
In manuellen Fachbodenlagern gehört der Weg zum Regal zur Kommissionierung. Wer Laufwege automatisieren will, muss klären, wie die Ware zum Menschen kommt und ob vorhandene Regale weiter nutzbar sind.
Ein Retrofit setzt bei dieser Frage an: Bestehende Lagertechnik wird um Automatisierung ergänzt. Das kann einen schrittweisen Umbau ermöglichen. Welche Verfahren dafür geeignet sind, hängt von der Regalstruktur, dem Sortiment und den Abläufen ab. Dieser Artikel erklärt die Möglichkeiten und zeigt auf, worauf es bei der Einführung im laufenden Betrieb ankommt.
Welches Problem soll die Lagerautomatisierung lösen?
Fehlende Stellplätze, lange Wege und Rückstände bei Auftragsspitzen verlangen unterschiedliche Maßnahmen. Ein schnellerer Transport schafft keinen zusätzlichen Lagerplatz. Eine dichtere Lagerung sorgt umgekehrt nicht automatisch dafür, dass mehr Aufträge bearbeitet werden.
Vor der Auswahl einer Anlage steht deshalb die Untersuchung des bisherigen Ablaufs. Wie viele Artikel werden täglich kommissioniert? Wann entstehen Rückstände? Welche Waren werden häufig angefordert, welche nur selten? Und wie viel Zeit verbringen Beschäftigte mit Wegen, Suchen und der eigentlichen Artikelentnahme?
Auftragsdaten und gemessene Prozesszeiten helfen, diese Fragen zu beantworten. Daraus lässt sich ein konkretes Ziel ableiten: etwa dieselbe Auftragsmenge mit weniger Laufwegen zu bearbeiten oder Auftragsspitzen innerhalb eines festen Zeitfensters abzuwickeln. Mit einer solchen Vorgabe können Betreiber Angebote vergleichen und später prüfen, ob die neue Technik den erwarteten Nutzen bringt.
Welche Möglichkeiten gibt es zur Automatisierung bestehender Lager?
Für Bestandslager stehen unterschiedliche Automatisierungstechnologien zur Verfügung. Ihre Eignung hängt von der vorhandenen Infrastruktur und den Anforderungen ab. Fördertechnik eignet sich beispielsweise für definierte Transportwege. Automatische Kleinteilelager und Shuttle-Systeme ermöglichen eine automatisierte Lagerung und Bereitstellung, setzen dafür jedoch eine entsprechende Lagertechnik voraus. Autonome mobile Roboter (AMR) können dagegen je nach System in vorhandenen Lagerstrukturen eingesetzt werden.
Ware-zur-Person bezeichnet dabei ein Prozessprinzip: Die Ware wird zur Kommissionierstation gebracht. Unterschiedliche Technologien können diesen Ablauf ermöglichen. Auch hybride Ansätze, bei denen verschiedene Technologien kombiniert werden, kommen infrage. Welche Lösung geeignet ist, hängt unter anderem von Regalen, Prozessen, IT und den angestrebten Leistungszielen ab.
Wie lässt sich ein bestehendes Fachbodenlager automatisieren?
Im Fachbodenlager greifen Beschäftigte direkt auf die gelagerten Waren zu. Soll Technik diesen Weg übernehmen, muss sie die Behälter erreichen, aufnehmen und zurückstellen können. Regalhöhe, Behälterform und Gewicht gehören deshalb zu den ersten Punkten einer Prüfung.
Bei einem möglichen Retrofit-Ansatz holen mobile Roboter die Behälter aus dem vorhandenen Regal und bringen sie zu einer Kommissionierstation. Dort entnehmen Beschäftigte die benötigten Artikel. Der Transport wird automatisiert; die Artikelentnahme bleibt beim Menschen.
Ob sich ein Regal ohne Änderungen weiter nutzen lässt, entscheidet sich an der jeweiligen Anlage und dem eingesetzten Robotersystem. Auch Fahrwege, Übergabepunkte und der Platz für Stationen oder Puffer müssen passen. Mobile Roboter benötigen keine durchgehende Förderstrecke. Sie brauchen dennoch geeignete Flächen, um Behälter aufzunehmen, zu transportieren und an der Station zu übergeben.
Wie setzt NEO Ware-zur-Person im Fachbodenlager um?
