München (ots) - Banken müssen sich stärker auf ihre gesellschaftliche Verantwortung besinnen / Risiko-Kultur hat Verantwortungslosigkeit toleriert / "Heute sind Banken Coffee-Shops, und wir vertrauen darauf, dass der Staat unser Geld sichert"
Der britische Philosoph und Schriftsteller Anthony Clifford Grayling fordert die Finanzbranche auf, sich stärker auf ihre gesellschaftliche Verantwortung zu besinnen. "Es ist wichtig, dass die Menschen in dieser Branche einen stärkeren Sinn für das Ganze entwickeln. Denn was sie tun, ist für die gesamte Wirtschaft lebensnotwendig", sagte Grayling in einem Interview mit dem Anlegermagazin 'Börse Online' (Ausgabe 3/2009, EVT 8. Januar).
Seit den Neunziger Jahren habe sich in den Banken eine Risiko-Kultur ausgebreitet, in der Verantwortungslosigkeit akzeptiert gewesen sei. "In den Banken herrscht harter Wettbeweb und die Anforderungen ähneln denen des Militärs. Fußsoldaten denken nicht über die Menschen nach, die sie töten, sondern sie feuern einfach weiter." Ähnlich müssten sich auch Händler in den Banken verhalten. "Nachdenken ist in diesen Positionen nicht erwünscht."
Die Geldinstitute hätten sich weit von ihrer ursprünglichen gesellschaftlichen Bedeutung entfernt, urteilt Grayling, der selbst aus einer Banker-Familie kommt. Von jeher seien Banken Garanten für Verlässlichkeit gewesen, die das bei ihnen angelegte Geld gehütet hätten. "Heute sind Banken Coffee-Shops, und wir vertrauen darauf, dass der Staat unser Geld sichert." Nachdem Regierungen weltweit Gelder von Steuerzahlern in das Bankensystem gepumpt haben, seien die Institute jetzt moralisch verpflichtet, damit Kredite zu vergeben.
Grayling kritisierte im 'Börse Online'-Interview auch die hohen Gehälter und Boni in der Finanzbranche. "Wenn ein Manager mehr verdient als 500 Krankenschwestern, ist das völlig inakzeptabel. So viel kann ein Einzelner gar nicht für die Gesellschaft leisten." Eine Gesellschaft, in der es solche großen Unterschiede gebe, sei grundsätzlich keine gute Gesellschaft. In schlechten Zeiten sei dadurch die politische und soziale Stabilität gefährdet.
Der Philosoph und Schriftsteller A.C. Grayling gehört zu den führenden Intellektuellen Großbritanniens. Er ist Professor für Philosophie am Birbeck College, das zur University of London gehört.
Originaltext: Börse Online, G+J Wirtschaftsmedien Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/67525 Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_67525.rss2
Pressekontakt: Tobias Kaiser, Redaktion 'Börse Online', Tel.: 030/2 20 74 -149, Fax 0721/50 96 63 -2 11, E-Mail tobias.kaiser_fr@boerse-online.de, www.boerse-online.de
Hinweis für die Redaktionen: Der vollständige Beitrag der ,Börse Online'-Redaktion kann bei Sascha Grüning, PubliKom Kommunikationsberatung, unter Telefon 040/39 92 72 -14 oder per E-Mail presse@publikom.com angefordert werden.
Der britische Philosoph und Schriftsteller Anthony Clifford Grayling fordert die Finanzbranche auf, sich stärker auf ihre gesellschaftliche Verantwortung zu besinnen. "Es ist wichtig, dass die Menschen in dieser Branche einen stärkeren Sinn für das Ganze entwickeln. Denn was sie tun, ist für die gesamte Wirtschaft lebensnotwendig", sagte Grayling in einem Interview mit dem Anlegermagazin 'Börse Online' (Ausgabe 3/2009, EVT 8. Januar).
Seit den Neunziger Jahren habe sich in den Banken eine Risiko-Kultur ausgebreitet, in der Verantwortungslosigkeit akzeptiert gewesen sei. "In den Banken herrscht harter Wettbeweb und die Anforderungen ähneln denen des Militärs. Fußsoldaten denken nicht über die Menschen nach, die sie töten, sondern sie feuern einfach weiter." Ähnlich müssten sich auch Händler in den Banken verhalten. "Nachdenken ist in diesen Positionen nicht erwünscht."
Die Geldinstitute hätten sich weit von ihrer ursprünglichen gesellschaftlichen Bedeutung entfernt, urteilt Grayling, der selbst aus einer Banker-Familie kommt. Von jeher seien Banken Garanten für Verlässlichkeit gewesen, die das bei ihnen angelegte Geld gehütet hätten. "Heute sind Banken Coffee-Shops, und wir vertrauen darauf, dass der Staat unser Geld sichert." Nachdem Regierungen weltweit Gelder von Steuerzahlern in das Bankensystem gepumpt haben, seien die Institute jetzt moralisch verpflichtet, damit Kredite zu vergeben.
Grayling kritisierte im 'Börse Online'-Interview auch die hohen Gehälter und Boni in der Finanzbranche. "Wenn ein Manager mehr verdient als 500 Krankenschwestern, ist das völlig inakzeptabel. So viel kann ein Einzelner gar nicht für die Gesellschaft leisten." Eine Gesellschaft, in der es solche großen Unterschiede gebe, sei grundsätzlich keine gute Gesellschaft. In schlechten Zeiten sei dadurch die politische und soziale Stabilität gefährdet.
Der Philosoph und Schriftsteller A.C. Grayling gehört zu den führenden Intellektuellen Großbritanniens. Er ist Professor für Philosophie am Birbeck College, das zur University of London gehört.
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