New York (BoerseGo.de) – Nach einem kurzen Ausflug in positives Terrain starten die US-Indizes die Börsenwoche mit deutlichen Verlusten. Sorgen der Anleger nach dem Abrutschen Japans in die erste Rezession seit 2001 über den Zustand der Weltkonjunktur und Meldungen von geplanten Massenentlassungen im US-Bankensektor dominieren das Tagesgeschehen an Wall Street.
Die US-Großbank Citigroup plant in naher Zukunft die Entlassung von weiteren 52.000 Mitarbeitern, nachdem das US-Finanzinstitut im Laufe dieses Jahres bereits 36.000 Stellen gestrichen hat. Darüber hinaus beabsichtigt die US-Großbank Kosteneinsparungen in Höhe von 20 Prozent, Citigroup schreibt bereits vier Quartale in Folge rote Zahlen. Die Aktie beendet den Handel mit einem Minus von 6,62 Prozent auf 8,89 Dollar. Die Aktie des Bankenriesen J.P. Morgan Chase verbucht ebenfalls deutliche Verluste, nachdem das Investmenthaus Ladenburg Thalman sein Kursziel für die Aktie on 45 Dollar auf 37 Dollar reduziert hat. Die Finanzexperten begründen ihre Neueinschätzung mit der weiter negativen Zukunftsprognose von CEO Jamie Dimon. Der Firmenchef von J.P. Morgan Chase erwartet schwierige Zeiten für die Kapitalmärkte, besonders die Realwirtschaft steht seiner Ansicht nach vor großen Herausforderungen. Dimon rechnet neben den Problemen im Immobilien- und Konsumentensektor mit stark ansteigenden Arbeitslosenraten in den USA. Dimon sieht den Finanzsektor in naher Zukunft unter Druck und geht bei US-Finanzinstituten von einem weiteren Abbau der hohen Fremdfinanzierungen aus. Die Aktie von J.P. Morgan Chase verliert 4,93 Prozent auf 32,77 Dollar, insgesamt verbucht der Finanz-Sektor ein Minus von 6,0 Prozent.
Der Einzelhändler Target Corporation berichtet für dritte Quartal einen im Rahmen der Erwartungen der Analysten liegenden Gewinn von 0,49 Dollar pro Aktie, doch kündigt das Management infolge der unsicheren Konjunkturaussichten die Aussetzung seines Aktienrückkaufprogramms an. Zusätzlich senkt der Einzelhändler sein Investitionsbudget für das kommende Jahr um eine Milliarde Dollar. Die Analysten von J.P. Morgan Chase reduzieren im Anschluss an das Quartalsergebnis ihr Rating für die Aktie von Overweight auf Neutral und korrigieren ihr Kursziel von 46 Dollar auf 34 Dollar nach unten. Die Aktie verliert 4,09 Prozent auf 31,68 Dollar. Einen Gewinn verzeichnete dagegen die Aktie der US-Baumarktkette Lowe’s mit einem Plus von 4,17 Prozent auf 18,99 Dollar. Das Unternehmen toppte im dritten Quartal die Erwartungen von Wall Street, auch eine Gewinnwarnung für das vierte Quartal konnte die Freude der Anleger nicht trüben. Nach den negativen Unternehmensberichten vieler Einzelhändler in der letzen Woche haben viele Investoren wohl mit Schlimmeren gerechnet.
Das zähe Bangen um die ersehnte Staatshilfe für die US-Autobauer geht indes weiter. Die Demokraten haben im US-Kongress einen Gesetzentwurf vorgelegt, der den US-Autoherstellern den Zugang zu dem 700 Milliarden schweren Rettungspaket der US-Regierung gewähren soll. Mit einer Entscheidung des US-Kongress ist jedoch nicht vor Mittwoch zu rechnen. General Motors gibt heute bekannt, seinen Anteil von 3 Prozent an dem japanischen Branchenkollegen Suzuki Motor Corp. für 232 Millionen Dollar an Suzuki zurückverkaufen. Die Aktie von General Motors gewinnt 5,65 Prozent auf 3,18 Dollar, das Papier von Ford Motors verliert dagegen 4,44 Prozent auf 1,72 Dollar.
Kaum Kursimpulse kommen von den heutigen Konjunkturdaten. Die Aktivität des produzierenden Gewerbes im Großraum New York ist im November erneut gesunken, wodurch sich das Rezessionsniveau verschärfte. Der von der Federal Reserve Bank New York erhobene Empire State-Index fiel im Vergleich zum Vormonat von minus 24,6 Punkten auf ein weiteres Rekordtief von minus 25,4 Punkte. Die Mehrheit der Volkswirte ist sogar von einem noch schlechteren Ergebnis von minus 26,8 Punkten ausgegangen. Ein Indexstand von über Null weist auf Wachstum im verarbeitenden Gewerbe in jener Region hin. Ein Indexstand von unter Null indiziert eine schrumpfende Entwicklung. Der überraschende Anstieg der US-Industrieproduktion im Monat Oktober von 1,3 Prozent wird durch Sondereffekte relativiert. Für den Vormonat September ist die US-Industrieproduktion auf Minus von 3,7 Prozent nach unten revidiert worden, was den größten Einbruch seit rund 62 Jahren darstellt. Der deutliche Produktionseinbruch im September und die darauf folgende Erholung sind die Folgen der beiden Hurrikans Gustav und Ike und Streiks bei der zivilen Luftfahrt.
