New York (BoerseGo.de) – Amerikaner sind ja für ihren Optimismus bekannt. Deshalb kann man auch dem heutigen schwarzen Montag etwas Positives abgewinnen. Die US-Märkte sind noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen. Nachdem der Dow mit einem Minus von 800 Zählern zwischenzeitlich den größten Punktverlust in seiner Geschichte verbuchte, erholte sich der Index zu Handelsschluss und verringerte das Minus auf 370 Punkte.
Die Verluste auf breiter Front an den US-Börsen basierten auf Sorgen der Anleger, dass die sich die immer weiter ausbreitende Kreditkrise eine ernsthafte Gefahr für die Weltwirtschaft darstellt. Zusätzlich befürchten Anleger, dass das verabschiedete US-Rettungspaket für die Finanzbranche nicht rasch genug greift, um die Finanzmärkte aus ihrer akuten Kreditklemme zu befreien. Laut Chef-Ökonom Georges Ugeux von Galileo Global Advisors verdichten sich die Anzeichen, dass sich die Kreditkrise immer weiter in andere Bereiche ausdehnt und zu einem weltweiten Problem heranwächst. CEO Ken Lewis von Bank of America spricht von der größten Finanzkrise, die er in seiner neununddreißigjährigen Laufbahn erlebt hat.
Grund für die Kurserholung gegen Handelsende war eine Meldung, wonach Frankreich ein Nottreffen der europäischen Staaten der G-8-Gruppe einberufen würde, um eine weltweit koordinierte Zinssenkung zu besprechen. Gemäß den Kontrakten an den US-Terminmärkten sehen Marktteilnehmer es als sicher an, dass die Federal Reserve im Rahmen der nächsten Sitzung des Offenmarktausschusses am 29.Oktober den US-Leitzins um 75 Basispunkte auf 1,25 Prozent senken wird. Viele Marktteilnehmer gehen jedoch davon aus, dass ein Zinsschritt der Fed bereits vor der Notenbanksitzung am 29.Oktober erfolgt. Um die Finanzmärkte zu beruhigen, fordert Bill Gross, Chef des größten Anleiheninvestors der Welt, Pimco, eine massive Zinssenkung der Fed um 100 Basispunkte auf 1,0 Prozent.
Die US-Notenbank Fed hat heute zum wiederholten Male ihren Maßnahmenkatalog zur Linderung der Kreditkrise erweitert. Die US-Notenbank wird zukünftig Zinsen auf hinterlegte Mindestreserven zahlen und den Umfang ihres Refinanzierungsgeschäfts für Geschäftsbanken ("Term Auction Facility", TAF) auf insgesamt 900 Milliarden Dollar an liquiden Mitteln erhöhen. Im Zug der „ Term Auction Facility“ (TAF) können Banken bei zweiwöchig stattfindenden Auktionen Gebote für Darlehen mit einer Laufzeit von jeweils fast einem Monat gegen Sicherheiten, wie sie auch am Diskontfenster akzeptiert würden, abgeben.
Der Preis für ein Barrel Rohöl der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fällt an der New Yorker Terminbörse Nymex um 5,74 Dollar auf einen Schlusstand von 88,14 Dollar. Damit rutscht der Preis für das schwarze Gold das erste Mal in acht Monaten wieder unter die Marke von 89 Dollar. Marktteilnehmer sind verunsichert, wann und ob das verabschiedete US-Rettungspaket Wirkung zeigt. Gleichzeitig befürchten Händler, dass sich das weltweite Wirtschaftswachstum deutlich abkühlt, was zu einer sinkenden Nachfrage nach Öl führen würde. Der Preis für die Feinunze Gold steigt um 33,40 Dollar und notiert zum Handelsschluss bei 866,40 Dollar. Anleger schichten in turbulenten Börsenzeiten ihr Kapital in das als sicheren Hafen bekannte Edelmetall um.
