Berlin/Kyjiw (ots) -
- Rund 9.000 Angriffe auf zivile Infrastruktur bisher im Jahr 2026
- Luftalarme im dritten Quartal auf höchstem Stand seit Februar 2022
- Besonders viele Kinder unter den Opfern in diesem Sommer
Angriffe und Luftalarme beeinträchtigen Kinder in der Ukraine immer stärker in ihrem Alltag. In diesem Jahr wurden mehr als doppelt so viele Schulen, Krankenhäuser, Wohnhäuser oder andere zivile Infrastruktur angegriffen als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Im Juli und August gab es dabei besonders viele minderjährige Opfer: Nach Angaben des UN-Menschenrechtskommissariats (OHCHR) wurden in den beiden Monaten insgesamt 310 Kinder getötet oder verletzt. Für ständige Angst sorgt auch die wachsende Zahl von Luftalarmen. Noch nie seit Beginn des landesweiten Krieges in der Ukraine gab es so viele Luftalarme wie im dritten Quartal 2026.
"Kinder und ihre Familien in der Ukraine können sich nirgends sicher fühlen oder zur Ruhe kommen. Ständige Angriffe und Sirenenalarm reißen Kinder aus dem Schlaf, unterbrechen den Unterricht oder das Spielen. Dieser Zustand ständiger Todesangst und Unsicherheit kann bleibende seelische Wunden hinterlassen", sagt Florian Westphal, Geschäftsführer von Save the Children Deutschland, der selbst Anfang des Jahres die Ukraine besuchte. "Jedes Kind sollte friedlich schlafen und träumen können, aber für Kinder in der Ukraine können Albträume jede Nacht Realität werden."
Laut einer Analyse von Save the Children auf der Grundlage von Daten des Konfliktbeobachtungsdienstes ACLED wurden im Jahr 2026 bis Ende September fast 9.000 Angriffe auf Schulen, Krankenhäuser, Energieanlagen, Wohnhäuser und andere zivile Infrastruktur gezählt. Im entsprechenden Zeitraum 2025 waren es etwas mehr als 3.900 Angriffe auf zivile Infrastruktur. Das entspricht einem Anstieg von rund 130 Prozent. Der Anteil ziviler Infrastruktur an den insgesamt getroffenen Zielen stieg von elf Prozent im Vorjahreszeitraum auf 19 Prozent in diesem Jahr.
Die Zahl der Luftalarme lag von Juli bis September bei über 7.700, das waren 27 Prozent mehr als in den drei Monaten zuvor. Die Anzahl und die Gesamtdauer der Alarmmeldungen im dritten Quartal dieses Jahres waren höher als in jedem anderen Dreimonatszeitraum seit Beginn des landesweiten Krieges im Februar 2022. Im September war der Anstieg besonders hoch.
Eltern und Mitarbeitende von Save the Children schildern die zunehmende psychische Belastung durch die wiederholten Angriffe. "Wenn man hört, wie eine Drohne irgendwo in der Nähe herabstürzt, verkrampft sich der ganze Körper, und es fühlt sich an, als würde sich das Innere zusammenziehen. Ich kenne dieses Gefühl, wenn ein Angriff ganz in der Nähe stattfindet", sagt Yana, Mutter eines Teenagers aus der in Frontnähe gelegenen Stadt Saporischschja. "Das Beängstigendste ist, die Drohne zu hören, wenn sie herunterkommt - in diesem Moment hat man das Gefühl, sich von seinem Leben zu verabschieden. Mit jedem Tag, der vergeht, wird es immer beängstigender."
Allein in Kyjiw gab es seit Anfang September etwa 190 Alarme (https://air-alarms.in.ua/en), dreimal so viele wie im Juli. Auch die Anzahl der Alarmstunden tagsüber ist in der Stadt stark gestiegen: Über 60 Prozent der Alarme im August und September waren zwischen 7 Uhr morgens und 23 Uhr - im Vergleich zu 38 Prozent im Juli. Das bedeutet, dass Kinder und Familien zu jeder Tageszeit zunehmend in ihrem Alltag beeinträchtigt sind.
Save the Children ist seit 2014 in der Ukraine tätig. Seit Beginn des landesweiten Krieges hat die Kinderrechtsorganisation ihre Unterstützung für Kinder und Familien deutlich ausgeweitet und mehr als fünf Millionen Menschen erreicht, darunter mehr als zwei Millionen Kinder. Dazu gehören die Versorgung mit Lebensmitteln und Trinkwasser, Bargeldhilfen, Wiederaufbaumaßnahmen, Bildungsprogramme, Kinderschutz-Aktivitäten und psychosoziale Unterstützung.
Über Save the Children
Im Nachkriegsjahr 1919 gründete die britische Sozialreformerin und Kinderrechtlerin Eglantyne Jebb Save the Children, um Kinder in Deutschland und Österreich vor dem Hungertod zu retten. Heute ist die inzwischen größte unabhängige Kinderrechtsorganisation der Welt in rund 100 Ländern tätig. Save the Children setzt sich ein für Kinder in Kriegen, Konflikten und Katastrophen. Für eine Welt, die die Rechte der Kinder achtet, in der alle Kinder gesund und sicher leben sowie frei und selbstbestimmt aufwachsen und lernen können - seit über 100 Jahren.
Pressekontakt:
Save the Children Deutschland e.V.
