Von Robert Wall
PARIS (Dow Jones)--Der europäische Flugzeugbauer Airbus hat im vergangenen Jahr netto Bestellungen für 1.036 Maschinen erhalten und damit deutlich mehr als Wettbewerber Boeing. Nach Listenpreis habe der Auftragseingang einen Wert von 137 Milliarden US-Dollar gehabt, teilte Airbus mit. Üblicherweise werden Käufern allerdings hohe Rabatte eingeräumt. Boeing hatte vergangene Woche über Nettobestellungen von 768 Flugzeugen berichtet. Zu den Erfolgen von Airbus gehörte im Dezember ein Auftrag für drei Superjumbos des Typs A380. Für diese Maschine mit der Kapazität von mehr als 500 Passagieren war schon lange keine Bestellung mehr eingegangen. Nun entschied sich jedoch die japanische All Nippon Airways für drei A380.
Airbus und Boeing erhalten seit Jahren mehr Bestellungen, als Flugzeuge ausgeliefert werden. Airlines ordern die modernisierten Maschinen, um weniger effiziente Flugzeuge auszutauschen oder für die Expansion. Der gefallene Ölpreis bereitet Beobachtern nun aber Bauschmerzen, denn die Notwendigkeit zum Austausch alter Spritfresser ist bei niedrigen Kerosinpreisen nicht mehr so groß. Das vergangene Jahr war das erste seit 2009, in dem die Neubestellungen im Vergleich zum Vorjahr zurückgingen.
Fabrice Brégier, Präsident der Zivilflugzeugsparte bei Airbus, zeigte sich aber zufrieden mit dem Auftragseingang. Dieser zeige, dass die Nachfrage auf hohem Niveau geblieben sei. Beide Flugzeugbauer zusammen sitzen auf einem Auftragsbestand von mehr als 12.000 Maschinen. Für manche Modelle liegen Bestellungen bis ins Jahr 2020 vor. Airbus nannte einen Auftragsbestand von 6.787 Flugzeugen mit einem Listenpreis von insgesamt 996 Milliarden Dollar.
Boeing kann sich jedoch weiterhin größter Flugzeughersteller der Welt nennen, weil die Amerikaner bei den Auslieferungen die Nase vorn haben. Der Konzern aus Chicago übergab 2015 an seine Kunden 762 Maschinen, während Airbus nur auf 635 kam. Für die Europäer ist dies dennoch ein Rekord, sie steigerten ihre Auslieferungen nun das 13. Jahr in Folge. Nach Listenpreis hatten die ausgelieferten Maschinen einen Wert von 91,6 Milliarden Dollar.
Allerdings verfehlte Airbus auch einige der selbst gesetzten Ziele. So gelang es nicht, die überarbeitete Mittelstreckenmaschine A320neo bereits 2015 erstmals an einen Kunden zu übergeben. Das soll nun im Januar 2016 nachgeholt werden. Airbus und der Turbinenhersteller Pratt & Whitney hatten es nicht geschafft, die Dokumentation für das Flugzeug rechtzeitig fertigzustellen, das dann an die Deutsche Lufthansa geht. Airbus gelang es 2015 auch nur, 14 seines neuen Langstreckenfliegers A350 auszuliefern. Geplant waren eigentlich 15 Maschinen. Ein Zulieferer konnte benötigte Teile nicht rechtzeitig liefern.
Die Europäer und Wettbewerber Boeing arbeiten beide daran, die Produktion weiter hochzufahren. Airbus will bis Mitte 2019 die Produktion von Flugzeugen mit einem Mittelgang auf 60 Einheiten von derzeit 42 monatlich erhöhen. Auch die A350 soll mit einer größeren Frequenz aus dem Werk in Toulouse rollen.
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January 12, 2016 04:38 ET (09:38 GMT)
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