New York (BoerseGo.de) – Lange sah es danach aus, als ob die US-Märkte ihre Negativserie endlich brechen könnten. Zudem gab es heute die von vielen Anlegern erhoffte konzertierte Zinssenkung. Die US-Notenbank Fed hat in einer gemeinschaftlichen, mit sechs anderen führenden Notenbanken abgestimmten Aktion den Leitzins um 50 Basispunkte auf 1,5 Prozent gesenkt, um der Finanzkrise und den steigenden Rezessionsängsten entgegenzuwirken. Doch in den letzten Handelsminuten verließ die Anleger der Mut und die Verkäufer dominierten erneut das Geschehen. Vielleicht trug auch US-Finanzminister Henry Paulson in der letzten halben Stunde des regulären Handels zum Ausverkauf bei, nachdem er Anleger zur Geduld aufrief und klarstellte, dass die Rettungsmaßnahmen der US-Regierung und der Notenbanken die aktuellen Turbulenzen an den Finanzmärkten nicht über Nacht aus der Welt schaffen werden. Paulson rechnet zudem damit, dass in den kommenden Monaten noch mehr Banken in Schieflage geraten werden. Der Dow setzt damit den sechsten Tag in Folge seine Talfahrt fort, vom Hoch vor genau einem Jahr bei 14164 Punkten hat der US-Leitindex bereits 35 Prozent eingebüßt. Nach Auffassung von Chef-Analyst Bill Schultz vom Investmenthaus McQueen, Ball & Associates muss erst das Vertrauen zurückkehren, bis eine nachhaltige Rallye an den Märkten starten kann.
Zu den großen Verlierern des heutigen Handelstages gehört die Aktie der Bank of America. Das Investmenthaus RBC Capitals reduziert sein Kursziel für die US-Großbank von 29 Dollar auf 23 Dollar, nachdem das US-Finanzinstitut im Rahmen seiner angekündigten Kapitalerhöhung im Volumen von zehn Milliarden Dollar die neuen Aktien zu einem Preis von 22,00 Dollar mit einem Abschlag von 7,5 Prozent gegenüber dem gestrigen Schlusskurs platziert hat. Die US-Großbank hat im gerade abgelaufenen dritten Quartal mit einem Gewinn von 0,15 Dollar pro Aktie die Erwartungen von Wall Street um 51 Cents verfehlt. Zusätzlich hat das Management eine Kürzung der Dividende um 50 Prozent auf 32 Cents pro Aktie angekündigt. Die Aktie hat innerhalb von zwei Handelstagen mehr als 30 Prozent verloren und notiert aktuell bei 22,10 Dollar. Zusätzlich belastend auf den Finanzsektor wirkt sich aus, dass das Verbot der Leerverkäufe auf Finanzwerte heute nach Börsenschluss wieder aufgehoben wird.
Für Enttäuschung sorgte auch das Quartalsergebnis von Alcoa. Der Aluminiumkonzern verbuchte im dritten Quartal einen Gewinneinbruch über 50 Prozent und verfehlte die Erwartungen von Wall Street deutlich. Das Management macht für den Gewinneinbruch sinkende Aluminiumpreise, eine schwächere Nachfrage und steigende Kosten verantwortlich. Das Unternehmen stoppt zusätzlich sein Aktienrückkaufprogramm und senkt sein Investitionsbudget. Die Aktie verliert 11,96 Prozent auf 14,60 Dollar. Besser machte es der Agrar-Chemiekonzern Monsanto. Das Unternehmen übertrifft im vierten Quartal die Gewinn- und Umsatzprognosen der Analysten, allerdings wird die Gewinnschätzung für das Geschäftsjahr 2009 von 4,60 Dollar auf 4,20 bis 4,40 Dollar pro Aktie nach unten revidiert. Die Aktie beendet den Handel mit einem Gewinn von 9,79 Prozent auf 81,44 Dollar.
Die Einzelhandelsumsätze für den Monat September fielen überwiegend unter den Erwartungen der Analysten aus. So enttäuschten die Filialumsätze der Einzelhändler Target, J.C.Penney oder Wal-Mart Stores. Der Einzelhandel bekommt die Folgen der Kreditkrise zu spüren, die Zurückhaltung der US-Konsumenten belastet das Geschäft.
Positives gibt es jedoch vom US-Häusermarkt zu berichten. Gemäß der National Association of Realtors ist die Anzahl der anstehenden Hausverkäufe im August gegenüber dem Monat Juli überraschend um 7,4 Prozent gestiegen, Volkswirte dagegen sind von einem Rückgang von 1,3 Prozent ausgegangen. Bei den „Pending Home Sales“ handelt es sich um Hausverkäufe, die zwar unterschrieben, aber noch nicht abgewickelt sind. Gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum ist die Anzahl der anstehenden Hausverkäufe um 8,8 Prozent geklettert. Am stärksten haben die anstehenden Hausverkäufe im Westen der USA mit einem Zuwachs von 18,4 Prozent zugelegt.
