DJ MÄRKTE EUROPA/Schwach - Globaler Renditeschock vor Fed-Protokoll
DOW JONES--Sehr schwach sind die europäischen Börsen am Mittwoch aus dem Handel gegangen. Vorangegangene Entspannungssignale bei den Ölpreise und der Fiskalpolitik Frankreichs wurden von weltweiten und teils explosiven Renditeanstiegen zunichte gemacht. Der DAX fiel um 1,4 Prozent auf 25.104 Punkte, der Euro-Stoxx-50 verlor 1,5 Prozent auf 6.180 Zähler.
In den USA sprangen die 30-jährigen Staatsanleihen in der Spitze auf 5,73 Prozent und erreichten damit ein 24-Jahreshoch. In Großbritannien ging es für die gleiche Laufzeit sogar kurz über die 6-Prozentmarke, was die höchste Rendite seit 28 Jahren darstellte. Die langen Laufzeiten sind extrem wichtig für die Hypothekenkosten und damit den Häusermarkt.
Mit dem Blick auf die französische Politik übersah der Markt zudem, dass der stärkste Zinsanstieg in Italien erfolgte. Entsprechend brach der MIB-30-Index in Mailand um 2,5 Prozent ein. Der Zinsaufschlag der dortigen Staatsanleihen gegenüber den deutschen sprang von rund 103 auf 115 Basispunkte. Entsprechend standen europaweit Bankentitel mit Abstand am stärksten unter Druck: Der Subindex der Bankenwerte fiel um 3,3 Prozent. Bei den Einzelwerten traf es am stärksten die Deutsche-Bank-Aktie mit 4,9 Prozent Minus, in Italien die Unicredit mit 4,2 Prozent und in Paris die Societe Generale mit minus 5 Prozent.
Umgekehrt sprachen Händler von typischen "Krisen-Umschichtungen" in andere Branchen, die als Sichere Häfen gelten: So führten die Branchen der Telekom- und Gesundheitswerte die Gewinner an. Auch Nahrungsmittel und Haushaltsgüter stiegen ins Plus. Deutsche Telekom im DAX legten um 2,2 Prozent zu.
Fundamental belasteten vor allem Sorgen vor dem Fed-Protokoll am Abend und eine US-Bond-Auktion - beides nach Börsenschluss in Europa. Sollte die Nachfrage nach US-Staatsanleihen schwach ausfallen, dürften die Märkte am Donnerstag weiter abrutschen. Beim Fed-Protokoll fürchteten Händler deutliche Kommentare zu einer noch stärkeren US-Wirtschaft. Denn immerhin hatten zeitnahe Indikatoren wie der ISM-Service-Index gezeigt, dass der wichtigste Beschäftigungszweig der USA auf Expansionskurs gegangen war, und dies bei gleichzeitig steigenden Preisen. "Bislang hatte der Markt eine Oktober-Erhöhung aus politischen Gründen für eher unmöglich gehalten", sagt ein Händler. Denn der Termin der Fed-Sitzung liege nur eine Woche vor den wichtigen US-Zwischenwahlen. Am Markt spielten solche Überlegungen aber mittlerweile keine Rolle mehr, er laufe daher der Fed voraus.
Zu den größten Verlierern zählten Technologiewerte mit 2 Prozent Abschlag. Der Sektor wurde von steigenden Zinsen doppelt in die Zange genommen: Zum einen sank ihre Aktienbewertung, zum anderen erhöhten sich ihre Ausgaben durch die massiven KI-Investitionen. Hauptverlierer waren BE Semiconductor mit minus 8,5 Prozent. Sie wurden seit dem Vortag von heftigen Abstufungen belastet, unter anderem durch Barclays, Bank of America und UBS. Aber auch STMicro verloren 4,1 Prozent, Infineon im DAX sogar 5,8 Prozent.
