VW-Chef Martin Winterkorn erwartet trotz
der drastisch gestiegenen Spritpreise und schwacher Automärkte in
Europa und den USA eine "kleine Sonderkonjunktur" für Volkswagen
Insgesamt betrachte er die weltweite Autokonjunktur aber mit Sorge, sagte Winterkorn. Er nannte die hohen Benzinpreise und Rohstoffkosten sowie die Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten. Während die Automärkte in China und Südamerika noch "punkten" könnten, liefen die Märkte in den USA, Spanien, Italien und England schwach. Auch die Stimmungslage in Deutschland sei "alles andere als beruhigend".
'VW DERZEIT GUT AUFGESTELLT'
VW sei derzeit gut aufgestellt, sagte Winterkorn. Große Erwartungen setzt er in den neuen Golf, das mit Abstand wichtigste VW-Modell. "Der Golf VI wird ein wirtschaftlich erfolgreiches Modell werden." Der neue Golf werde eine Rendite nach Steuern zwischen fünf und sieben Prozent erreichen. Vergleichszahlen zum alten Golf nannte Winterkorn nicht. VW wolle 2009, im ersten vollen Jahr, rund 600.000 Stück weltweit verkaufen. Im vergangenen Jahr wurden 580.000 Stück des alten Modells verkauft. Großes Potenzial sieht Winterkorn auch für die geplante neue Kleinwagen-Modellfamilie "New Small Family".
Der VW-Chef bekräftigte die Prognose für das laufende Jahr.
Danach will VW Absatz, Umsatz und Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr
steigern. Dagegen hatten etwa Toyota Motor
Die Aktie reagierte kaum auf diese Nachrichten und legte im festen Markt unterdurchschnittlich um 0,42 Prozent auf 188,19 Euro zu. Laut Analyst Frank Schwope von der NORD/LB nehmen die Anleger in dem wieder etwas unsichereren Marktumfeld einen Teil ihrer Gewinne mit, nachdem die Titel im Wochenverlauf recht stark zugelegt hätten. Dass VW-Chef Martin Winterkorn indes an seiner Prognose für das laufende Jahr festhalte, sei zwar positiv zu werten, aber weitestgehend erwartet worden.
STAHLPREISERHÖHUNG NOCH NICHT KRITISCH
Zu den hohen Stahlpreisen sagte Winterkorn, die Lage für VW sei wegen laufender Verträge noch nicht kritisch, könnte es aber in den nächsten Jahren werden. Die Stahlpreiserhöhung wirke sich dann aus, wenn VW neue Abschlüsse mache. Die Autoindustrie könne zwar viele Kosten wegdrücken. Wenn es aber so weiter gehe, "wird die Automobilindustrie auch über Preiserhöhungen nachdenken müssen".
Zum derzeit kriselnden US-Automarkt sagte Winterkorn, er halte die USA auch künftig für einen überaus wichtigen Absatzmarkt. Der Trend gehe aber zu Autos, die zwar groß, aber sparsam und verbrauchsarm seien. VW will mit einem neuen Werk in den USA und mit speziell für die Staaten entwickelten Autos die Wende in dem seit Jahren verlustreichen US-Geschäft schaffen. VW habe weltweit noch "einen weißen Flecken", und zwar Südostasien. Es werde erwogen, in Thailand, Malaysia oder Vietnam eine lokale Produktion aufzubauen.
Winterkorn sagte zudem, VW werde sich nicht an Zulieferern
beteiligen. Sobald VW bei einem Zulieferer einsteigen würde, sei
dieser für andere Kunden blockiert. Damit erteilte Winterkorn einem
theoretisch möglichen Einstieg bei Continental
VW FÜR SCHAEFFLER/CONTI-FUSION
Der VW-Chef befürwortete grundsätzlich ein mögliches Zusammengehen der beiden Autozulieferer. Er sehe die Entwicklung "insgesamt positiv". Conti sei in der Elektronik stark, die Schaeffler-Gruppe in der Mechanik. Winterkorn forderte aber eine freundliche Übernahme. "Was ich nicht positiv finde, ist, wenn hier ein Machtkampf stattfinden würde wie etwa eine feindliche Übernahme, das könnte unser Geschäft stören." VW sei sowohl der größte Kunde von Conti als auch der Schaeffler-Gruppe.
Zur seit langem diskutierten möglichen Lkw-Allianz mit MAN
ISIN DE0007664005 DE0005439004 DE0005937007 SE0000308272
AXC0103 2008-07-18/14:23