Pressestelle
Tel.: +49 (0)30 - 27 59 59 79 -120
Mail: presse@savethechildren.de
Original-Content von: Save the Children Deutschland e.V., übermittelt durch news aktuell
Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/106106/6365271
- Rund 9.000 Angriffe auf zivile Infrastruktur bisher im Jahr 2026
- Luftalarme im dritten Quartal auf höchstem Stand seit Februar 2022
- Besonders viele Kinder unter den Opfern in diesem Sommer
Angriffe und Luftalarme beeinträchtigen Kinder in der Ukraine immer stärker in ihrem Alltag. In diesem Jahr wurden mehr als doppelt so viele Schulen, Krankenhäuser, Wohnhäuser oder andere zivile Infrastruktur angegriffen als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Im Juli und August gab es dabei besonders viele minderjährige Opfer: Nach Angaben des UN-Menschenrechtskommissariats (OHCHR) wurden in den beiden Monaten insgesamt 310 Kinder getötet oder verletzt. Für ständige Angst sorgt auch die wachsende Zahl von Luftalarmen. Noch nie seit Beginn des landesweiten Krieges in der Ukraine gab es so viele Luftalarme wie im dritten Quartal 2026.
"Kinder und ihre Familien in der Ukraine können sich nirgends sicher fühlen oder zur Ruhe kommen. Ständige Angriffe und Sirenenalarm reißen Kinder aus dem Schlaf, unterbrechen den Unterricht oder das Spielen. Dieser Zustand ständiger Todesangst und Unsicherheit kann bleibende seelische Wunden hinterlassen", sagt Florian Westphal, Geschäftsführer von Save the Children Deutschland, der selbst Anfang des Jahres die Ukraine besuchte. "Jedes Kind sollte friedlich schlafen und träumen können, aber für Kinder in der Ukraine können Albträume jede Nacht Realität werden."
Laut einer Analyse von Save the Children auf der Grundlage von Daten des Konfliktbeobachtungsdienstes ACLED wurden im Jahr 2026 bis Ende September fast 9.000 Angriffe auf Schulen, Krankenhäuser, Energieanlagen, Wohnhäuser und andere zivile Infrastruktur gezählt. Im entsprechenden Zeitraum 2025 waren es etwas mehr als 3.900 Angriffe auf zivile Infrastruktur. Das entspricht einem Anstieg von rund 130 Prozent. Der Anteil ziviler Infrastruktur an den insgesamt getroffenen Zielen stieg von elf Prozent im Vorjahreszeitraum auf 19 Prozent in diesem Jahr.
Die Zahl der Luftalarme lag von Juli bis September bei über 7.700, das waren 27 Prozent mehr als in den drei Monaten zuvor. Die Anzahl und die Gesamtdauer der Alarmmeldungen im dritten Quartal dieses Jahres waren höher als in jedem anderen Dreimonatszeitraum seit Beginn des landesweiten Krieges im Februar 2022. Im September war der Anstieg besonders hoch.
Eltern und Mitarbeitende von Save the Children schildern die zunehmende psychische Belastung durch die wiederholten Angriffe. "Wenn man hört, wie eine Drohne irgendwo in der Nähe herabstürzt, verkrampft sich der ganze Körper, und es fühlt sich an, als würde sich das Innere zusammenziehen. Ich kenne dieses Gefühl, wenn ein Angriff ganz in der Nähe stattfindet", sagt Yana, Mutter eines Teenagers aus der in Frontnähe gelegenen Stadt Saporischschja. "Das Beängstigendste ist, die Drohne zu hören, wenn sie herunterkommt - in diesem Moment hat man das Gefühl, sich von seinem Leben zu verabschieden. Mit jedem Tag, der vergeht, wird es immer beängstigender."
Allein in Kyjiw gab es seit Anfang September etwa 190 Alarme (https://air-alarms.in.ua/en), dreimal so viele wie im Juli. Auch die Anzahl der Alarmstunden tagsüber ist in der Stadt stark gestiegen: Über 60 Prozent der Alarme im August und September waren zwischen 7 Uhr morgens und 23 Uhr - im Vergleich zu 38 Prozent im Juli. Das bedeutet, dass Kinder und Familien zu jeder Tageszeit zunehmend in ihrem Alltag beeinträchtigt sind.
Save the Children ist seit 2014 in der Ukraine tätig. Seit Beginn des landesweiten Krieges hat die Kinderrechtsorganisation ihre Unterstützung für Kinder und Familien deutlich ausgeweitet und mehr als fünf Millionen Menschen erreicht, darunter mehr als zwei Millionen Kinder. Dazu gehören die Versorgung mit Lebensmitteln und Trinkwasser, Bargeldhilfen, Wiederaufbaumaßnahmen, Bildungsprogramme, Kinderschutz-Aktivitäten und psychosoziale Unterstützung.
Über Save the Children
Im Nachkriegsjahr 1919 gründete die britische Sozialreformerin und Kinderrechtlerin Eglantyne Jebb Save the Children, um Kinder in Deutschland und Österreich vor dem Hungertod zu retten. Heute ist die inzwischen größte unabhängige Kinderrechtsorganisation der Welt in rund 100 Ländern tätig. Save the Children setzt sich ein für Kinder in Kriegen, Konflikten und Katastrophen. Für eine Welt, die die Rechte der Kinder achtet, in der alle Kinder gesund und sicher leben sowie frei und selbstbestimmt aufwachsen und lernen können - seit über 100 Jahren.
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