
© Foto: von Sander Weeteling auf Unsplash (Symbolbild)
Volle Auftragsbücher, aber ein Kurs im Sinkflug. Nordex meldet Bestellung um Bestellung, und trotzdem rutscht die Aktie weiter ab. Zwei wichtige Durchschnittslinien sind gerissen. Im Chart steht das viel beachtete und auch von Charttechnikern gefürchtete "Todeskreuz". Nur ein einziger Indikator macht noch etwas Hoffnung, welcher das ist, beschreiben wir weiter unten im Artikel. Kommt jetzt die Erholung? Oder geht es weiter bergab, vielleicht sogar bis zu einer alten Kurslücke tief unten? Wir zeigen, was hinter dem Widerspruch steckt und worauf Anleger jetzt achten sollten.
Aufträge aber kein Applaus
Nordex liefert Meldungen am laufenden Band und dazu auch recht gute. Zuletzt kamen Aufträge über 228 Megawatt aus Süd-, Mittel- und Osteuropa herein. Dazu kommen 389 Megawatt aus der Türkei. Zusammen sind das 91 Anlagen. Die Verträge enthalten auch Service, teils für bis zu 25 Jahre. Das klingt toll und sorgt für planbare Einnahmen über Jahre hinweg. Die Börse reagierte trotzdem gelassen, bzw. gelangweilt. Die Aktie gab zeitweise nach, obwohl die Nachrichten gut klangen. Viele Anleger haben die Stärke offensichtlich wohl längst eingepreist. Sie fragen sich mittlerweile etwas anderes: Bleibt am Ende genug Gewinn hängen? Preisdruck bei neuen Anlagen und Verzögerungen bei Projekten sorgen für Skepsis. Auch die Deutsche Bank verweist darauf. Dazu kommt Gegenwind von RBC. Das Haus stuft Nordex auf "Underperform" mit Ziel 36 Euro. Analyst Mark Fielding warnt vor möglichen politischen Vorgaben in Deutschland. Andere sehen das ganz anders. Goldman Sachs und die Deutsche Bank bleiben bei "Buy" und heben ihre Ziele leicht an. Im Schnitt liegt das Kursziel bei 53,40 Euro. Die Aktie notiert bei rund 35,50 Euro.

Charttechnik
Der Chart sieht derzeit leider nicht so gut aus. Die Aktie ist unter den 50er SMA und auch unter den 200er SMA gefallen. Beide Linien haben sich gekreuzt. Und zwar der 50er den 200er von oben nach unten. Chartisten nennen das Todeskreuz. Kein schöner Anblick, denn dies deutet auf möglicherweise noch mehr Verkaufsdruck hin. Auf 30 Tage gesehen verlor das Papier schon knapp 10 Prozent, auf ein halbes Jahr sogar über 20 Prozent. Einen Lichtblick gibt es allerdings, wie schon eingangs erwähnt. Der RSI liegt bei 37, zuvor bei 30 und damit nahe der überverkauften Zone. Das spricht für eine mögliche Erholung. Bleibt sie aus oder fällt nur schwach aus, wird es allerdings heikel. Dann droht ein weiteres Abrutschen Richtung 30 Euro. Auch ein Fall unter 25 Euro ist denkbar. Dort wartet noch eine offene Kurslücke, die der Markt gern irgendwann schließt.
Was tun?
Wie geht man mit Nordex um? Operativ läuft es. Nordex schreibt Gewinne, die Nettomarge ist gestiegen, und der Free Cashflow war im letzten Geschäftsjahr kräftig. Das KGV für 2026 liegt bei rund 17 und damit unter dem Branchenschnitt. Allerdings bleibt die Marge schmal, und der erwartete Cashflow fällt niedriger aus. Charttechnisch ist das Bild klar schwächer. Wer schon dabei ist, sollte Rücksetzer einplanen und die Verluste im Blick behalten. Neueinsteiger könnten erst auf eine Stabilisierung warten. Den nächsten Hinweis liefern die Zahlen zum dritten Quartal, die für den 5. November erwartet werden. Bis dahin passt eine vorsichtige Haltung und vielleicht ein paar Abstauberlimite bei Schwäche platzieren. Immer im Hinterkopf behalten, dass sogar ein Gap-Closing unter 25 Euro möglich ist.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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