Interessante Kursauschläge gab es bei Autowerten. Gestützt wurden vor allem die verbrennerlastigen Hersteller vom Zusammengehen Deutschlands und Frankreichs bei einer Verschiebung des EU-Verbotes. "Wenn sich Merz und Macron da einig sind, ist die Wahrscheinlichkeit trotz regulatorischer Hürden sehr hoch", sagte ein Händler. Daher legten VW 1,6 Prozent zu, Stellantis 1,4 Prozent, Renault um 3,7 Prozent und deren Zulieferer Forvia 2,2 Prozent. Letztere profitierten auch noch von einer doppelten Hochstufung durch die Bank of America. Mercedes-Benz fielen dagegen nach schwachen Absatzzahlen um 2,1 Prozent.
Beim Autozulieferer Aumovio belastete der überraschende Ausstieg der Finanzvorständin nicht. Die Aktien stiegen um 2,5 Prozent. Umgekehrt ging es bei Fresenius Medical Care um 6,9 Prozent tiefer. Hier belastete der CEO-Austausch, der bereits nächste Woche vollzogen werden soll. Der schnelle Wechsel ohne Vorankündigung werfe viele Fragen auf, hieß es im Handel.
Bei Puma ging es 3,8 Prozent nach oben. Kurstreiber war der schnelle Abschluss des Anteilskaufs durch Anta Sports. Die Chinesen sind nun mit 29,06 Prozent der größte Aktionär bei Puma. Analysten setzen darauf, dass dadurch die Marktdurchdringung in China besser werden wird.
=== Index Schluss* Entwicklung in % Seit Jahresbeginn (%) Euro-Stoxx-50 6.180 -1,5 +8,3 Stoxx-50 5.293 -0,8 +8,5 Stoxx-600 630 -1,0 +7,5 DAX 25.104 -1,4 +3,9 FTSE-100 London 10.542 -0,8 +6,2 CAC-40 Paris 7.865 -1,2 -3,5 AEX Amsterdam 1.128 -0,9 +18,6 ATHEX-20 Athen 6.899 -2,6 +28,9 BEL-20 Brüssel 5.570 -0,8 +9,7 BUX Budapest 143.683 -1,7 +29,4 OMXH-25 Helsinki 6.461 -0,9 +13,3 OMXC-20 Kopenhagen 1.503 +0,4 -6,6 PSI 20 Lissabon 9.420 -0,9 +14,0 IBEX-35 Madrid 19.444 -1,7 +12,3 FTSE-MIB Mailand 51.261 -2,5 +14,1 OBX Oslo 1.967 -0,7 +23,1 PX Prag 2.630 -2,4 -2,1 OMXS-30 Stockholm 3.283 -1,7 +13,9 WIG-20 Warschau 156.686 -1,5 +35,6 ATX Wien 6.792 -2,7 +27,5 SMI Zürich 13.789 +0,1 +3,9 * gerundet DEVISEN zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Di, 17:40 EUR/USD 1,1188 -0,6 -0,0070 1,1258 1,1267 EUR/JPY 176,88 -0,6 -1,1100 177,99 178,1000 EUR/CHF 0,9324 -0,4 -0,0039 0,9363 0,9353 EUR/GBP 0,8465 -0,2 -0,0013 0,8478 0,8481 USD/JPY 158,06 -0,0 -0,0400 158,1 158,0500 GBP/USD 1,3213 -0,4 -0,0059 1,3272 1,3283 USD/CNY 6,7045 +0,0 0,0015 6,7045 6,7045 USD/CNH 6,704 +0,0 0,0028 6,7012 6,7014 AUS/USD 0,6962 -0,3 -0,0020 0,6982 0,6983 Bitcoin/USD 83.430,72 -2,6 -2.196,02 85.626,74 86.170,13 ROHÖL zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag WTI/Nymex 88,97 -0,5 -0,47 89,44 Brent/ICE 101,16 +0,6 0,58 100,58 Metalle zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Gold 4.107,38 -1,3 -56,07 4.163,45 Silber 59,89 -2,9 -1,79 61,69 Platin 1.635,69 -3,9 -66,06 1.701,75 (Angaben ohne Gewähr) ===
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