NEOintralogistics (NEO) setzt diesen Retrofit-Ansatz in bestehenden Fachbodenlagern um. Damit adressiert NEO insbesondere Lagerbereiche, die trotz bestehender Automatisierung häufig noch manuell kommissioniert werden und bislang als technisch oder wirtschaftlich schwer automatisierbar galten.
Mobile Roboter entnehmen angeforderte Behälter aus den Regalen und transportieren sie zur Kommissionierstation beziehungsweise zu einem automatisierten Puffer. Ein Roboterarm bringt die Behälter in die benötigte Reihenfolge. An der Station entnehmen Mitarbeitende die Artikel.
Die Software NEO:os steuert das Zusammenspiel von Robotern, Puffer und Stationen. Sie ist mit dem vorhandenen Lagerverwaltungssystem verbunden, das weiterhin führend bleibt. Automatisierte Kommissionierung im bestehenden Warenlager bedeutet hier, die Bereitstellung der Waren zu verändern und die Fachbodenregale weiter zu nutzen.
Wie gelingt die Einführung im laufenden Betrieb?
Während eine neue Anlage aufgebaut wird, müssen weiterhin Aufträge bearbeitet werden. Ein Projektplan muss deshalb festlegen, welche Flächen wann benötigt werden und wie manuelle und automatisierte Abläufe während der Umstellung nebeneinander funktionieren.
Die IT-Anbindung gehört dabei zur Planung. Das Lagerverwaltungssystem muss Aufträge, Bestände und Stellplätze mit der Automatisierung austauschen können. Ebenso muss feststehen, welches System die Technik steuert und was bei Störungen mit begonnenen Aufträgen geschieht. Das bisherige WMS kann führend bleiben, wenn Schnittstellen und Aufgabenverteilung entsprechend eingerichtet sind.
NEO nennt für die Einführung typischerweise sechs bis acht Wochen. Nach Unternehmensangaben läuft die bestehende Kommissionierung währenddessen weiter. Bereits vorhandene AKL oder Shuttle-Systeme schließen einen ergänzenden Retrofit im Fachbodenbereich nicht grundsätzlich aus. Schnittstellen und Warenflüsse müssen dafür aufeinander abgestimmt werden.
Ein Pilotbetrieb erlaubt es, diese Abläufe im Tagesgeschäft zu testen. Dabei zählen die bearbeitete Auftragsmenge, Fehler, technische Verfügbarkeit und der verbleibende Arbeitsaufwand. Auch die Beschäftigten müssen die neuen Abläufe kennen. Erst die Ergebnisse unter realen Bedingungen zeigen, ob ein Ausbau sinnvoll ist und welche Anpassungen dafür notwendig werden.

Für einen reibungslosen Kommissionierprozess: Ein Roboterarm bringt die Behälter automatisch in die richtige Reihenfolge. © NEOintralogistics
Wie verändert Pay-per-Pick die Kostenstruktur?
Beim Anlagenkauf tragen Unternehmen zunächst die Investition. NEO rechnet seine Lösung dagegen leistungsabhängig pro Kommissioniervorgang ab. Dieses Pay-per-Pick-Modell ermöglicht den Einstieg ohne eine hohe Vorabinvestition in die Automatisierung.
Das Gesamtpaket umfasst Robotik für den Transport, Kommissionierstationen, Software für die Integration und Wartung der Lösung.
Bereits eine Station ermöglicht den Einstieg. Anschließend können Betreiber den Umfang bedarfsgerecht skalieren. Sie müssen den Ausbau deshalb nicht von Beginn an auf die größtmögliche Ausbaustufe festlegen.
Mit dem Kommissionierkosten-Rechner können Unternehmen ihre aktuellen Kommissionierkosten und die mögliche Ersparnis mit NEO vorab selbst überschlagen. Das Ergebnis ist eine Orientierung auf Basis der eingegebenen Werte und der Modellannahmen.

Autonome mobile Roboter (AMR) navigieren selbstständig durchs Lager und bringen Behälter direkt zur Kommissionierstation. © NEOintralogistics
Welche Potenziale bestehen bei Personalbedarf und Lagerkapazität?
Nach Unternehmensangaben kann NEO den Personalaufwand in der Kommissionierung bei gleichem Durchsatz um bis zu 70 Prozent reduzieren. Außerdem nennt das Unternehmen eine zwei- bis dreifache Lagerkapazität auf derselben Fläche im automatisierten Bereich. Diese Angaben beschreiben unterschiedliche Potenziale: weniger Arbeitsaufwand und mehr Platz für Waren. Eine höhere Lagerkapazität bedeutet nicht automatisch einen entsprechend höheren Durchsatz.
