BERLIN (Dow Jones)--Die nachlassende Dynamik auf dem deutschen Arbeitsmarkt ist für die Bundesregierung Folge der Entwicklungen im Euroraum und kein Anzeichen einer grundsätzlich instabileren Lage. "Der Arbeitsmarkt bleibt in Fahrt, aber er beschleunigt nicht mehr wie zuvor", erklärte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen in Berlin nach Veröffentlichung der aktuellen Daten zum Arbeitsmarkt. "Grund sind die konjunkturellen Risiken im Euro-Raum und die abwartende Haltung vieler Unternehmen", führte von der Leyen aus.
Die Nachfrage nach Arbeitskräften sei ungebrochen, nur schlage sie sich nicht mehr mit so direkter und starker Wirkung in der Arbeitslosenstatistik nieder. Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum seien 570.000 Menschen mehr erwerbstätig. Die statistisch gemessen Arbeitslosigkeit sei jedoch zeitgleich nur um rund 100.000 zurückgegangen.
"Das heißt, Menschen kommen zunehmend auch aus anderen Bereichen neu in Arbeit", sagte die Arbeitsministerin. Neue Erwerbstätige kämen etwa aus Programmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik, aber auch aus der "Stillen Reserve". Gerade darunter seien viele Frauen, die nicht arbeitslos gemeldet waren, sich aber durch gute Angeboten wieder dazu entschlossen hätten, eine Arbeit aufzunehmen. Zudem hätten Zuwanderer vornehmlich aus der Europäischen Union Arbeit gefunden. "Der Arbeitsmarkt entwickelt sich weiter insgesamt positiv, aber die gute Tendenz schwächt sich ab", zog von der Leyen als Fazit.
Auch für Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) überwiegen am Arbeitsmarkt weiter die guten Nachrichten. "Die positiven Grundtendenzen insbesondere bei der Beschäftigung setzen sich fort", erklärte Rösler. Das bestätige auch die jüngste Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), wonach die Unternehmen ihr Personal aufstocken wollten. Die Konjunktur habe in Deutschland im ersten Quartal nach einer kurzen Schwächephase überraschend schnell wieder Tritt gefasst. "Die bereits überwundene Wachstumsdelle wirkt sich etwas verzögert aber noch auf den Arbeitsmarkt aus", sagte der Wirtschaftsminister.
Der deutsche Arbeitsmarkt hat sich im Mai etwas schwächer gezeigt als erwartet. Zwar sank die saisonbereinigte Arbeitslosenquote auf ein neues Rekordtief von 6,7 Prozent, doch ging die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl entgegen den Erwartungen nicht zurück. Der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, sprach von einer "Abschwächung der positiven Grundtendenz".
Nach Angaben der BA stagnierte die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl auf dem Vormonatsniveau, nachdem sie im April um 18.000 zugenommen hatte. Die Quote ging auf 6,7 von 6,8 Prozent zurück, was der niedrigste Stand seit Beginn der gesamtdeutschen Datenreihen 1991 war. BA-Chef Weise sagte: "Der deutsche Arbeitsmarkt hat sich im Mai insgesamt weiter positiv entwickelt. Insbesondere die Erwerbstätigkeit und die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung liegen weiter deutlich im Plus. Allerdings schwächt sich die gute Grundtendenz etwas ab."
Insgesamt waren in Deutschland - auf Basis nicht-saisonbereinigter Zahlen - im Mai 2,855 Millionen Menschen ohne Arbeit. Im Vormonat waren es 2,963 Millionen gewesen. Im Vergleich zum Vormonat ergab sich damit ein Rückgang um 108.000 Personen.
-Von Beate Preuschoff, Dow Jones Newswires, +49 (0)30 - 2888 4122
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(Hans Bentzien hat zu diesem Bericht beigetragen)
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May 31, 2012 07:19 ET (11:19 GMT)
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