Es ist das Ende einer Ära. Über Jahrzehnte
waren die fünf großen unabhängigen US-Investmentbanken das Herz der
Wall Street. Milliarden, Macht und Männer von Goldman Sachs
Ironie der Geschichte: Ausgerechnet unter US-Finanzminister
Henry Paulson, der einst selbst Goldman-Sachs-Chef war, erlebt die
Branche nun einen der heftigsten Umbrüche ihrer Geschichte. Die zwei
letzten großen unabhängigen Investmentbanken Goldman Sachs und
Morgan Stanley
LETZTE MOHIKANER
Der historische Kurswechsel der zwei "letzten Mohikaner" der Wall Street kam alles andere als freiwillig. Aus Washington kam nach Berichten aus Branchenkreisen die klare Ansage an die beiden, sich wie alle anderen Banken der Aufsicht der US-Notenbank Fed zu unterwerfen. "Paulson wollte ein deutliches Signal für mehr und einheitliche Regulierung setzen", so ein Insider. Das Problem: Investmentbanken hätten ein fast völlig unkontrolliertes paralleles Finanzsystem gebildet. Als nächstes könnten nun auch Hedgefonds strengere Regeln drohen, spekulieren US-Medien.
Seinen Anfang nahm der dramatische Abstieg der Wall-Street-Größen in irgendeiner Ecke der USA mit banalen Hauskrediten. Während des Immobilienbooms bekamen immer mehr Bürger mit immer weniger Sicherheiten Darlehen. Allen voran die Investmentbanken schnürten daraus komplexe Finanzprodukte und verdienten sich daran schwindlig. Bis der Markt Ende 2006 kippte. Der Anfang vom Ende. "Das trennbare System wie in den USA zwischen Investment- und Universalbank ist Geschichte", sagt Bankenprofessor Thomas Heidorn von der Frankfurt School of Finance.
ZURÜCK ZU DEN WURZELN
Neue Hochkonjunktur erlebt nun das vor kurzem noch
stiefmütterlich behandelte Privatkundengeschäft mit Filialen und
Sparkonten. "Zurück zu den Wurzeln", heiße der Trend, erklärte der
Finanzchef der britischen Großbank HSBC
Experten streiten allerdings über den weiteren Weg bei Goldman Sachs und Morgan Stanley. Die einen glauben, dass sich nicht viel ändern wird. "Im Kern bleiben die eine Investmentbank nur unter neuem Dach", so ein Experte. Andere halten es für möglich, dass sich besonders Goldman Sachs nun bald eine andere Bank unter den Nagel reißen wird. "Sie werden kein eigenes Retailbanking aufbauen", so Heidorn. "Sie werden es zukaufen."/fd/sb/DP/edh
--- Von Roland Freund, dpa und Kathrin Schulte-Bunert, dpa-AFX ---
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