Der Preis für ein Barrel Rohöl der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fällt an der New Yorker Terminbörse Nymex um 1,21 Dollar auf einen Schlusstand von 88,85 Dollar. Händler begründen den Preisrückgang des schwarzen Goldes auf den tiefsten Stand seit zehn Monaten mit dem überraschend starken Anstieg der US-Öllagerbestände, die eine Abschwächung der Nachfrage andeuten. Die US-Rohöllagerbestände sind nach Angaben des Energieministeriums der USA in der letzten Woche um 8,1 Millionen Barrel gestiegen, Experten gingen bei Öl von einem Anstieg von 2,2 Millionen Barrel aus. Der Preis für die Feinunze Gold steigt um 25,10 Dollar und notiert zum Handelsschluss bei 907,10 Dollar. Investoren schenken den jüngsten Rettungsmaßnahmen der Zentralbanken und Regierungen wenig Vertrauen und schichten ihr Kapital in das als sicherer Hafen bekannte Edelmetall um.
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte beendet den Handel mit einem Minus von 2,00 Prozent auf 9258 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 verliert 1,13 Prozent auf 984 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gibt um 0,83 Prozent auf 1740 Punkte nach. Sieger im Dow ist die Aktie von General Electrics mit einem Plus von 1,72 Prozent auf 20,65 Dollar. Bei den Techs überzeugt Research In Motion mit einem Plus von 4,63 Prozent auf 57,60 Dollar. An der New York Stock Exchange wechselten 2,1 Milliarden Aktien den Besitzer. 749 Werte legten zu, 2451 gaben nach. An der Nasdaq gab es bei Umsätzen von 3,52 Milliarden Aktien 728 Gewinner und 2054 Verlierer.
Chinesischer Solarzellenkonzern erhöht Prognose
Der in den USA gelistete chinesische Solarzellenhersteller LDK Solar hat seine Prognose zum dritten Quartal angehoben und rechnet nun für jene Periode mit einem Umsatz von 530-540 Millionen Dollar. Ursprünglich erfolgte die Inaussichtstellung eines Umsatzes von 486-496 Millionen Dollar. Wie LDK weiter mitteilte, lag die jährliche Wafer-Produktionskapazität per Ende des dritten Quartals bei 1,2 Gigawatt. Damit wurde das bis Jahresende gesetzte Ziel bereits erreicht. Die Aktie gewinnt 11,18 Prozent auf 21,48 Dollar.
eBay mit Upgrade
Analyst Tim Boyd vom Investmenthaus American Technology Research erhöht sein Rating für die Aktie des Online-Auktionshauses eBay von Sell auf Neutral. Nach dem jüngsten Kursrutsch von 30 Prozent in nur drei Monaten ist dem Finanzexperten zufolge bei dem aktuellen Kursniveau ein enttäuschendes Quartalsergebnis bereits eingepreist. Das Unternehmen berichtet sein Ergebnis für das dritte Quartal am 15.Oktober nach Marktschluss, die aktuellen Konsensschätzungen gehen von einem Gewinn von 0,41 Dollar pro Aktie und einem Umsatz von 2,16 Milliarden Dollar aus. Der Online-Auktionsanbieter hat gerade die Übernahme des US-Online-Zahldienst-Service Bill Me Later und die Reduzierung seiner weltweiten Belegschaft um 10 Prozent angekündigt. Die Aktie gewinnt 3,09 Prozent auf 17,01 Dollar.
Research In Motion mit Kauf-Empfehlung
Die Aktie des Smartphone-Herstellers Research In Motion beendet den Handel mit einem Plus von 4,63 Prozent auf 57,60 Dollar, nachdem das Investmenthaus Canaccord Adams sein Rating von Hold auf Buy mit Kursziel 72,75 Dollar erhöht hat. Seit dem Juni-Hoch hat die Aktie bereits über 60 Prozent korrigiert. In Kürze läuft der Verkaufsstart für das Touchscreen Smartphone „Storm“ von Research In Motion an. Die aktuellen Kursziele der Analysten für die Aktie liegen zwischen 72 Dollar und 125 Dollar. Quartalszahlen kommen am 18. Dezember nach Marktschluss, die aktuellen Konsensschätzungen gehen von einem Gewinn von 0,93 Dollar pro Aktie und einem Umsatz von 2,99 Milliarden Dollar aus.
US-Versicherungsgigant warnt
Die Aktie des US-Versicherungsgiganten MetLife, Inc. verliert am heutigen Handelstag 26,77 Prozent auf 27,00 Dollar, nachdem das Unternehmen seine Gewinnprognose für das dritte Quartal von 1,48 Dollar auf 0,83 bis 0,93 Dollar nach unten revidiert. Die Umsatzprognose wird von 1,38 Milliarden Dollar auf 1,15 Milliarden Dollar reduziert. Zusätzlich plant das Unternehmen eine Kapitalerhöhung durch die Emission von 75 Millionen neuen Stammaktien und zusätzliche Stellenstreichungen.
Symantec mit Upgrade und Übernahme
Das Investmenthaus J.P. Morgan erhöht sein Rating für den Sicherheitssoftwarehersteller Symantec Corporation von Neutral auf Overweight mit Kursziel 20 Dollar. Die Finanzexperten sehen die Aktie nach der jüngsten Kurskorrektur günstig bewertet. Zusätzlich gibt der Sicherheitsexperte die Übernahme des britischen E-Mail-Spezialisten MessageLabs für 695 Millionen Dollar bekannt. MessageLabs schützt aktuell mit seinen SaaS-Diensten (Software as a Service) etwa acht Millionen E-Mail-Konten bei über 19.000 Kundenunternehmen. Die Aktie verliert 2,07 Prozent auf 14,69 Dollar.