Bei Conrad Electronic SE ist NEO bereits im Einsatz. Ralf Bühler, CEO von Conrad Electronic SE, ordnete die Entscheidung so ein: "Aktuell gibt es keinen anderen Anbieter außer NEO, der Goods-to-Person-Automatisierung speziell für Fachbodenregal-Umgebungen anbietet. Wir haben das Potenzial dieser Innovation früh erkannt und gehören nun zu den ersten, die sie im Live-Betrieb einsetzen."
Welche Einsparungen und zusätzliche Kapazität ein Lager tatsächlich erreicht, muss am jeweiligen Standort ermittelt werden. Maßgeblich sind Sortiment, Auftragsstruktur, Layout und Auslastung. Für die Entscheidung zählt deshalb der Vergleich mit dem bisherigen Betrieb: Erfüllt die Lösung das gesetzte Ziel, und zu welchen Gesamtkosten?

An der Kommissionierstation entnehmen Mitarbeitende den benötigten Artikel aus dem bereitgestellten Behälter, während sie digital durch den Prozess begleitet werden. © NEOintralogistics
FAQ
Welche Vorteile bietet Lagerautomatisierung?
Lagerautomatisierung kann Laufwege reduzieren, den manuellen Arbeitsaufwand senken, die Lagerkapazität besser nutzen und die Bearbeitung von Auftragsspitzen unterstützen. Welche Vorteile tatsächlich erreicht werden, hängt von Lagerstruktur, Sortiment, Auftragsvolumen und eingesetzter Technologie ab.
Was bedeutet Ware-zur-Person bei der automatisierten Kommissionierung?
Beim Ware-zur-Person-Prinzip werden die benötigten Waren automatisiert zu einer Kommissionierstation gebracht. Welche Technologie dafür eingesetzt wird, hängt von der jeweiligen Lösung und den Rahmenbedingungen des Lagers ab. Bei NEO übernehmen autonome mobile Roboter den Transport aus dem bestehenden Fachbodenlager.
Welche Infrastruktur braucht automatisierte Kommissionierung mit NEO?
NEO ergänzt bestehende Fachbodenregale um mobile Roboter, Kommissionierstationen und Software. Das vorhandene WMS bleibt im Einsatz. Robotik, Stationen, Software und Wartung bilden das Gesamtpaket.
Ersetzt automatische Kommissionierung das gesamte Fachbodenlager?
Nein. NEO modernisiert den Bestand als Retrofit. Fachbodenregale und WMS bleiben erhalten. Der Einstieg beginnt mit einer Station, weitere Kapazität ergänzt das Unternehmen bedarfsgerecht.
Impressum
NEOintralogistics GmbH
Mathias Voigt / Director of Venture Development
Volmerswerther Str. 431
40221 Düsseldorf
Telefon:?+49 211 936 724 23
E-Mail:?info@NEOintralogistics.com
Enthaltene Werte: DE0009653XXX
Die hier angebotenen Beiträge dienen ausschließlich der Information und stellen keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen dar. Sie sind weder explizit noch implizit als Zusicherung einer bestimmten Kursentwicklung der genannten Finanzinstrumente oder als Handlungsaufforderung zu verstehen. Der Erwerb von Wertpapieren birgt Risiken, die zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. Die Informationen ersetzen keine, auf die individuellen Bedürfnisse ausgerichtete, fachkundige Anlageberatung. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden wird weder ausdrücklich noch stillschweigend übernommen. ABC New Media hat auf die veröffentlichten Inhalte keinerlei Einfluss und vor Veröffentlichung der Beiträge keine Kenntnis über Inhalt und Gegenstand dieser. Die Veröffentlichung der namentlich gekennzeichneten Beiträge erfolgt eigenverantwortlich durch Autoren wie z.B. Gastkommentatoren, Nachrichtenagenturen, Unternehmen. Infolgedessen können die Inhalte der Beiträge auch nicht von Anlageinteressen von ABC New Media und / oder seinen Mitarbeitern oder Organen bestimmt sein. Die Gastkommentatoren, Nachrichtenagenturen, Unternehmen gehören nicht der Redaktion von ABC New Media an. Ihre Meinungen spiegeln nicht notwendigerweise die Meinungen und Auffassungen von ABC New Media und deren Mitarbeiter wider. (Ausführlicher Disclaimer)
