19. Juli 2010. Eine neue Auflage des Tauziehens zwischen Optimisten und Pessimisten bestimmt derzeit die Börse: Diesmal geht es nicht mehr um Schulden- und Eurokrise, sondern um Konjunkturaufschwung oder Rezession.
"Starke Quartalszahlen versus schwache Immobiliendaten", so fasst die LBBW die aktuellen Stimmungsströmungen an der Börse zusammen. Die US-Berichtssaison liefert weiter ausgesprochen freundliche Impulse, die Konjunkturdaten fallen aber nicht mehr so gut aus. Die kommenden Tage könnten zeigen, wer Recht hat: Zum einen werden weitere wichtige US-Immobiliendaten und, für Europa, Einkaufsmanagerindizes veröffentlicht. Zum anderen gewähren abermals zahlreiche US-Unternehmen Einblicke in ihre Bücher. Auch große europäische Konzerne wie Philips, ABB, Ericsson und Nokia legen die Zahlen für das abgelaufene Quartal offen.
In Europa wird aber vor allem die Veröffentlichung der Belastungstest für die europäischen Banken am Freitag mit Spannung erwartet. Hierzulande gehen Marktbeobachter zwar davon aus, dass die 14 deutschen Institute die Prüfung bestehen werden, rechnen aber dennoch mit interessanten Informationen. Nach Verlusten von 0,4 Prozent in der Vorwoche liegt der DAX am Montagvormittag bei 6.034 Punkten, die Börse in Japan ist wegen eines Feiertags heute geschlossen.
HSH Nordbank: Perspektiven gut
Nach Ansicht von Arndt Krakau von der HSH Nordbank sind die Aussichten für den Aktienmarkt derzeit gut. Die positiven US-Unternehmenszahlen gäben Auftrieb: "Das kann noch eine Weile so weiter gehen", glaubt er. Auf der anderen Seite blieben die Sorgen um einen Double Dip, eine neue Rezession: "Rückschläge von 300 bis 400 Punkten sind immer wieder möglich, die Unsicherheit bleibt". Zuversichtlich stimmt ihn aber eins: Dass es bei Niveaus von 5.500 bis 5.800 Zählern immer genügend Käufer gegeben habe: "Da ist Unterstützung da", meint Krakau.
Commerzbank glaubt nicht an Double Dip
Die USA-Wirtschaft steht nach Einschätzung der Commerzbank übrigens nicht vor einer abermaligen Rezession - trotz schwacher Daten vom Immobilienmarkt, einem nur geringen Beschäftigungsaufbau in der Privatwirtschaft, in der Breite rückläufigen Frühindikatoren und einer spürbaren Abschwächung des privaten Verbrauchs. "Für ein echtes Double Dip wachsen insbesondere die Anlageinvestitionen zu kräftig", meinen die Analysten. Ihr Fazit: Zyklische Abschwächung ja, Double Dip nein.
Markttechnik: Jahreshoch noch auf der Agenda
Charttechnisch sind die Aussichten für den DAX nach Ansicht von HSBC Trinkaus & Burkhardt trotz der jüngsten Kursverluste nicht schlecht: Der Cluster aus dem Januarhoch bei 6.094 und der 90-Tage-Linie bei 6.067 Punkten dürfe eine solide Unterstützung bilden und einen abermaligen Anlauf auf den Aufwärtstrend ermöglichen. "Die Indikatoren stimmen zuversichtlich, sodass ein erneuter Angriff auf das Jahreshoch bei 6.342 Punkten nicht von der Agenda rutscht", erklären die Analysten außerdem.
Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftstermine
Montag, 19. Juli
Quartalszahlen Philips, IBM
Dienstag, 20. Juli
Quartalszahlen Apple, Goldman Sachs
8.00 Uhr. Deutschland: Erzeugerpreise Juni. Umfragen zufolge wird mehrheitlich ein Plus von 0,2 Prozent gegenüber dem Vormonat erwartet.
14.30 Uhr. USA: Wohnbaubeginne/-genehmigungen Juni. Nach deutlichen Rückgängen im Mai ist im Juni mit einer Stagnation auf relativ niedrigem Niveau zu rechnen, meint die DekaBank. Bereits vorliegende Daten wie die Beschäftigungsentwicklung im Baugewerbe oder die Einzelhandelsumsätze der Baumärkte ließen auf eine nachlassende Abwärtsdynamik schließen. Konkret werden annualisiert sowohl bei den Baubeginnen (Vormonat 593.000) als auch bei den Baugenehmigungen (Vormonat 574.000) 590.000 prognostiziert.
Mittwoch, 21. Juli
Quartalszahlen Coca-Cola, Ebay, Fiat
Donnerstag, 22. Juli
Quartalszahlen ABB, American Express, AT&T, Microsoft, Nokia, Roche, CS Group
9.30 Uhr. Deutschland: Einkaufsmanagerindex Industrie/Dienstleister Juli. Die Helaba prognostiziert 58 Punkte (Vormonat 58,4) für den Einkaufsmanagerindex Industrie und 54,6 (54,8) für die Dienstleistungen.
10.00 Uhr. EU: Einkaufsmanagerindex Gesamt/Industrie/Dienstleister Juli. Die Einkaufsmanagerindizes in der Eurozone dürften laut Helaba auf eine schwächere Konjunktur hinweisen. Beim Einkaufsmanagerindex für die Industrie rechnen die Analysten mit 55,1 Punkten nach 56,6 im Vormonat, für die Dienstleistungen mit 54,9 nach 55,5.
11.00 Uhr. EU: Auftragseingänge Industrie Mai. Umfragen zufolge erwarten die meisten Marktteilnehmer ein Minus von 0,2 Prozent im Monatsvergleich.
16.00 Uhr. USA: Verkäufe bestehender Häuser Juni.
Freitag, 23. Juli
Quartalszahlen McDonald's, Ericsson, Vodafone
Ergebnisse Stresstest europäische Banken
10.00 Uhr. Deutschland: ifo-Geschäftsklimaindex Juli. Die Stimmung der deutschen Unternehmen hat sich laut DekaBank auch im Juli wahrscheinlich gut entwickelt. Dabei dürfe aber nicht übersehen werden, dass der Umkehrpunkt des Indikators schon in Reichweite sei. Der Produktionsmotor laufe auf Hochtouren, die Auftragseingänge wiesen hingegen schon erste Verlangsamungstendenzen auf. Die Analysten prognostizieren für den Geschäftsklimaindex 102,1 Punkte (Vormonat 101,8), für die Geschäftslage ebenfalls 102,1 (101,1) und für die Geschäftserwartungen 102 (102,4).
10.30 Uhr. Großbritannien: BIP 2. Quartal, erste Schätzung. Die Konsensschätzungen liegen bei einem Plus von 0,6 Prozent im Quartalsvergleich. Großbritannien ist das erste Industrieland, das seine vorläufigen Zahlen für das 2. Quartal veröffentlicht.
Weitere Termine sowie die aktuellen Daten kurz nach ihrer Veröffentlichung finden Sie auf www.boerse-frankfurt.de/termine.
Möchten Sie den Wochenausblick kostenlos per E-Mail erhalten, dann melden Sie sich einfach für unseren Newsletter an unter www.boerse-frankfurt.de/newsletter.
© 19. Juli 2010/Anna-Maria Borse
(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)
AXC0045 2010-07-19/10:01
