
© Foto: Dieses Symbolbild wurde mit einer KI erstellt
Christian Klein wird selten euphorisch, doch gerade jetzt spricht der SAP-Chef von der größten Chance seiner gesamten Firmengeschichte. Der Grund sind KI-Agenten, die tief in die Abläufe der Kunden eingreifen und dort für merkliche Produktivitätssprünge sorgen sollen. Während die Aktie charttechnisch gerade eine deutliche Erholung zeigt, wittern auch die großen Analysehäuser ihre Chance und schrauben ihre Kursziele nach oben. Reicht das, um den Walldorfer Softwareriesen zurück auf die alte Erfolgsspur zu bringen, vielleicht sogar in Richtung 225 Euro? Wir schauen für Sie genauer hin.
SAP setzt alles auf die KI-Karte
Christian Klein meint es ernst. Der SAP-Chef, seit 1999 im Haus und seit 2019 an der Spitze des Konzerns, spricht Klartext: "Für SAP eröffne sich gerade die größte Chance auf einen weiteren echten Wachstumsschub. Der Auslöser sind die neuen KI-Agenten, die SAP tief in die Geschäftsprozesse seiner Kunden einbetten will. Sie sollen Entscheidungen treffen, Kosten senken und handfeste Ergebnisse liefern". Klein nennt es das "autonome Unternehmen" und weiter: "Aber zu 100 Prozent autonom werde ein KI-Agent in kritischen Unternehmensbereichen auch künftig nicht agieren. Die Verantwortung trage am Ende immer ein Mensch." Diese Mischung aus Aufbruchsstimmung und Bodenständigkeit kommt an den Märkten gut an, zumal die Zahlen aus dem vergangenen Jahr Rückenwind liefern. 2025 wuchs der Umsatz um 8 Prozent auf 36,8 Milliarden Euro, unter dem Strich blieb ein Nettogewinn von 7,5 Milliarden Euro übrig. Am 21. Oktober folgt mit den Zahlen zum dritten Quartal der nächste wichtige Prüfstein.

Charttechnik
Auch der Chart erzählt mittlerweile wieder eine positivere Geschichte. Von seinem Tief bei unter 130 Euro hat sich der Titel eindrucksvoll zurückgekämpft und dabei den fallenden Trendkanal klar hinter sich gelassen. Über dem wichtigen 200er SMA und auch dem 50er liegt die Aktie inzwischen recht komfortabel. Was aber beachtenswert ist: Es gab ein echtes Kaufsignal, denn der 50er SMA hat den 200er SMA von unten geschnitten. Das ist ein sogenanntes Goldenes Kreuz. Auf dem Weg nach oben wartet zwischen etwa 200 und 205 Euro allerdings eine wichtige Hürde. Gelingt der Sprung darüber, öffnet sich der Weg in Richtung 220 bis 225 Euro, in einer zweiten Aufwärtswelle wäre sogar ein Anlauf auf 240 Euro und mehr denkbar. Teilweise genau dort, wo auch teilweise Analystenziele liegen. Scheitert der Ausbruch, dürfte die Zone zwischen 170 und 175 Euro als erste Auffanglinie dienen.
Was tun?
Die Situation und Lage spricht aktuell für SAP. Die Zahlen aus 2025 waren solide, das Cloud-Geschäft wächst zuverlässig, und mit Bank of America (226 Euro) sowie Jefferies (220 Euro) haben zuletzt gleich zwei Schwergewichte ihre Kursziele jüngst bestätigt oder angehoben. Dazu kommt das laufende Aktienrückkaufprogramm, das zusätzliches Vertrauen signalisiert. Charttechnisch bleibt der Trend intakt, solange die Marke um 170 bis 175 Euro hält. Wer noch nicht dabei ist, sollte seine Nerven nicht unbedingt überstrapazieren: Ein gestaffelter Einstieg im Bereich unter 180 Euro bietet sich möglicherweise an, falls sich noch einmal eine solche Gelegenheit ergibt. Ein Blick auf die Quartalszahlen am 21. Oktober lohnt sich in jedem Fall. Es dürfte sich dann zeigen, ob aus Kleins großen Worten auch die erwarteten Zahlen werden.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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