DJ XETRA-SCHLUSS/Kurseinbruch - DAX verliert 7,1% - SAP enttäuscht
FRANKFURT (Dow Jones)--Der deutsche Aktienmarkt ist am Montag eingebrochen und hat dabei einen der höchsten prozentualen Tagesverluste seiner Geschichte hinnehmen müssen. Der DAX raste um 7,1% oder 410 Punkte auf 5.387 nach unten. Das zwischenzeitlich erreichte neue Jahrestief lag sogar bei 5.293 Punkten und betrug zum Freitagschluss über 500 Punkte. Umgesetzt wurden Aktien im Wert von rund 9,12 (Freitag: 6,12) Mrd EUR.
Damit hat die Finanzkrise dem Markt den nächsten Schlag versetzt. "Die Sorgen, dass die Wirtschaft in eine Rezession abgleiten könnte, sind noch größer geworden", sagte ein Händler. Das über das Wochenende notwendig gewordene und in letzter Minute zustande gekommene neue Rettungspaket für die Hypo Real Estate habe keine Beruhigung gebracht, sondern eher noch die Sorge verstärkt, dass bald neue Hiobsbotschaften aus dem Bankensektor kommen könnten.
Als am Nachmittag auch die US-Börsen unter Druck kamen und der Dow-Jones-Index unter 10.000 Punkte fiel, kannte der DAX kein Halten mehr. Händler sprachen von "Ausverkauf" und "Kapitulation". Handelsprogramme hätten gnadenlos gewaltige Verkäufe exekutiert. Es bleibe nun die Hoffnung, dass der Markt in der Unterstützungszone zwischen 5.140 und 5.243 Punkten Halt finde. Immerhin könnte die extreme Verkaufswelle bei riesigen Umsätzen darauf hindeuten, dass das Schlimmste zunächst einmal vorbei und eine Gegenbewegung nicht mehr fern sei.
Wegen des festen Yen und des schwachen Euro könnten allerdings weitere Aktieninvestments in Europa aufgelöst und nach Japan zurückgeführt werden, war auch zu hören. Im Handel wurden zunehmend Stimmen laut, nach denen die Notenbanken in einer konzertierten Aktion zur Stützung der Märkte bald die Zinsen senken könnten.
Hypo Real Estate (HRE) brachen um 37,4% ein auf 4,70 EUR. Bund und Banken hatten sich in letzter Minute, d.h. kurz vor Beginn der Börsenwoche, auf ein erweitertes Rettungspaket für HRE geeinigt. Der DAX-Konzern soll demnach über die bisher zugesagten 35 Mrd EUR hinaus einen zusätzlichen Kredit von 15 Mrd EUR erhalten, für den die privaten Banken und nicht die Regierung bürgen.
Die Analysten von equinet halten die Rettungsaktion für positiv für die Bank und das deutsche Bankensystem, kritisierten jedoch, das Management sei nicht in der Lage, das Risiko und die Liquiditätslage einzuschätzen. Die erhöhten Kreditlinien dürften zudem nicht umsonst zu haben sein, so die Analysten.
Deutsche Bank verloren 9,7% auf 47,86 EUR. Noch stärker erwischte es Commerzbank, die um 16,1% auf 11,90 EUR abrutschten. Die Aktie litt auch unter einem Bericht in der "Euro am Sonntag". Dort hieß es, die Bank müsse möglicherweise ihre Dresdner-Bank-Beteiligung neu bewerten. Allianz gaben mit 9,7% auf 89,48 EUR ebenfalls kräftig nach.
SAP brachen um 16,4% ein, nachdem der Softwarehersteller im späten Handel unerwartet Eckdaten für das dritte Quartal mitgeteilt hatte. Ein Händler sprach von "sehr schwachen" Zahlen, die in dem ohnehin angeschlagenen Markt ihre Wirkung voll entfaltet hätten.
Die zunehmenden Erwartungen negativer Auswirkungen der Finanzkrise auf die globale Konjunktur drückten naturgemäß die Kurse konjunkturabhängiger Titel besonders stark. ThyssenKrupp etwa verloren 11,7% auf 18,19 EUR und Salzgitter 16,9% auf 56,27 EUR. Daimler sanken um 14,6% auf 27,20 EUR. Der Konzern will die Autoproduktion zwischen dem 6. Dezember und dem 18. Januar drosseln. Das Schwergewicht Siemens brach um 9,3% auf 55,44 EUR ein und selbst die sonst stabilen Versorger mussten deutliche Abschläge hinnehmen.
VW wiederum zogen als einziger DAX-Wert an, und zwar um 5,2% an auf 292,35 EUR. Im Umfeld der durch Porsche geplanten mehrheitlichen Übernahme müssten Positionen angepasst werden, hieß es dazu.
Der MDAX fiel um 8,7% und der TecDAX um 11,3%. Im MDAX bauten Premiere ihre Verluste weiter aus und brachen um weitere 29,4% auf 3,25 EUR ein. Die zahlreichen Zykliker fielen wegen der Konjunktursorgen prozentual oft zweistellig, während die Aareal Bank mit einem Minus von 21,9% auf 7,35 EUR in den Sog der Finanzwerte geriet. Im TecDAX litten die Werte aus dem Bereich erneuerbare Energien unter dem Ölpreisrückgang. Zudem kamen IDS und Software AG vor dem Hintergrund der SAP-Zahlen unter massiven Druck.
DJG/mif/gos
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October 06, 2008 12:23 ET (16:23 GMT)
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