
© Foto: KI-generiertes Symbolbild (ChatGPT).
Nach einer steilen Erholungsrallye in den vergangenen Wochen ist die Stimmung gegenüber der VW-Aktie schon wieder gekippt. Viel Nachlässigkeit können sich die Bullen nicht mehr erlauben.
VW-Aktie: Zwischenerholung verpufft, jetzt drohen neue Verluste
Die nach dem von VW angekündigten Konzernumbau aufgekommene Dynamik bei deutschen Automobilwerten ist schon wieder dahin - ebenso wie die zwischenzeitlich gewährten Erholungsgewinne. In der vergangenen Woche jäh abgewürgt wurde die Gegenbewegung bei BMW, Mercedes-Benz, VW und Porsche durch eine weitere Gewinnwarnung der Wolfsburger, die für 2026 nur noch mit einer operativen Marge von einem Prozent rechnen.
Auch zur Wochenmitte sind die Aktien deutscher Fahrzeughersteller in der unteren Hälfte des Leitindex DAX zu finden. Neben der erneut schwachen Stimmung gegenüber der Branche werden die Kurse vor allem durch wieder anziehende Ölpreise belastet, nachdem es am Montag und Dienstag noch zu einer zwischenzeitlichen Entspannung gekommen war. Vor allem für die VW-Aktie wird es charttechnisch schon wieder brenzlig:

Widerstand bestätigt, Kaufsignale zunichte gemacht
Nach frischen Mehrjahrestiefs Ende Juni konnten die VW-Vorzüge ausgehend von überverkauften Zuständen einen flachen Erholungstrend etablieren, der zu verbesserten technischen Indikatoren führte. Diese Ausgangslage wiederum konnte von den Käuferinnen und Käufern noch vor dem Bekanntwerden der weitreichenden Umbaupläne für einen Anstieg über die 50-Tage-Linie genutzt werden, wodurch es zu einem ersten Kaufsignal gekommen ist.
Das wurde im Zusammenhang mit der Erleichterung über eine einstimmige Einigung im VW-Verwaltungsrat für einen Ausbruch aus dem Aufwärtstrendkanal und eine Beschleunigung der Erholungsdynamik genutzt. Diese kam jedoch im Bereich zwischen 83 und 85 Euro zum Erliegen. Wurden Gewinne zunächst in gemächlichem Tempo mitgenommen, führte die neuerliche Gewinnwarnung schließlich zu einer Rückkehr in den Aufwärtstrendkanal, vor allem aber zum Unterschreiten der 50-Tage-Linie, womit sich das Chartbild wieder erheblich eingetrübt hat.
Von neuen Mehrjahrestief ist VW nur noch eine Haaresbreite entfernt
Der Verlust an Aufwärtsdynamik wird auch im Trendstärkeindikator MACD erkennbar. Der zeigt zwar noch knapp oberhalb der Nulllinie liegend einen (kurzfristig) intakten Aufwärtstrend an, doch der Vorzeichenwechsel steht unmittelbar bevor. Das könnte zu einem Anhalten der Verkaufsdynamik führen - und schlechtestenfalls zu einem Ausbruch aus dem Aufwärtstrendkanal nach unten. Neuen Mehrjahrestiefs und damit neuen Verkaufssignals stünde damit fast nichts mehr im Wege. Die Bullen sind also umgehend zu einer Gegenreaktion aufgefordert.
Hält der Bereich zwischen 70 und 72 Euro weiterem Verkaufsdruck stand, könnten antizyklisch agierende Anlegerinnen und Anleger ihr Glück auf der Long-Seite versuchen (mit engen Stopps). Fallen die VW-Vorzüge darunter, könnten sich in Ermangelung weiterer Unterstützungen Kurse um 58 Euro ergeben. Neue prozyklische Kaufsignale lägen hingegen erst oberhalb des jüngsten Aufwärtstrendkanals vor. Aktuell muss dieser allerdings als Teil einer Bärenflagge und damit als Trendfortsetzungssignal zur Unterseite interpretiert werden.
Fazit: Schwacher Chart, Bewertung unter Vorbehalt
Die Käuferinnen und Käufer der VW-Aktie haben ihre Chance, eine nachhaltige Trendwende zunächst vertan. Ob sie überhaupt eine zweite bekommen, muss aktuell bezweifelt werden, nachdem selbst die mühsam zurückeroberte 50-Tage-Linie bereits wieder unterschritten wurde. Von neuen Mehrjahrestiefs trennt die Anteile nur noch wenige Prozent. Wer hier antizyklisch einsteigen will, sollte also unbedingt einen zuvor erfolgreichen Test der bisherigen Tiefs abwarten.
Zur Oberseite sind die Anstiegschancen technisch begrenzt, nachdem die zwischenzeitlich aufgekommene Stärke vollständig abverkauft wurde. Fundamental liegt die Unternehmensbewertung deutlich unter dem Mittel der vergangenen 10 Jahre. Einem KGVe 2026 von 4,6 steht eine historische Norm von 6,7 gegenüber. Allerdings halten die Schätzungen von 2026 und 2027 (3,6) nur Stand, wenn VW rasch zu operativen Verbesserungen gelangen kann. Das steht jedoch angesichts der anhaltend schwachen Automobilnachfrage zu bezweifeln.
Gastautor: Max Gross
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