NEW YORK/LONDON (dpa-AFX) - Die Ölpreise sind am Donnerstag erneut deutlich gestiegen. Nachdem die Notierungen im frühen Handel zunächst gefallen waren, drehten sie im Handelsverlauf in die Gewinnzone und legten im Tagesverlauf kräftig zu. Ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Referenzsorte Brent aus der Nordsee zur Lieferung im November wurde zuletzt bei 107,78 US-Dollar gehandelt und damit viereinhalb Prozent höher als am Mittwoch.
"Die Hoffnungen auf eine Entspannung im Nahen Osten, die den Rückgang des Ölpreises Mitte September getragen hatten, sind vorerst verflogen", heißt es in einer Einschätzung der Dekabank. Vielmehr könnte die geopolitische Lage im Nahen Osten weiter eskalieren und auf andere Regionen übergreifen, wie aus Aussagen der Islamischen Revolutionsgarde hervorgeht, die von der iranischen Nachrichtenagentur Fars verbreitet werden.
Diese Aussage dämpfte am Ölmarkt den Optimismus hinsichtlich der Treffen zwischen iranischen und US-Vertretern am Rande der UN-Generalversammlung in dieser Woche. Der Iran hat wiederholt angekündigt, seine Vergeltungsmaßnahmen gegen die USA zu verschärfen, sollte es zu einem erneuten Angriff kommen.
Der Ölmarkt habe kaum noch Puffer für weitere Schocks, sagte Emily Ashford, Expertin für Energierohstoffe bei der Bank Standard Chartered. Daher habe jede glaubwürdige Meldung über eine mögliche weitere physische Unterbrechung der Öllieferungen oder eine Eskalation der Lage unverhältnismäßig starke Auswirkungen auf die Preise.
Zuletzt wurde deutlich, dass die USA und der Iran in entscheidenden Fragen zur Nutzung der Straße von Hormus nach wie vor weit auseinander liegen. Die Aussicht, dass erhoffte Fortschritte auf dem Weg hin zu einer diplomatischen Lösung auf sich warten lassen, hat die Ölpreise nach oben getrieben.
Seit Beginn des Jahres hat der Iran-Krieg den Rohstoff um etwa 75 Prozent verteuert. Mit der aktuellen Notierung liegt der Brent-Preis allerdings noch deutlich unter dem Jahreshoch von etwas mehr als 126 Dollar./jkr/nas
