Von Emese Bartha und Florian Faust
Am europäischen Anleihemarkt stehen die Zeichen auf Entspannung - den jüngsten Verlautbarungen aus Spanien und den Aussagen von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sei Dank. Anleger vertrauen ihr Geld wieder verstärkt den Krisenstaaten der Eurozone an. Mit Spanien und Griechenland haben am Dienstag gleich zwei schuldengeplagte Länder aus der Eurozone den Finanzmarkt relativ problemlos angezapft. Auch der vorläufige EU-Rettungsschirm EFSF emittierte Kurzläufer. Das Hauptaugenmerk galt aber ganz klar Spanien.
Die kurzfristigen Refinanzierungskosten Spaniens sind unter das Niveau vor Monatsfrist gefallen. Es mehren sich die Anzeichen, dass der Krisenstaat nun doch in Bälde unter den Rettungsschirm der EU schlüpft und die Europäische Zentralbank damit in die Lage versetzt, spanische Staatsanleihen am Sekundärmarkt zu kaufen. Doch bis auf Weiteres kann sich das Land noch ohne direkte Hilfe refinanzieren. Denn mit einem Gesamtplatzierungsvolumen von 4,863 Milliarden Euro übertraf das spanische Schatzamt bei der Ausgabe von 12- bzw 18-monatigen Schatzwechseln die eigene Zielsetzung von 3,5 bis 4,5 Milliarden Euro.
Die Renditen für beide Papiere sanken leicht im Vergleich zur vorangegangenen Versteigerung am 18. September. Vor der Emission rentierten zehnjährige Benchmarkanleihen aus Spanien am Sekundärmarkt mit 5,796 Prozent. Nach Veröffentlichung der Auktionsergebnisse bewegte sich die Rendite kaum.
Die Auktion gilt aber allenfalls als Ouvertüre für die Versteigerung am Donnerstag, wenn Spanien mit Staatsanleihen mittlerer und längerer Laufzeiten im Gesamtvolumen von 3,5 bis 4,5 Mrd EUR Ernst macht. Deren Ergebnisse gelten als deutlich aussagekräftiger, was das Vertrauen der Marktteilnehmer betrifft.
"Ein positives Auktionsergebnis, aber für die am Donnerstag anstehende Versteigerung liefern die Ergebnisse kaum relevante Informationen. Die Platzierung am Donnerstag dürfte der eigentliche Lackmustest für die Stimmung am Markt werden - gerade im Hinblick auf ein mögliches Hilfsersuchen Spaniens", sagt der leitende Rentenstratege Richard McGuire von der Rabobank.
Die Versteigerung war für Spanien die erste, nachdem die Rattingagentur Standard & Poor's (S&P) die Bonität des Landes um zwei Stufen gesenkt hatte. Das Land wird nun nur noch knapp über Ramschniveau eingestuft. Darüber hinaus droht noch eine Abstufung auf Ramschstatus durch Moody's - ein Schritt, der am Markt schon länger erwartet wird. Auch deshalb begrüßen Analysten die jüngste Äußerungen aus Spanien, die einen baldigen Gang unter den Rettungsschirm vermuten lassen. "Die Kommentare sind positiv und zeigen, dass sich Spanien in Richtung einer Rettung bewegt", urteilt die KBC Bank.
Cyril Regnat, Marktstratege bei Natixis, sieht in einem Gang unter den Rettungsschirm den wichtigsten Katalysator für den Markt europäischer Staatsanleihen. Es dürfte aber noch eine Weile dauern, ehe Spanien den Schritt wage. Da die Südeuropäer aktuell bei ihrer Refinanzierung ein tragfähiges Niveau erreicht und rund 90 Prozent ihres Fremdmittelbedarfs für 2012 gedeckt haben, besteht auch kein unmittelbarer Handlungsbedarf.
Griechenland hat bei der Auktion kurz laufender Schuldtitel unterdessen ebenfalls von der zuletzt etwas aufgehellten Stimmung in der Schuldenkrise profitiert. Die Finanzagentur des Landes brachte 13-wöchige Schatzwechsel im Volumen von 1,625 Milliarden Euro zu etwas niedrigeren Zinsen am Markt unter als zuletzt. Mit 4,24 nach 4,31 Prozent liegen sie freilich mit weitem Abstand immer noch an der Spitze innerhalb der Eurozone.
Bereits am Montag hatten sich die Renditen länger laufender griechischer Schuldtitel am Sekundärmarkt deutlich zurückgebildet. Hintergrund waren unter anderem Aussagen von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, der eine Staatspleite Griechenlands kategorisch ausgeschlossen hatte. Die Einschätzung ausgerechnet aus dem Munde des deutschen Finanzministers schürte die Hoffnung, dass Griechenland mehr Luft zum Atmen bei der Bewältigung seiner Schuldenprobleme eingeräumt wird.
Dazu passte eine Meldung, wonach die Troika aus EU, EZB und IWF Griechenland beim Sparen zwei Jahre mehr Zeit einräumen will. Experten der Troika sollen demnach in der vergangenen Woche die Euro-Finanzminister um einen derartigen Aufschub gebeten haben. Die Versuche, eine Einigung zwischen der Troika und Griechenland über den Fortgang der Sparbemühungen noch vor dem EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag zu erzielen, sehen Marktbeobachter aber äußerst skeptisch. Beide Seiten trennten doch noch einiges, heißt es im Handel.
Allerdings gibt es auch Hoffnungsschimmer: Die Rezession in Griechenland könnte im laufenden Jahr nicht ganz so dramatisch wie zuletzt befürchtet ausfallen. Gleichwohl deuten jüngste Analysen auf eine weitere Eintrübung des Arbeitsmarktes hin. Analysten unterstreichen, dass Griechenland ohne Wachstum seine Schuldenprobleme nicht in den Griff bekommen wird.
Ganz anders die Situation bei einer der Institution, die maßgeblich an der Griechenlandrettung und möglicherweise auch demnächst an der Hilfe für Spanien beteiligt ist. Anleger nehmen immer noch gerne kleine Verluste in Kauf, um ihr Geld beim europäischen Rettungsschirm EFSF parken zu dürfen. Der EFSF wird langfristig durch den ESM ersetzt werden. Bei der Auktion sechsmonatiger EFSF-Schatzwechsel lag die Rendite sogar noch etwas tiefer in negativem Terrain als bei der Versteigerung gleichlaufender Titel vor einem Monat. Die Nachfrage war indessen nicht ganz so lebhaft. Die Zeichnungsquote betrug 2,4. Bei der vorigen Auktion wurde ein Bid-to-Cover von 2,8 verzeichnet.
So aufgehellt sich die Lage vor dem EU-Gipfel derzeit auch darstellt, es gibt auch skeptische Stimmen. Die Analysten der Royal Bank of Scotland (RBS) rechnen ungeachtet der jüngsten Entspannung kurzfristig mit deutlich steigenden Renditen für Spanien. Zehnjährige Staatsanleihen aus Spanien dürften ihrer Meinung nach in den kommenden zwei bis vier Wochen auf rund 7 bis 7,5 Prozent steigen - das wäre im Bereich der diesjährigen Höchststände aus dem Sommer. Der anstehende EU-Gipfel werde im Hinblick auf ein spanisches Hilfsersuchen eher enttäuschen, sind sich die Experten der RBS sicher.
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October 16, 2012 07:58 ET (11:58 GMT)
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