EDINBURGH/LONDON (dpa-AFX) - Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon hat angesichts der Klimakrise Premierminister Boris Johnson aufgefordert, Pläne für ein neues Ölfeld zu überdenken. "Ich fordere die britische Regierung auf, bereits ausgestellte Lizenzen im Lichte der Klimakrise, der wir uns gegenüber sehen, neu zu prüfen", schrieb Sturgeon in einem Brief an Johnson, den sie am Donnerstag auf Twitter veröffentlichte. Das betreffe auch das geplante Ölfeld Cambo, das vor der schottischen Küste entstehen könnte und das bereits viel Kritik auf sich gezogen hatte.
Johnson hatte bei einem Besuch auf einer Windfarm in Schottland kürzlich gesagt, man müsse zwar so schnell wie möglich von Öl und Gas loskommen, bestehende Verträge sollten aber nicht "auseinander gerissen" werden. Als Gastgeber der bevorstehenden UN-Weltklimakonferenz COP26 setzt sich der britische Premier immer wieder als Pionier des Klimaschutzes in Szene, der die internationale Gemeinschaft zu mehr Anstrengungen aufruft.
Ein aktueller Bericht der Organisation WWF, über den die BBC am Donnerstag berichtete, stellt Großbritannien hingegen ein mangelhaftes Zeugnis aus: Der aktuelle Haushalt sehe nur 0,01 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Klimaschutzmaßnahmen vor. Laut eigenen Beratern der Regierung sei jedoch mindestens ein Prozent notwendig, um die gesetzten Klimaziele erreichen zu können.
Die schottische Regierungschefin meldete sich der BBC zufolge zum ersten Mal zu dem Ölfeld zu Wort, über das letztlich London das letzte Wort haben wird. Der in dieser Woche veröffentlichte Bericht des Weltklimarats habe die "Alarmstufe Rot"" für den Planeten ausgerufen und stelle eine Verpflichtung dar, notwendige schwierige Entscheidungen zu treffen, erklärte Sturgeon./swe/DP/he
