(Neu: Analysteneinschätzungen von Cheuvreux und Barclays)
FRANKFURT (dpa-AFX) - Infineon
Händler hatten bereits zum Ende der Vorwoche auf die Meldung gewartet, nachdem die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Verhandlungskreise über einen unmittelbar bevorstehenden Verkauf berichtet hatte. Demnach habe der deutsche Chiphersteller aber 1,5 Milliarden Euro für seine Sparte Wireless Solutions verlangt. Ein Börsianer sagte: "Somit ist der Preis enttäuschend und Anleger nehmen Gewinne mit. Andererseits fließt dem Konzern Geld zu und vermutlich wird hiervon auch ein Teil ausgeschüttet, was das Risiko wieder begrenzt." Am Freitag waren Infineon-Aktien nicht nur von der Erwartung des Teilsverkaufs stark bewegt worden, sondern auch von einer Umsatzwarnung von Intel. Da die Intel-Aktie aber bis zum Handelsschluss trotz der Prognosesenkung 1,05 Prozent zugelegt hatte, habe Infineon auch etwas Nachholpotenzial.
Cheuvreux ließ Infineon auf "Underperform" mit dem Kursziel 5,00 Euro. Der Verkaufspreis von 1,4 Milliarden US-Dollar sei fair und liege im Rahmen seiner Erwartung, schrieb Analyst Bernd Laux. Zudem komme der Verkauf aus strategischer Sicht zum richtigen Zeitpunkt. Investoren dürften sich allerdings wieder Sorgen machen über den weiteren Verlauf des Chipmarktes, sowie der Frage, wie der Konzern seinen Cashbestand von dann mehr als zwei Milliarden Euro reinvestieren werde. Die Analysten von Barclays sehen die restlichen Sparten von Infineon nach dem Verkauf der Handysparte als "günstig bewertet" an. Die Automobil- und Industriebereiche lieferten eine operative Marge von 20 Prozent und der Verkauf dürfte den Blick hierauf lenken.
Der Verkaufspreis liege im Rahmen seiner Erwartungen, schrieb Analyst Thomas Becker von der Commerzbank. Allerdings komme dieser an die zum Teil sehr ehrgeizigen Markterwartungen nicht heran. Infineon dürfte aber nun für 2010 eine Dividende. Die Commerzbank ließ Infineon auf "Buy" mit dem Kursziel 6,60 Euro. Analyst Harald Schnitzer von der DZ Bank hatte den Wert der Sparte bereits in einem Kommentar am Freitag auf 1,3 bis 1,5 Milliarden Euro taxiert und seine positive Haltung bezüglich der Aktie und der Industrie bekräftigt. Er hatte angesichts der jüngsten Erholung der Sparte von einem perfekten Verkaufszeitpunkt gesprochen, sagte aber bereits, dass der angestrebte Preis möglicherweise nicht erzielt werden könne. Ein Verkauf ebnet auch laut Schnitzer den Weg für eine substanzielle Ausschüttung an die Aktionäre oder für eine Stärkung des Kerngeschäfts durch Zukäufe./fat/ck
ISIN DE0006231004
AXC0055 2010-08-30/10:29
