die Airlines. Continental Airlines verlor 3,65% auf 17,96 Dollar. AMR Corp, die Mutter der American Airlines, sank 3,27% auf 9,17 Dollar. Zu den Opfer gehörten auch die von Goldman Sachs - wegen des spritpreisbedingten Kaufkraftverlustes - abgestraften Kaufhausbetreiber: Liz Claiborne (minus 4,71% auf 18,62 Dollar), Jones Apparel (minus 3,17% auf 17,12 Dollar) Dillard´s (minus 3,96% auf 18,92 Dollar). Die Fashionkette Gap verlor 3,91% auf 18,43 Dollar.
Lehman Brothers sanken 2,52% auf 43,64 Dollar. Der Markt vermutet, dass der Broker kommende Woche mit seinen erwarteten Stellenkürzungen beginnt. Es werden Job-Streichungen im Umfang von 5% der Belegschaft erwartet. Der Rivale Merrill Lynch zeigte sich solidarisch und gab 2,24% auf 48,85 Dollar ab.
Nasdaq: Gut ist nicht immer gut genug
Bei der Nasdaq hielten sich Wachstumshoffnungen und Sorgen über den ölpreisbedingten Kaufkraftverlust etwa die Waage. Der Auswahlindex Nasdaq 100 schloss unverändert bei 2.031 Punkten. Der Philadelphia Semiconductor Sector Index, der 19 Halbleiter-Titel erfasst, verbesserte sich sogar um 0,46% auf 421.67 Punkte. Im Tagesverlauf war das Barometer - im Rahmen der ölgeschockten Wall Street - zeitweise um mehr 1,5% abgesackt. Der Grund für Schlussgewinn: Die Analysten berichten, dass die PC-Hersteller mehr Chips ordern, weil deren Geschäft brummt. Qualcomm, Spezialist für Handychips, gewann 4,22% auf 46,90 Dollar. Der Broker Oppenheimer schraubte sein Kursziel von 52 Dollar auf 56 Dollar und verwies auf die steigende Nachfrage nach Smartphones. Das Anlageurteil bleibt bei Outperform. Die bessere Stimmung im PC-Bereich schien auch die Papiere von Dell zu beflügeln, die nachrichtenlos 3,30% auf 21,31 Dollar gewannen.
Zu den Lichtblicken zählte auch BMC Software, die 6,09% auf 38,65 Dollar sprang. Der texanische Spezialist für Management-Software hatte gestern nach Börsenschluss bei Gewinn, Umsatz und Ausblick die Erwartungen getoppt.
Die Sorge um die Verbraucher schien dagegen auf Apple zu drücken, die 1,11% auf 187,62 Dollar verlor. Der Smartphone-Rivale Research in Motion, Hersteller des BlackBerry, bröckelte 0,25% auf 140,36 Dollar.
Electronic Arts fiel 3,73% auf 49,60 Dollar Der Produzent von Videospielen litt darunter, dass der nordamerikanische Branchenumsatz im April um 68% gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist. Die verwöhnten Aktionäre hatten anscheinend noch mehr erwartet. Gut ist eben nicht immer gut genug.
Internet: Wer zuletzt lacht
Yahoo bröckelte 0,32% auf 27,66 Dollar. Dort hatte der Milliardär Carl Icahn etwa 3% des Yahoo-Kapitals gekauft. Jetzt will der aktivistische Finanzinvestor anscheinend mit dem Management in die Vergangenheit reisen, um ein Übernahmeangebot anzunehmen, das Microsoft bereits zurückgezogen hat. Google, der Möchtegern-Werbepartner von Yahoo, zeigte sich solidarisch und gab 0,16% auf Dollar ab. Baidu.com, Chinas Marktführer bei den Suchmaschinen, avancierte anämische 0,09% auf 364,59 Dollar.
