Mainz (ots) - Die US-Korrespondenten überschlugen sich: Der überzeugendste Obama, den es je gab, hieß es nach der tatsächlich beeindruckenden Krönungsrede zum demokratischen Präsidentschaftskandidaten in Denver. Ob diese Begeisterung aber auch eine Mehrheit der Wähler erreicht, die letztlich über den Nachfolger George W. Bushs entscheiden, ist damit noch lange nicht gesagt. Über den amtierenden Präsidenten und seine bittere Bilanz redet derzeit kein Mensch mehr. Unterdessen lässt das aktuelle Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem designierten Kandidaten der Republikaner, McCain, aber eher noch einen viel härteren Kampf ums Weiße Haus erwarten, als der triumphale Auftritt Obamas suggeriert. Der erste schwarze US-Präsidentschaftskandidat versuchte diesmal jenseits des bislang gegebenen Sonnyboys mit großer Ernsthaftigkeit den Anspruch seiner Politik zu formulieren. Hinter alledem steht jedoch weiter das unauslöschliche Rockstar-Image, das stets auch den Hang zum fröhlichen Leichtsinn, zu mangelnder Härte und Entschlusskraft impliziert. Tatsächlich hat Obama, insbesondere im Kontrast zu McCain, keinerlei außenpolitische, erst recht keine sicherheitspolitische Erfahrung. Wenn aber das Verhältnis der USA zu Russland weiter abkühlt, könnten diese Fähigkeiten eines Oberbefehlshabers der stärksten Armee der Welt für alle Amerikaner noch größte Bedeutung erlangen. Den Jubel in Denver entfachten die "yellow-dog-democrats", das sind jene, die auch einen gelben Hund zum Präsidenten wählten, wenn er nur Demokrat ist. Auf den Konvent, der in seiner Perfektion selbst den Olympia-Chinesen zur Ehre gereicht hätte, ist stimmungsmäßig kaum Verlass. - Das demokratische Wappentier ist der Esel; in seinem Zeichen tritt Obama wider den republikanischen Elefanten an. Gute Vize haben beide. So steht es wohl bis zuletzt Spitz auf Knopf.
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