Der Preis für ein Barrel Rohöl der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fällt an der New Yorker Terminbörse Nymex um 1,79 Dollar auf einen Schlusstand von 55,25 Dollar. Händler führen den Preisrückgang des schwarzen Goldes auf ein 21-Monatstief auf Sorgen um eine weitere Abschwächung der weltweiten Öl-Nachfrage zurück. Bestärkt wird diese Vermutung durch die Tatsache, dass Japan in die erste Rezession seit 2001 abgerutscht ist und der größte chinesische Ölproduzent, China National Petroleum Corporation , eine deutliche geringere Nachfrage seit September berichtet. Der Preis für die Feinunze Gold fällt um 70 Cents und notiert zum Handelsschluss bei 741,80 Dollar. Der Preis für das Edelmetall folgt den aktuell leichten Verlusten der großen US-Aktien-Indizes an Wall Street, der wieder schwächere US-Dollar federt den Goldpreis vor weiteren Verlusten ab.
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte beendet den Handel mit einem Minus von 2,63 Prozent auf 8273 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 verliert 2,58 Prozent auf 850 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gibt um 2,29 Prozent auf 1482 Punkte ab. Sieger im Dow ist die Aktie von General Motors mit einem Plus von 5,65 Prozent auf 3,18 Dollar. Bei den Techs überzeugt Research In Motion mit einem Plus von 5,60 Prozent auf 42,24 Dollar. An der New York Stock Exchange wechselten 1,31 Milliarden Aktien den Besitzer. 767 Werte legten zu, 2385 gaben nach. An der Nasdaq gab es bei Umsätzen von 1,85 Milliarden Aktien 861 Gewinner und 1918 Verlierer.
Downgrade für Dell belastet Technologie-Sektor
Dell wird von Merrill Lynch von Buy auf Neutral herabgestuft. Im Bereich des Kursziels erfolgt eine Herabnahme von 22 auf 13 Dollar. Die Analysten machen in der Begründung ihrer geringeren Sichtweise zu dem PC-Hersteller vor allem auf die Erwartung eines deutlichen Abwärtstrends im PC-Markt aufmerksam. Davon sei vor allem der Desktop-Sektor betroffen. Zudem gebe es für die nächsten Quartale einen Mangel an anheizenden Impulsen beziehungsweise keine Möglichkeiten für Marktanteilszuwächse. Die Aktie verliert 3,40 Prozent auf 10,52 Dollar.
Alcoa mit Kurseinbruch
Die Aktie des Aluminiumkonzerns Alcoa beendet den Handel mit einem Minus von 10,79 Prozent auf 9,67 Dollar, nachdem das Investmenthaus UBS sein Rating für die Aktie von Buy auf Neutral gesenkt und das Kursziel von 13 Dollar auf 11,50 Dollar reduziert hat. Die Finanzexperten begründen ihre Neueinschätzung mit der sinkenden Nachfrage, dem wieder stärker gewordenen US-Dollar und der Drosselung der Kapazitäten. Erst letzte Woche hat der Aluminiumkonzern angekündigt, seine Produktion um jährlich 386.000 Tonnen zurückfahren, was etwa 15 Prozent des Gesamtoutputs entspricht.
Buffet investiert in US-Energiekonzern
Der von der Investment-Legende Warren Buffet gemanagte Investment-Firma Berkshire Hathaway hat im Zeitraum von März bis September dieses Jahres insgesamt 66 Millionen Aktien des US-Energiekonzerns ConocoPhillips gekauft. Damit hat sich der Anteil von Berkshire Hathaway am Ende des dritten Quartals auf 84 Millionen Aktien des Unternehmens erhöht. Der aktuelle Kurs der Aktie hat sich seit den Höchstständen vom Juni dieses Jahres halbiert, das Investmenthaus Credit Suisse First Boston stuft die Aktie aktuell mit Neutral Rating und Kursziel 60 Dollar ein. Die Aktie verliert 1,33 Prozent auf 46,76 Dollar.
NABE: US-Rezession wird bis 2009 anhalten und sich weltweit verbreiten
In den USA wird eine mittlerweile begonnene Rezession vermutlich bis ins nächste Jahr anhalten. Ebenso dürften die größten Volkswirtschaften rund um den Globus den Gang in die Rezession beschreiten. Dies geht aus einer von der National Association for Bussiness Economics (NABE) durchgeführten Umfrage unter Experten hervor. Nach einem voraussichtlichen Wachstum der amerikanischen Wirtschaft in 2008 von insgesamt 1,4 Prozent ist für 2009 mit einer Schrumpfung von 0,2 Prozent zu rechnen. Neben den USA würden sich von den weltweit größten Volkswirtschaften Großbritannien, die Länder der Eurozone, Japan, Kanada und Mexico entweder bereits in einer Rezession befinden oder kurz vor dem Eintritt in eine solche Phase stehen. Der pessimistische Ausblick für Aktien, den Bausektor, die Hauspreise und den Arbeitsmarkt werde die Verfassung der Haushalte strapazieren und deren Ausgaben schwach gestalten lassen.
US-Halbleiter-Aktie mit Sell Rating
Das Investmenthaus Goldman Sachs stuft die Aktie des Herstellers von programmierbaren PLD-Halbleitern, Altera Corporation, weiter mit einem Sell Rating ein. Die Finanzexperten rechnen damit, dass Unternehmen ihre Investitionen für Kommunikationsinfrastruktur in den kommenden Quartalen deutlich zurückschrauben werden. Goldman Sachs reduziert sein Kursziel für Altera von 16 Dollar auf 14 Dollar. Die Aktie verliert 3,13 Prozent auf 14,55 Dollar.
