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Die ausgestorbenen Apple-Bären

Der DAX hat heute mit 7.163 Punkten ein neues Jahreshoch erreicht, anschließend kamen die Kurse jedoch wieder deutlicher zurück. Hintergrund des frühen Anstiegs waren vor allem überzeugende Zahlen von Apple und IBM. Beide Unternehmen haben die Erwartungen übertreffen können.

Apple ohne Steve Jobs

Interessant ist die Entwicklung bei Apple. Kurz vor den Zahlen hatte die Nachricht die Apple-Jünger geschockt, dass Steve Jobs eine krankheitsbedingte Auszeit nehmen werde. Die Aktie brach um über 6 % ein, konnte sich dann aber in Erwartung guter Zahlen wieder erholen. Und Apple lieferte. Das Unternehmen meldete einen Gewinn von sechs Milliarden Dollar. Der Zeitpunkt für diese Krankmeldung kurz vor den Zahlen war also gut gewählt, der Kurs erholte sich wieder - zunächst.

Zweifel können einen Kurs zermürben

So einfach ist es jedoch nicht. Es könnten in den nächsten Wochen / Monaten Zweifel entstehen, dass Steve Jobs wieder zurückkommt. 2009 hatte er sich einer Lebertransplantation unterzogen, und es gibt Gerüchte, dass es zu Problemen an dem transplantierten Organ gekommen sei. Wenn sich diese Gerüchte bestätigen, wird das die Zweifel näheren und das könnte ein Problem für die Apple-Aktie werden

Viele Analysten bringen die Innovationskraft Apples mit Steve Jobs in Verbindung. Gerade institutionelle Investoren könnten, wenn Steve Jobs nicht zurückkommt, verleitet werden, Gewinne zu sichern, um erst einmal abzuwarten, wie es mit Apple unter neuer Führung weitergeht. Schließlich ist diese Aktie schon extrem gut gelaufen und Apple ohne Steve Jobs müsste erst einmal belegen, dass es das Vertrauen der Anleger verdient.

Aber noch ist die Welt, also der Aufwärtstrend der Apple-Aktien, in Ordnung (hier in der log. Darstellung). Dieser Aufwärtstrend ist sicherlich einer der beachtlichsten Trends der letzten 10 Jahre. Immerhin stieg die Aktie von 6,36 Dollar auf 348,48 Dollar, also um 5.380 %. Das sind diese Trends, bei denen das große "Hätte ich doch" in den Köpfen der Menschen entsteht.

Jede Party stirbt in ihrem Hochpunkt

Aber, jede Party hat irgendwann ein Ende. Und natürlich hat Apple viel erreicht. Apple-Produkte erfreuen sich größter Beliebtheit und es gibt eigentlich kein Wölkchen am Apple-Himmel. Die Lobeshymnen auf Apple wollen kein Ende nehmen. Und die Apple-Bären sind nahezu ausgestorben.

Antizyklisch mit Vorsicht

Als alter Antizykliker wird man da natürlich hellhörig. Aber Vorsicht: Euphorie allein ist natürlich kein Grund eine Aktie sofort zu shorten. Unzählige Trader und Analysten haben sich auf der Short-Seite an Apple die Finger verbrannt. Gegen einen solchen Trend tradet man einfach nicht, das Chance / Risiko-Verhältnis ist zu schlecht.

Es sei denn

Es sei denn, es gäbe klare Anzeichen. Wie gesagt, sollte Steve Jobs wirklich nachhaltig aus dem Unternehmen aussteigen, wäre das ein fundamentaler Grund, der die Aktie belasten könnte. Trotzdem müsste sich zusätzlich auch noch im Chart eine Umkehr oder eine klare Schwäche zeigen. Erst dann wäre es gerechtfertigt, die Short-Seite zu spielen.

Die schwachen und die starken Hände

Die Begeisterung für die Apple Aktie hat sicherlich ein Übertreibungsniveau erreicht. Das sieht man zum Beispiel daran, dass sich die Aktie nach der Nachricht über Steve Jobs Krankheit so schnell erholt hat. Heute bereits eröffnete sie wieder nahe der alten Hochs, obwohl sie seitdem wieder zurückkommt. Das was die Aktie nach den Nachrichten und Zahlen treibt sind keine starken (also institutionellen) Hände. Es sind schwache Hände, sprich Kleinaktionäre. Hände, die keine Geduld haben - Hände, die Euphorie kaufen. Sollte sich also in den nächsten Wochen zeigen, dass die starken Hände an die schwachen verkaufen, würde sich mit hoher Wahrscheinlichkeit eine entsprechende Chartformation ausbilden. (Eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation ist zum Beispiel eine solche.) Das wäre dann ein interessanter Hinweis. (Mehr dazu vielleicht dann im Steffens Daily). Und erst dann kann man diese Aktie shorten.

Und damit zum DAX

Um zu verstehen, was im DAX gerade los ist, müssen wir uns den Stundenchart anschauen:

Sie sehen, dass der DAX heute an der oberen Linie eines sich nach rechts erweiternden Dreiecks gescheitert ist. Charttechnisch ist das der Grund für die fallenden Kurse im weiteren Tagesverlauf.

Diese Formation nennt sich Broadening-Formation und sie steht für Unsicherheit. Mehr ist aus dieser Formation allerdings nicht herauszuinterpretieren. Sie hat keine Kursziele und auch keine Richtung. Sie besagt lediglich, dass Unsicherheit im Markt ist. Werden allerdings die Begrenzungen (rote Linien) verlassen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es in diese Richtung weiter geht.

Viele Grüße

Jochen Steffens

© 2011 Börse-Intern
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