Die Ölpreise haben am Mittwoch kräftige Gewinne verbucht. Der Markt hoffe auf Maßnahmen der Notenbanker, um der Konjunktur Anschub zu geben, sagten Händler. Außerdem stiegen die Hoffnungen auf Hilfsgelder für die angeschlagenen spanischen Banken. Am frühen Abend kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Juli-Lieferung 101,02 US-Dollar. Das waren 2,17 Dollar mehr als zum Handelsschluss am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI stieg um 1,38 Dollar auf 85,67 Dollar.
Spekulationen, die führenden Notenbanken könnten der lahmenden Weltwirtschaft mit geldpolitischer Lockerung auf die Sprünge helfen, sorgten für gestiegene Risikofreude an den Finanzmärkten, hieß es aus dem Handel. Der US-Top-Notenbanker Dennis Lockhart sagte, die wacklige wirtschaftliche Erholung könne weitere Maßnahmen erfordern. Am Abend wird die Fed ihren vielbeachteten Konjunkturbericht, das "Beige Book", veröffentlichen und möglicherweise weitere Signale für ein neues Anleihekaufprogramm (QE3) geben.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte ihren Leitzins am Nachmittag zwar wie erwartet unverändert belassen, aber konsequentes Handeln bei einer Verschärfung der Schuldenkrise in Aussicht gestellt. Viele Experten rechnen mit einem Zinsschritt um mindestens 25 Basispunkte im Juli. In Sachen Schuldenkrise sahen Anleger zur Wochenmitte noch einen weiteren kleinen Lichtblick, der die Risikofreude erhöhte: Nach diversen Medienberichten über Rettungspläne stieg die Zuversicht, dass die Euro-Partner Maßnahmen zur Unterstützung Madrids bei den Problemen im Bankensektor ergreifen.
In den USA wurden unterdessen die Lagerbestände an Rohöl veröffentlicht. In der vergangenen Woche sind sie erstmals seit elf Wochen wieder gefallen. Die Vorräte an Ölprodukten (Benzin und Destillate) legten hingegen zu. Die Rohölreserven fielen um 0,1 Millionen Barrel (je 159 Liter) auf 384,6 Millionen Barrel. Die Benzinbestände stiegen jedoch um 3,3 Millionen auf 203,5 Millionen Barrel. Die Destillate-Vorräte (Heizöl, Diesel) kletterten um 2,3 Millionen auf 120,0 Millionen Barrel. An den Ölmärkten fielen die Reaktionen auf die Zahlen jedoch verhalten aus.
Der Preis für Rohöl der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) ist zuletzt leicht gestiegen. Nach Berechnungen des Opec-Sekretariats vom Mittwoch kostete ein Barrel am Dienstag im Durchschnitt 96,19 Dollar. Das waren 71 Cent mehr als am Montag. Die Opec berechnet ihren durchschnittlichen Ölpreis täglich auf Basis von zwölf wichtigen Sorten des Kartells./hbr/she
AXC0265 2012-06-06/18:52