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte beendet den Handel mit einem Minus von 3,58 Prozent auf 9955 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 verliert 3,85 Prozent auf 1056 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gibt um 4,34 Prozent auf 1862 Punkte nach. Sieger im Dow sind heute Fehlanzeige. Bei den Techs überzeugt VeriSign mit einem Plus von 3,85 Prozent auf 23,95 Dollar. An der New York Stock Exchange wechselten 1,95 Milliarden Aktien den Besitzer. 231 Werte legten zu, 2997 gaben nach. An der Nasdaq gab es bei Umsätzen von 3,45 Milliarden Aktien 418 Gewinner und 2449 Verlierer.
eBay baut Mitarbeiter ab und tätigt Zukäufe
Der Online-Auktionsanbieter eBay will seine weltweite Belegschaft um 10 Prozent reduzieren. Davon werden rund 1.000 Angestellte und mehere hundert Zeitarbeitskräfte betroffen sein. Wie das Unternehmen weiter mitteilt, ist aus den Anstrengungen zur Restrukturierung im vierten Quartal mit einer Vorsteuer-Sonderbelastung von rund 70-80 Millionen Dollar zu rechnen. Zum Umsatz erfolgt für das dritte Quartal die Inaussichtstellung des Erreichens des unteren Endes der gesetzten Schätzung. Zudem erfolgt die Übernahme des US-Online-Zahldienst-Service Bill Me Later für rund 820 Millionen Dollar in bar und rund 125 Millionen Dollar an freien Optionen. Gleichzeitig werden die dänischen Kleinanzeigen-Internetseiten dba.dk und bilbasen.dk für rund 390 Millionen Dollar in bar zur Einverleibung gebracht. Die Aktie verliert 5,54 Prozent auf 17,89 Dollar.
Chinesischer Futtermittelhersteller bestätigt Prognose
Der chinesische Futtermittelhersteller und Schweineproduzent AgFeed Industries bestätigt für das Geschäftsjahr 2008 seine Gewinnprognose von 1,10 Dollar pro Aktie, was gleichzeitig über dem aktuellen Konsens der Analysten von 1,00 Dollar pro Aktie liegt. Zusätzlich gibt das Unternehmen ein Aktienrückkaufprogramm in Höhe von 10 Millionen Dollar bekannt. Weiter verpflichtet sich das Management für ein Jahr lang keine eigenen Aktien zu verkaufen. Die Aktie gewinnt 10,41 Prozent auf 6,26 Dollar.
Alcoa vor Zahlen
Das Investmenthaus Credit Suisse First Boston reduziert seine Gewinnprognose für das dritte Quartal für die Aktie des Aluminiumkonzerns Alcoa von 0,66 Dollar auf 0,53 Dollar pro Aktie, was gleichzeitig unter den aktuellen Konsensschätzungen der Analysten von 0,54 Dollar pro Aktie liegt. Das Analystenhaus begründet seine Neueinschätzungen mit der sinkenden Nachfrage bei US-Endverbrauchern und aufkommenden Kostendruck. Alcoa eröffnet am 07.Oktober traditionell die Berichterstattung-Saison für das dritte Quartal. Die aktuellen Konsensschätzungen der Analysten gehen für das dritte Quartal von einem Gewinn von 0,54 Dollar pro Aktie und einem Umsatz von 7,23 Milliarden Dollar aus. Die Aktie verliert 5,87 Prozent auf 18,11 Dollar.
Intel unter Druck
Die Aktie des weltgrößten Chipherstellers Intel fällt im Sog der Turbulenzen an den Finanzmärkten auf ein 5-Jahrestief. Obwohl das Unternehmen auch in unruhigen Börsenzeiten als relativ sicheres Investment angesehen wird, treibt die Angst vor einer sinkenden PC-Nachfrage die Aktie in den Keller. Das Investmenthaus Global Crown Capital bestätigt aktuell sein Neutral Rating mit Kursziel 20 Dollar. Die Aktie verliert 2,20 Prozent auf 16,93 Dollar.
Apple: iPhone Verkaufsschlager
Apple ist laut der NPD Group mit seinem Smartphone „Apple iPhone 3G“ bereits innerhalb eines Jahres nach dem RAZR V3 von Motorola zu dem zweitmeistverkauften Mobiltelefon in den USA aufgestiegen. Unabhängig davon hat die US-Börsenaufsicht SEC Untersuchungen zu einer am Freitag in Umlauf gebrachten Falschmeldung eingeleitet, wonach CEO Steve Jobs mit einem Herzinfarkt in ein Krankenhaus eingeliefert worden sei. Das Investmenthaus Barclays Capital bestätigt aktuell sein Overweight Rating mit Kursziel 135 Dollar. Die Aktie gewinnt 1,10 Prozent auf 98,14 Dollar.
