Die Mitarbeiter der Deutschen Bahn schieben nach Gewerkschaftsangaben 6,4 Millionen Überstunden vor sich her. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) warf dem bundeseigenen Konzern und anderen Verkehrsunternehmen am Mittwoch in Berlin eine fehlerhafte Personalpolitik vor. "Mittlerweile müssen viele Mitarbeiter Millionen von Überstunden leisten, um den Betrieb der Eisenbahnen überhaupt noch aufrecht halten zu können", teilte der stellvertretende EVG-Vorsitzende Klaus-Dieter Hommel mit.
Die Deutsche Bahn hat nach eigenen Angaben weltweit rund 300.000 Mitarbeiter. Rein rechnerisch hätte jeder von ihnen somit gut 21 Überstunden auf dem Konto. Diese Mehrarbeit entspricht laut EVG 4.000 zusätzlichen Stellen. Hommel kritisierte, in den vergangenen Jahren habe sich niemand um den Nachwuchs gekümmert - das Durchschnittsalter der Bahnmitarbeiter liege bei 45,9 Jahren.
"Die EVG weiß genau, dass sich in den letzten zwei Jahren bei der Deutschen Bahn eine Menge getan hat", entgegnete eine Bahnsprecherin. "Wir stellen soviel neue Mitarbeiter ein wie Jahre nicht mehr; wir bilden deutlich mehr aus." Nach früheren Aussagen von Personalvorstand Ulrich Weber plant die Bahn, pro Jahr 5.000 bis 7.000 neue Mitarbeiter einzustellen oder auszubilden.
Die Bahn habe zudem einen "Kulturwandel hin zu mehr Mitarbeiterdialog angestoßen", sagte die Sprecherin. Bahnchef Rüdiger Grube strebt als Teil seiner kürzlich vorgestellten Konzernstrategie an, bis 2020 unter die zehn beliebtesten Arbeitgeber in Deutschland vorzustoßen. Bahn und EVG verhandeln zurzeit einen sogenannten Zukunft-Tarifvertrag, in dem es unter anderem um Gesundheitsschutz und die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf geht./sku/DP/edh
AXC0246 2012-05-02/16:15
