St.Gallen (BoerseGo.de) - Einer Studie der Forschungsgemeinschaft für Nationalökonomie der Universität St.Gallen zufolge tragen die US-Ratingagenturen eine erhebliche Mitschuld an Europas Schuldenkrise. Die von Manfred Gärtner und Björn Griesbach erstellte Studie hat die Daten für 25 OECD-Länder in den Jahren 2000 bis 2011 ausgewertet und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass nicht nachvollziehbare Herabstufungen einzelner europäischer Länder die Schuldenkrise massiv verstärkt haben.
Die Herabstufungen vieler europäischer Länder im Zeitraum von 2008 bis 2011 sind laut Meinung der Autoren willkürlich erfolgt. So wurden Länder im Jahr 2008 nach anderen Maßstäben beurteilt als in früheren Jahren. Zudem wurden bei europäischen Ländern andere Kriterien angelegt als bei außereuropäischen Ländern.
Die Downgrades seien durch die schlechtere Wirtschaftslage oder die Änderungen bei den Staatsfinanzen nicht erklärbar. So wurde das Rating von Spanien um drei Stufen herabgesetzt. Angemessen wäre eine halbe Stufe gewesen, so die Meinung. Irland wurde um sieben Klassen herabgestuft. Laut den Autoren waren nur eineinhalb Ratingstufen angemessen. Bei Portugal ging es statt einer halben Klasse um acht Klassen abwärts. Auch Griechenlands Rating sei über Gebühr abgewertet worden.
Dadurch wurde das Marktgleichweicht für die Staatsanleihen ausgehebelt und die Zinsen sind stark gestiegen, so dass sich eine Insolvenzdynamik entwickelt hat. Aufgrund des Ausmaßes der willkürlichen Ratingherabstufungen haben die Agenturen eine zentrale Verantwortung für die Schuldenkrise, so das Gesamtfazit. Die Ratingagenturen müsse man mit als zentralen Auslöser und Antreiber der europäischen Schuldenkrise betrachten.