Amazon.com verbesserte sich 0,45% auf 76.46 Dollar. Der Broker Stifel Nicolaus bekräftigte heute seine Kaufempfehlung und sein Kursziel 99 Dollar. Die Dienstleistung „Fulfillment by Amazon“, in deren Rahmen der Onlinehändler Waren im Auftrag anderer Händler lagert, verpackt und verschickt, sei eine erfolgreiche Strategie um dem Rivalen Ebay Marktanteile abzujagen. Vor Jahren wurde der E-Commerce-Pionier noch dafür ausgelacht, weil es sich teure Versandzentren leistet, während Ebay als rein virtueller Internetdienstleister fein dastand.
Ebay verlor dagegen 2,38% auf 31,17 Dollar, Dort belastete der Broker RBC Capital Markets. Der Broker verweist darauf, dass dort die Umsetzungsrate (Conversation Rate) weiterhin rückläufig ist. Dabei geht es um die auf den Ebay-Seiten eingestellten Auktionsangebote, die tatsächlich zu Umsätzen führen. Deren Anteil an den Angeboten insgesamt nimmt seit Monaten ab. RBC bekräftigt allerdings das Urteil „Market Perform“ (etwa: „Neutral“) und Kursziel 40 Dollar. Die Online-Videothek Netflix gewann 5,78% auf 31,66 Dollar. Möglicherweise halfen die guten Quartalszahlen die der Rivale Blockbuster präsentiert hatte. Ein Informationsdienst will auch Übernahmegerüchte gehört haben.
Öl: Selbsterfüllende Prognose
Psychologen kennen das Phänomen der sich selbst erfüllenden Prognose. Prognosen werden oft wahr, weil viele danach handeln und damit die Prognose wahr machen. Das Phänomen war heute auch am Markt für Öl zu beobachten. Goldman Sachs hob heute seine Ölpreis-Prognose für die zweite Hälfte 2008 an, von 107 Dollar auf 141 Dollar. Prompt kauften deswegen viele Marktteilnehmer Öl an den Terminmärkten und der Preis des Ölkontrakts zog steil an, zeitweise auf 127,82 Dollar - ein neuer Intraday-Rekord. Danach dämpfte eine Aussage des saudischen Ölministers Ali al-Naimi wieder etwas das Feuer. Ali al-Naimi erkärte, sein Land wolle im Juni die Öl-Förderung um 300.000 Barrels je Tag auf 9,45 Millionen Barrels je Tag anheben. Außerdem stoppt die US-Regierung die Ölkäufe für ihr strategische Ölreserve. Per Saldo stieg der Crude-Kontrakt für Juni um 2,17 Dollar und schloss auf 126,29 Dollar, das sind 0,3% mehr als in der Vorwoche. Für Goldman Sachs, dem größten Händler am Energiemarkt, sind die Schwankungen natürlich ein gutes Geschäft.
Gold: Im Schlepptau des Öls
Das Gold profitierte heute wieder vom steigenden Ölpreis und dem fallenden Dollar. Der Gold-Kontrakt für Juni stieg heute um 19,90 Dollar auf 899,90 Dollar.
Ausblick:
Montag:
16:00 Uhr Frühindikatoren vom April
Quartalszahlen: Campbell Soup,
Dienstag:
14:30 Erzeugerpreise vom April
Quartalszahlen: Analog Devices (Halbleiter), Home Depot (Baumarktkette), Intuit (Finanz-Software), Saks (Fashionkette), Staples (Büromaterial-Händler), Target (Discounter)
Mittwoch:
16:30 Uhr Ölvorräte der Vorwoche, 20:00 Protokoll der vergangenen Notenbanksitzung
Quartalszahlen: Computer Sciences (IT-Dienstleister), Salesforce (Software)
Donnerstag:
14:30 Uhr Arbeitslosenmeldungen der Vorwoche
Quartalszahlen: Barnes and Noble (Buchhandel), Ca (Software), Gamestop (Videospiel-Kette), Gap (Fashionkette)
Freitag:
16:00 Verkauf bestehender Eigenheim vom April
(© BörseGo AG 2007 - http://www.boerse-go.de, Autor: Maier Gerhard, Redakteur)
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