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VdK wegen unterschiedlicher Belastungen gegen pauschal spätere Rente

DJ VdK wegen unterschiedlicher Belastungen gegen pauschal spätere Rente

BERLIN (Dow Jones)--Der Sozialverband VdK lehnt eine pauschale Erhöhung des Renteneintrittsalters ab. Die gesetzliche Rente benachteilige Arbeiter gegenüber Beamte, da sie körperlich belastende Jobs ausübten und später meist geringere Renten erhielten und früher stürben, erklärte VdK-Präsidentin Verena Bentele mit Verweis auf eine vom VdK in Auftrag gegebenen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Das gesetzliche Rentensystem müsse derart reformiert werden, dass die körperliche und psychischen Belastung des Erwerbslebens berücksichtigt und damit flexible Renteneintrittsalter festgelegt werden können. Auch das DIW forderte, dass eine Rentenreform die unterschiedliche Lebenserwartung der Berufsgruppen berücksichtigen müsse.

"Eine Erhöhung auf 68, 69 oder gar 70 Jahre würde die soziale Spaltung in der älteren Bevölkerung weiter verschärfen und zu noch mehr Altersarmut führen", warnte Bentele bei der gemeinsamen Präsentation der DIW-Studie zur Lebenserwartung verschiedener Berufs- und Einkommensgruppen. "Statt den nächsten Beirat einzusetzen, der vorschlägt, alle pauschal länger arbeiten zu lassen, brauchen wir flexiblere Lösungen: Wer etwa ein Leben lang in körperlich und psychisch anstrengenden Berufen gearbeitet hat, muss früher in Rente gehen können, und zwar ohne Abschläge auch schon mit 63."

Ärmere Rentner leben deutlich kürzer als reiche 

Die Untersuchung des DIW ergab, dass die Lebenserwartung von Arbeitern im Vergleich etwa zu Beamten rund vier Jahre geringer ist. Auch eine hohe berufliche Belastung wirkt sich auf die Lebenserwartung aus: Rentner, die in Berufen mit hoher Belastung gearbeitet haben, leben drei Jahre kürzer im Vergleich zu jenen, bei denen die Belastung geringer war.

Die DIW-Forscher betonten, dass diese Ergebnisse bei den Reformen des Rentensystems berücksichtigt werden müssten, da die Menschen mit unterschiedlicher Lebenserwartung von Reformen unterschiedlich betroffen würden. "Die geschätzte Heterogenität in der Lebenserwartung bedeutet nicht nur, dass Menschen mit höherem Einkommen oder weniger belastenden Berufen ein längeres Leben verbringen dürfen. Die unterschiedliche Lebenserwartung kann auch zu einer Verstärkung der Ungleichheit in den Lebenseinkommen führen", warnte das DIW.

Diese regressiven Verteilungswirkungen entstünden, wenn Menschen mit hohen Arbeitseinkommen systematisch länger lebten als Menschen mit geringen Arbeitseinkommen, da beide Gruppen unterschiedlich lange Rentenzahlungen beziehen.

DIW will Rentenbeginn nach Beruf oder Mindestrente 

Das DIW plädiert daher dafür, dass diese Verteilungswirkungen bei Rentenreformen, zum Beispiel einer Reform des Renteneintrittsalters, berücksichtigt werden sollten. "Eine Möglichkeit wäre es, das Renteneintrittsalter für unterschiedliche Berufe zu definieren", so die DIW-Forscher. "Jedoch wäre dieses System sehr komplex und müsste dynamisch angepasst werden, wenn sich die Anforderungen von Berufen über die Zeit veränderten.

Eine andere Möglichkeit wäre die Einführung einer echten Mindestrente im Rentensystem, ähnlich wie in anderen Ländern (zum Beispiel den Niederlanden oder Österreich). "Menschen mit geringeren Einkommen und Rentenanwartschaften, die, wie gezeigt, eine geringere Lebenserwartung haben, würden auf diese Weise eine finanzielle Absicherung durch das Rentensystem bekommen", so das DIW. So könnte den regressiven Wirkungen des derzeitigen Systems, das sich bei einer weiteren Erhöhung des Renteneintrittsalters verschärfen würde, entgegengewirkt werden.

Kontakt zur Autorin: andrea.thomas@wsj.com

DJG/aat/apo

(END) Dow Jones Newswires

August 16, 2021 07:21 ET (11:21 GMT)

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