München (ots) - Menschenrechte sind nicht verhandelbar. Und trotzdem beweist die internationale Politik derzeit, dass sie unterschiedlichem Maß unterliegen. Mit pompösen Boykottankündigungen für die Fußball-EM hat sich nun die EU-Kommission hervorgetan, um die Würde einer misshandelten Julia Timoschenko zu retten. So viel europäische Aufmerksamkeit der blonden Ukrainerin widerfährt, wird es verhältnismäßig still beim blinden Menschenrechtler Chen Guangcheng im mächtigen China. Gleichwohl sind die Boykottdrohungen Merkels und Barrosos nur eine billige und zu einfache Effekthascherei. Für ihre Bestleistungen brauchen die Fußballer die Politiker auf der Tribüne nicht wirklich. Aber die ukrainische Opposition braucht ausländische Politiker im Land, die dem Regime von Viktor Janukowitsch vor dem Anpfiff im Stadion einen Anpfiff unter vier Augen erteilen sowie die Unbequemen in dem Land mit Treffen aufwerten. Politik bewegt mehr mit kritischem Dialog und Diplomatie, als mit lautem Schweigen oder Fernbleiben. Das gilt für die Ukraine wie für China, Aserbaidschan, Bahrain, Weißrussland ... es gibt noch in einigen Ländern enorm viel zu besprechen.
Walther Schneeweiß
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