Die angeschlagene Fluggesellschaft Air Berlin
Die Air-Berlin-Aktie reagierte unentschlossen auf die Nachrichten. Nach anfänglichen Gewinnen drehte das Papier ins Minus und verlor zuletzt gut ein halbes Prozent. Die Fluglinie hatte im dritten Quartal zwar mehr verdient, blieb jedoch hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Commerzbank-Analyst Johannes Braun nannte die zusätzlichen Umstrukturierungspläne des Unternehmens zwar positiv, hält sie aber auch für absolut notwendig. Für das Gesamtjahr erwarten Experten erneut einen dreistelligen Millionenverlust.
EINSCHNITTE OFFEN
Wie die künftigen Einschnitte aussehen, steht Air Berlin zufolge noch nicht fest. Auch zu einem möglichen Stellenabbau machte das Unternehmen keine Angaben. Mehdorn hatte bereits am Montag angedeutet, dass die Gesellschaft Personal abbauen müsse. Einen Medienbericht, demzufolge 900 Arbeitsplätze oder jede zehnte Stelle wegfallen solle, hatte das Unternehmen weder bestätigt noch dementiert.
Das Sparprogramm mit dem Namen "Turbine 2013" ergänzt das bereits laufende Programm "Shape & Size", in dessen Zuge Air Berlin die Flotte verkleinert und unrentable Verbindungen gestrichen hat. Weil dies für einen Gewinn nicht ausreicht, will der Vorstand nun die Flugziele, die Flotte, den Bodenservice, die Netzwerkplanung und den IT-Bereich genauer unter die Lupe nehmen. Ziel sei, dass sich die Fluggesellschaft auf ihre Kernkompetenzen konzentriere, hieß es.
GEWINN 2013 BLEIBT ZIEL
Vorstandschef Mehdorn sieht Air Berlin nach jahrelangen Verlusten damit auf dem richtigen Weg. Die Reise sei allerdings noch nicht beendet. "Unser Ziel bleibt die Rückkehr in die Gewinnzone im kommenden Jahr", sagte er. Dann soll die Gesellschaft auch unter dem Strich schwarze Zahlen schreiben.
Im wichtigen Sommerquartal legte Air Berlin dank eines
verbesserten Finanzergebnisses einen deutlichen Gewinnsprung hin.
Unter dem Strich verdiente der Lufthansa-Konkurrent
Den Konzernumsatz hielt Air Berlin trotz eines gekürzten Flugangebots bei knapp 1,4 Milliarden Euro stabil. Gestiegene Treibstoffkosten zehrten die an anderer Stelle erzielten Einsparungen allerdings teilweise auf. Auch die auf 2013 verschobene Eröffnung des Berliner Hauptstadtflughafens kostete Air Berlin Geld. Das Unternehmen hat deshalb Schadenersatzklage gegen die Flughafengesellschaft eingereicht.
VERLUSTE NICHT AUSGEGLICHEN
Der Sommer ist für Fluggesellschaften die wichtigste Zeit im Jahr. In den Monaten Juli bis September fliegen sie üblicherweise den Großteil ihrer Gewinne ein. Bei Air Berlin reichten die schwarzen Zahlen jedoch nicht aus, um den Verlust aus der ersten Jahreshälfte auszugleichen. Nach den ersten neun Monaten steckt das Unternehmen unter dem Strich noch mit rund 103 Millionen Euro in den roten Zahlen. Der operative Verlust (EBIT) liegt bei rund 78 Millionen Euro.
Nun will sich das Unternehmen von der Mehrheit an seinem Vielfliegerprogramm trennen und so sein Jahresergebnis aufbessern. "Die Transaktion wird im vierten Quartal abgeschlossen", sagte Finanzvorstand Ulf Hüttmeyer. Die Gespräche mit einem Investor seien bereits weit gediehen. Dieser solle das Programm weiterbetreiben und ausbauen. Von dem Verkauf verspricht sich Air Berlin noch im laufenden Jahr einen "deutlich spürbaren positiven Ergebnisbeitrag". Allerdings müssen die Kartellbehörden dem Vorhaben noch zustimmen./stw/mmb/kja
ISIN GB00B128C026
AXC0082 2012-11-15/09:47
