Von Manuel Priego-Thimmel DOW JONES NEWSWIRES
FRANKFURT (Dow Jones)--Die guten Zeiten für den Euro könnten schon bald wieder vorbei sein. Die Einheitswährung hat in den vergangenen Wochen davon profitiert, dass sich die Lage in der Eurozone stabilisiert hat. In einem politischen Willensakt haben die Verantwortlichen in Brüssel und Athen eine Insolvenz Griechenlands zunächst abgewendet. Die EZB ihrerseits hat mittels einer Liquiditätswelle zur Beruhigung der Anleihenmärkte in der Peripherie beigetragen. Beides hat dem Euro geholfen. Nun könnten aber wieder die fundamentalen Daten stärker ins Gewicht fallen - und die sprechen gegen den Euro.
Insgesamt hat die EZB über die beiden Dreijahrestender mehr als eine Billion an frischen Euro gedruckt. Das hat entscheidend dazu beigetragen, dass die Zinsen für Staatsanleihen in der Peripherie gefallen sind. Italienische Benchmarktitel sind in der Zwischenzeit unter fünf Prozent gefallen, nachdem sie noch vor einigen Wochen bei über sieben Prozent notierten. Die Entspannung in der Eurozone hat natürlich den Euro gestützt und diesen bis in den Bereich von etwa 1,35 Dollar geführt. Nachdem zahlreiche Shortpositionen eingedeckt worden sind, könnte die Einheitswährung nun wieder ihre übergeordnete Abwärtsbewegung aufnehmen.
Denn das Anschmeißen der Notenpresse durch die EZB beinhaltet natürlich Risiken für die langfristige Preisstabilität und damit den Wert des Euro. Immerhin entsprechen eine Billion Euro knapp 10 Prozent des BIP der Eurozone. Und, während die EZB munter Geld druckt, gehen derweil entsprechende Erwartungen an die Federal Reserve zurück. Chairman Ben Bernanke erwischte die Märkte auf dem falschen Fuß, als er vor dem Finanzdienstleistungsausschuss des Repräsentantenhauses keine neuen Andeutungen Richtung Notenpresse machte.
Der Markt reagierte sofort und schickte den Euro mehr als ein Cent in die Tiefe. Es ist nicht mehr auszuschließen, dass die von vielen Anlegern erwartete neue Runde quantitativer Lockerung (QE3) ausfallen könnte oder erst später anlaufen wird. Bislang hatten viele Beobachter Mitte des Jahres als möglichen Starttermin im Auge. Denn dann läuft "Operation Twist" aus, bei der die Fed die Mittel aus fälligen Wertpapieren am Anleihemarkt reinvestiert, um eine Schrumpfung der Bilanz zu vermeiden. Die zuletzt verbesserten Konjunkturdaten in den USA lassen die US-Notenbanker aber jetzt etwas gelassener auftreten.
Den wichtigsten Impuls stellt in der kommenden Woche die Bekanntgabe der US-Arbeitsmarktdaten dar. Die Commerzbank rechnet damit, dass sich die freundliche Tendenz der vergangenen Wochen fortsetzen wird. Die Analysten erwarten, dass im Februar 250.000 neue Stellen geschaffen wurden nach zuvor 243.000. Auch der ISM-Index für das nicht-verarbeitende Gewerbe wird mit 57 deutlich im expansiven Bereich erwartet und würde das Bild einer sich langsam erholenden Wirtschaft unterstreichen. Damit dürften die wirtschaftlichen Fundamentaldaten aus den USA bis auf weiteres deutlich freundlicher bleiben als in Europa - und das sollte den Dollar gegen den Euro stützen.
Beobachter gehen davon aus, dass Mario Draghi anlässlich der EZB-Sitzung in der kommenden Woche die Wachstumsprognosen für die Eurozone im laufenden Jahr nach unten korrigieren wird. Die Commerzbank erwartet eine Absenkung auf minus 0,2 Prozent. Im Dezember hatte Draghi noch ein Wachstum von plus 0,3 Prozent erwartet. An den Leitzinsen wird Draghi vermutlich nicht drehen - eine Bestätigung bei ein Prozent gilt als sehr wahrscheinlich. Gefahr für den Euro droht aber nicht nur durch die vergleichsweise besseren Konjunkturdaten aus den USA und sinkende Erwartungen an eine neue Runde geldpolitischer Lockerung durch die Fed.
Denn mit einem immer weiter steigenden Ölpreis schwebt ein Damoklesschwert über den Finanzmärkten. Der Preis für Brent notiert nun seit geraumer Zeit auf einem Neunmonatshoch bei rund 125 Dollar und bedroht zunehmend die Weltkonjunktur. Die Spannungen zwischen dem Iran und der westlichen Welt dürften eine Korrektur verhindern. Damit nimmt das Risiko zu, dass sich die Konjunkturdaten in den kommenden Wochen deutlicher eintrüben werden. Das gleiche Bild war auch im vergangenen Jahr zu beobachten. Das wäre nicht nur schlecht für die Aktienmärkte, sondern auch für den Euro. Denn in Krisenzeiten ziehen Anleger die "sicheren Häfen" vor - und im Euro/Dollar-Paar ist das immer noch der Dollar.
-Von Manuel Priego Thimmel, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 - 29 725 219, manuel.priego-thimmel@dowjones.com DJG/mpt/raz
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March 02, 2012 07:19 ET (12:19 GMT)
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